Gelbe Brühe: Sylvi Schnell vom Wikingerhort zeigt den Besuchern, wie intensiv das Kraut Färberwau das Wasser und damit auch die Wolle färbt. Aus der Schöpfkelle fließt das getönte Wasser, auf dem Tisch liegen natürlich gefärbte Wollsachen. - © Sibylle Kemna
Gelbe Brühe: Sylvi Schnell vom Wikingerhort zeigt den Besuchern, wie intensiv das Kraut Färberwau das Wasser und damit auch die Wolle färbt. Aus der Schöpfkelle fließt das getönte Wasser, auf dem Tisch liegen natürlich gefärbte Wollsachen. | © Sibylle Kemna

Oerlinghausen Färben wie die Wikinger

Archäologisches Freilichtmuseum: Wikingerhort Oberhausen und Alemannendarsteller zeigen Wollbearbeitung von der Schur bis zum Endprodukt

Sibylle Kemna

Oerlinghausen. Ein beschauliches Miteinander herrschte am Wochenende im Archäologischen Freilichtmuseum. Anders als bei großen Events, wie den Wikingertagen, war die Anzahl der Besucher und Darsteller bei der Aktion des Wikingerhortes Oberhausen überschaubar und man kam intensiv miteinander ins Gespräch. Rauch steigt auf neben dem Landhaus. In einem großen Kessel über dem Feuer köchelt Färberwau. „Da sehen sie mal, wie schön gelb das wird“, sagt Sylvie Schnell vom Wikingerhort Oberhausen, hält eine Kelle hoch und gießt die Brühe langsam aus, um die Färbung den Besuchern zu zeigen. Für sie ist klar, woher sich der Name entwickelt hat. „Das ist wirklich ,Wow’, oder?“ Im Laufe der beiden Tage zeigen Sylvie und Piet Schnell, wie sie die Wolle von eigenen Schafen bearbeiten, vom Waschen und Kämmen, das Spinnen mit der Handspindel über das Färben bis zum „Nadelbinden“ und Weben. „Die Wikinger haben keine Maschen auf der Nadel gehabt, sondern Knoten gemacht“, berichtet die rothaarige Wikingerin. Sie führt die verschiedenen Designs vor, die man anhand der Fundorte benannt hat, wie den Oslo-Stich oder den York-Stich. „Wirklich schön“, meint Besucherin Wiebke Ebmeyer. „Dadurch, dass ich Knoten binde, kann sich keine Laufmasche bilden, das Loch bleibt stabil und kann leicht geflickt werden“, erklärt Sylvie Schnell. Für jede Farbe ist ein Kraut gewachsen und wenn nicht, dann helfen sich die Schnells mit der „Doppelfärbung“: Nach der Kolorierung mit Färberwau wird die Wolle in rostiges Eisenwasser gelegt. „Das gibt ein ganz schönes Petrol, hab ich aber leider schon verkauft“, sagt Schnell bedauernd. Sie nutzt neben Kräutern auch Birkenblätter und Zwiebelschalen zum Färben und tauscht sich mit einer Besucherin, die Ostereier färbt, aus über geeignete Naturstoffe. „Besucher fragen oft, warum wir nicht rote Beete nehmen, aber das Rot färbt ganz schnell aus und wird schäbig.“ Die Färberlaus macht das begehrte Pink, „aber sammeln sie mal Tausende von Läusen von den Bäumen ab“, macht die Wikingerin deutlich, wie aufwendig das ist. Wenn Männer Bier trinken, hilft das 
beim Färben Das Sammeln von Urin Bier trinkender Männer ist dagegen ein Klacks. „Den hat man dem Färberwaid oder Reseda zugegeben, durch Vergären mit Urin wurde der Farbstoff gelöst“, berichtet die Wollfrau. Auch für das Spinnen mit der Spindel braucht man Geduld: Für ein kleines Knäuel Wolle hat Sylvie Schnell sechs Stunden gebraucht. Das Brettchenweben zeigt Astrid Burgers, die mit ihrer Familie die Alemannen darstellt. Sie sind als befreundete Gruppe mit den Schnells zusammen gekommen. Die Besucher können alles ausprobieren, das Spinnen wie auch das Weben und andere Techniken, und die Hochachtung vor den Produkten wie auch den Fähigkeiten der Vorfahren wächst. Aber es dreht sich nicht alles nur um Wolle an diesem Wochenende. Die Wikinger und Alemannen zeigen den Besuchern auch gerne, wie sie im Landhaus ihr Lager gerichtet haben. Alle Möbel sind handgefertigt. Und die Gäste können Lagerköchin Astrid Burgers beim Zubereiten der Mahlzeiten zuschauen. Am Samstag gibt es Pichelsteiner Eintopf und am Sonntag Sauerbraten. Und so manchen Schaukampf führten die Alemannen Benjamin Bode und Karsten Burgers auch vor.

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