Eingriff vom Computer aus: Frank Willfeld, Technischer Leiter, (l.) und Reiner Tauern, Geschäftsführer von bot aircraft. - © Gunter Held
Eingriff vom Computer aus: Frank Willfeld, Technischer Leiter, (l.) und Reiner Tauern, Geschäftsführer von bot aircraft. | © Gunter Held

Oerlinghausen Segelflugschule Oerlinghausen stellt vollbeweglichen Simulator vor

Neuheit war ursprünglich nur als Messegag gebaut

Gunter Held

Oerlinghausen. Mit drei Fingern bewegt Georg Hemkendreis im Cockpit des Segelflugzeugs den Steuerknüppel. Sanft neigt sich der Flieger nach rechts. Der Flugplatz der Bergstadt kommt in Sicht. Behutsam drückt Hemkendreis den Steuerknüppel nach vorn, die Nase des Flugzeugs senkt sich ein bisschen. - Doch die Situation ist nicht real. Hemkendreis sitzt in einem Segelflugsimulator. Nach Angaben des Herstellers dem weltweit einzigen, bei dem sich die Kanzel in alle Richtungen bewegt. "Zuerst haben wir einen Simulator nur als Messegag gebaut", sagt Reiner Tauern, Geschäftsführer der Firma bot aircraft, die Ultra-Leichtflugzeuge produzieren. Als dann immer mehr Anfragen kamen, haben Tauern und sein Technischer Leiter Frank Willfeld die Produktion der Simulatoren professionell aufgestellt. "Von Anfang an wollten wir einen Simulator bauen, der der Realität bei den Flugeigenschaften und der Außendarstellung der Landschaft so nah wie möglich kommt. Bisher kannte man Simulatoren nur als große dunkle Kisten in denen vorne ein Bildschirm flackerte. Wir wollten etwas bauen, das Sex-Appeal hat. Und unser Simulator ist sexy", sagt Willfeld. Bevor der Technikfuchs des Unternehmens sich an die Feinjustierung des Simulationsprogramms macht, fliegt er gern ein bisschen. Auch am Freitag hat er in der Bergstadt erst zwei Starts und zwei Landungen mit einem Segelflugzeug gemacht. "Das hilft, denn das Gefühl im Simulator muss dasselbe sein wie im Flugzeug", sagt Willfeld. Bereits einprogrammiert hat er alle möglichen Flugsituationen, natürlich auch solche, die weniger angenehm sind, wie beispielsweise das Reißen des Seils beim Start oder das Abreißen der Thermik. Gerade brenzlige Situationen ließen sich im Simulator hervorragend schulen, sagt Willfeld. Obwohl Tauern und Willfeld zunächst mit einem Simulator begonnen haben, der als Basis ein Ultra-Leichtflugzeug aus eigener Produktion hat, können sie mittlerweile alle Flugzeugtypen nachbauen. Auch einen Airbus? "Ja", sagt Willfeld, "auch das geht." Produziert werden die Simulatoren in Bielsko-Biala in Polen. "Dort haben wir sehr gute Mitarbeiter", sagt Tauern. Der Segelflugsimulator sei beispielsweise in nur zwei Monaten gebaut worden - von der Idee bis zum fertigen Produkt. Zu Gunsten des Hauptproduktionsstandortes in Polen hat bot aircraft den Standort in Oerlinghausen aufgegeben, doch der Repräsentant in der Bergstadt, Jürgen Ostermeier, ist weiterhin für das Unternehmen als Generalvertreter für Deutschland tätig. Wie realitätsnah die Simulatoren sind, zeigte sich in einer belgischen Flugschule. Der Fluglehrer dort schulte einen Flugschüler 18 Stunden auf einem Motorflugsimulator von bot aircraft. Dann folgten zweimal eine halbe Stunde im echten Flugzeug. Danach hielt der Lehrer seinen Schüler für prüfungstauglich. Und der holte sich die Fluglizenz mit Bravour. Einen Schub für die Segelflugschule erhofft sich auch Georg Hemkendreis, Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft. "Mit diesem Simulator ist es uns möglich, Flugschüler das ganze Jahr über zu schulen", sagt er. Zunächst aber geht der Simulator auf Reisen. Am heutigen Samstag wird er an den Bodensee gebracht. Dort, in Friedrichshafen, findet in der kommenden Woche die Messe "Aero" statt. Das ist eine Fachmesse für alles unterhalb der Verkehrs- und Militärfliegerei, erklärt er. "Für den Simulator ist es die Weltpremiere", sagt Tauern - und ein bisschen Stolz schwingt mit.

realisiert durch evolver group