Oerlinghausen Den Blick nach vorne richten

Staatssekretär erstmals zu Gast beim Neujahrsempfang im St. Hedwigs-Haus

Dr. Johannes Stefan Müller (4.v.r.) heißt vor dem Hedwigs-Haus Staatssekretär Thorsten Klute (5.v.l.), den Bundesvorsitzenden Waldemar Eisenbraun (6.v.l.) sowie den Bundestagsabgeordneten Heinrich Zertik (8.v.l.) und eine Reihe weiterer Gäste willkommen. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
Dr. Johannes Stefan Müller (4.v.r.) heißt vor dem Hedwigs-Haus Staatssekretär Thorsten Klute (5.v.l.), den Bundesvorsitzenden Waldemar Eisenbraun (6.v.l.) sowie den Bundestagsabgeordneten Heinrich Zertik (8.v.l.) und eine Reihe weiterer Gäste willkommen. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

Oerlinghausen. Bundespräsident Joachim Gauck hat den politisch Handelnden jüngst "eine erschreckende Gleichgültigkeit beim Thema Integration" bescheinigt. Ohne die zugewanderten Menschen aber "würde unser Land kulturell veröden". Gauck meint damit viel mehr als Kultur und Theater. "Es geht um die Kultur des menschlichen Miteinanders und des Erinnerns", stellt Thorsten Klute klar.

Erstmals konnte der Leiter des Instituts für Migrations- und Aussiedlerfragen, Dr. Johannes Stefan Müller, den ehemaligen Bürgermeister Versmolds und neuen Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in der Heimvolkshochschule St. Hedwigs-Haus begrüßen. Anlass war der traditionelle Neujahrsempfang der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Landsgruppe NRW.

Information

Kulturverein

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland vertritt die Interessen der Deutschen, die innerhalb der Länder der ehemaligen Sowjetunion vertrieben wurden und nach dem Zweiten Weltkrieg im Verlaufe einiger Jahrzehnte als Russlanddeutsche nach Deutschland übergesiedelt sind.

Die Landsmannschaft bekennt sich zur Charta der deutschen Heimvertriebenen.(kap)

"Die Zusammenarbeit mit Ihnen ist uns wichtig", betonte Klute, dessen Frau Polin ist. "Deshalb möchte ich ein Zeichen setzen." Klute hatte die Ergebnisse einer aktuellen bundesweiten Untersuchung mitgebracht. Danach leben in NRW 620.000 Spätaussiedler. "75,1 Prozent von ihnen sind erwerbstätig." Das sei ein deutlich höherer Satz als in der Gesamtbevölkerung (69,5 Prozent). Auch die Zahl der Erwerbslosen liege deutlich unter dem allgemeinen Niveau.

"Das ist eine wesentliche politische Botschaft." Nach ihrer wechselvollen Geschichte hätten die Rückkehrer trotz der vielen Nachteile, die sie hätten in Kauf nehmen müssen, im Land Großes geleistet, bescheinigte Klute. Die Studie habe insbesondere die Jugend in den Blick genommen. Die Lebenssituationen im Jahr 2001 und 2011 wurden verglichen.

Sprachkenntnisse und Bildungsorientierung hätten sich danach deutlich verbessert. "Und es gibt eine wesentlich geringere Jugendarbeitslosigkeit." Dennoch gelte es zu überlegen, "wie wir die jungen Leute noch besser integrieren können". Das, betonte Klute, "wird einer meiner Schwerpunkte sein".

Auch Heinrich Zertik, erster Bundestagsabgeordneter mit russlanddeutschen Wurzeln, will sich bemühen, "unsere Anliegen einzubringen und ein gemeinsames Paket zu schnüren". Das sei Ziel seiner Arbeit in Berlin. "Da sehe ich noch viel Perspektive." Waldemar Eisenbraun, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft, vernimmt "insgesamt eine positive Entwicklung in der Gesellschaft".

Wenngleich oft noch das Negativ-Bild überwiege. Die meisten Deutschen aus Russland lebten aber seit mehr als 20 Jahren im Land. "Inzwischen müsste jeder wissen, dass wir Leistungsträger der Gesellschaft sind." Beisitzer Alexander Kühl stellte klar, dass "die Landsmannschaft noch lange kein Auslaufmodell ist. Der Blick nach vorne ist das Wichtigste."

Copyright © Neue Westfälische 2016
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group