Oerlinghausen Zwei Geschäftsfrauen geben auf

Einzelhandel: Zwei Läden, die dazu eingeladen haben, durch die Stadt zu bummeln, schließen. Die Händler sehen den Hauptgrund im Umzug eines Drogeriemarktes

Karin Prignitz

Oerlinghausen. „Ich habe so viel Herzblut hineingesteckt“, sagt Irmhild Engbert. Dazu geführt, dass sie ihr kleines Geschäft mit dem großem Charme an der Hauptstraße weiterführen kann, hat es nicht. Das Café Wollgeflüster schließt spätestens Ende Juli. Derzeit läuft der Ausverkauf. Noch ein weiterer Laden wird sich aus Oerlinghausen verabschieden. Einfach war es nie, aber Irmhild Engbert ging bei der Eröffnung im September 2013 davon aus, dass es eben eine Zeit brauchen wird, bis ein neuer Laden von den Kunden angenommen wird. Die Kombination aus Wolle und kleinem, nordisch-gemütlichem Café in liebevoll gestalteten Räumen war neu, und viele Bürger kamen gerne, auch deshalb, weil sie bei Irmhild Engbert einen Ort zum Klönen fanden. Die Inhaberin rief zwei Strickgruppen ins Leben, bot Aktionen wie Weinproben und After-Work-Abende an, fair gehandelten Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. „Das alles war wohl trotzdem nicht nachhaltig genug.“ Am Monatsende blieb kaum etwas übrig. Deshalb hat Irmhild Engbert nun die Reißleine gezogen und die Chance genutzt, eine Anstellung anzunehmen. Auch ihre Tochter sei zurück in den alten Beruf gegangen, erzählt Engbert, und Frustration schwingt mit. „Sehr schade, dass ich den Schritt nun gehen muss, aber es hilft nichts.“ Richtig bitter sei die Situation, „seit Rossmann runtergezogen ist“, das sagt auch Sylvia Kamp. Keine Zukunft mehr in Oerlinghausen Vor vier Jahren hatte sie „Kunst & Chili“ am Simons-platz übernommen, das im September seit zehn Jahren besteht. „Schönes für Drinnen und Draußen“ ist dort zu bekommen. „Seit einem Jahr gehen die Umsätze deutlich zurück“, erzählt die Geschäftsfrau. Zurück führt sie das auf mehrere Faktoren. Der Kinderladen am Simonsplatz sei nicht mehr da, im ebenfalls geschlossenen Café gegenüber passiere nichts, und dann der Umzug von Rossmann, der den Beobachtungen zufolge dazu geführt habe, „dass die Autofahrer direkt Richtung Zeppelinstraße und nicht mehr durch die Hauptstraße fahren“, all das habe dazu geführt, dass sie für ihren Laden keine Zukunft in Oerlinghausen sehe, sagt Kamp. Da half es auch nicht, dass der Laden über Mittag geöffnet hatte. Voraussichtlich bis zum Jahresende wird der Ausverkauf laufen. Jörg Czyborra findet es „unendlich traurig und schade“, dass gleich zwei Geschäfte dicht machen, weil es sich für sie nicht rentiert. „Beide waren Anker, die einen Bummel durch die Stadt lohnenswert gemacht haben“, sagt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Oerlinghausen. Seine große Sorge: „Die Innenstadt verliert an Attraktivität.“ Czyborra bestätigt, dass es seit dem Rossmann-Umzug in den Geschäften an der Hauptstraße einen deutlichen Kunden-Frequenzverlust von 25 Prozent gebe. „Und wenn erst der Rewe öffnet, wird dieser Verlust wahrscheinlich noch deutlicher ausfallen.“ Zumal es viele Produktüberschneidungen gebe. Bei den Stadtplanungen müsse das berücksichtigt werden, fordert Czyborra. „Das muss die erste Überlegung sein und noch vor Begrünungen und sonstigem kommen.“ Innovationskonzepte müssten von der Stadt und auch von den Vermietern gefördert werden. Rathausplatz ohne Außengastronomie Ein neu gestalteter Rathausplatz, auf dem es nach einer möglichen Schließung des „Aura“ keine Außengastronomie gebe, auch das dürfe nicht sein. „Ein zusätzliches Café wäre auf jeden Fall wünschenswert“, sagt Czyborra. Die Werbegemeinschaft lädt am Freitag, 22. Juni, zum Mitternachtsshopping ein. „Zusätzliche Aktionen wie diese führen wir nicht nur im Interesse der Geschäftsleute durch“, betont Czyborra, „sondern auch, um Oerlinghausen attraktiv zu machen“.

realisiert durch evolver group