Zarte Gefühle: Parallel zur Haupthandlung entwickelte sich eine Liebesgeschichte zwischen Dolores Singelton (Jule Prietzel) und Graf Dracula (Leigh Reigate). - © Knut Dinter
Zarte Gefühle: Parallel zur Haupthandlung entwickelte sich eine Liebesgeschichte zwischen Dolores Singelton (Jule Prietzel) und Graf Dracula (Leigh Reigate). | © Knut Dinter

Oerlinghausen Schüler mimen kuriose Gestalten

Aufführung: Literaturkurs des Gymnasiums zeigt eigene Inszenierung des Stücks „Zirkus der Verdammten“. Die Besetzung ergibt sich fast automatisch.

Knut Dinter

Oerlinghausen. Eine seltsame Truppe ist da auf der Bühne versammelt: Graf Dracula, der Teufel, Frankensteins Monster, der Glöckner von Notre Dame und weitere kuriose Gestalten. Sie sind dazu verdammt, in einem dubiosen Zirkus aufzutreten. In Wahrheit handelt es sich um Kinder, die entführt und durch Operationen entstellt wurden. In ihren neuen Rollen müssen sie unter entwürdigenden Bedingungen schuften. Mit dem Theaterstück „Zirkus der Verdammten" der zeitgenössischen Autorin Gabriele Seba stellte sich der Literaturkurs der Q1 (Jahrgangsstufe 11) in der Aula des Niklas-Luhmann-Gymnasiums vor. Die Wahl sei leicht gefallen, berichteten die Schülerinnen und Schüler im Vorgespräch. „Hier sind viele Darsteller erforderlich und wir wollten ja, dass alle im Kurs eine Rolle erhalten", sagte Lisa Rösner (Gräfin Draculette). „Das Stück ist nicht so bekannt", ergänzte Julia Jahn (Zirkusdirektorin Mrs. Chambers). „Daher konnten wir ohne Problem zwei neue Rollen einbauen, damit wir auf 19 Mitspieler kamen." Im Herbst begannen die Proben. Weil noch kein Schüler Erfahrung im Theaterspiel besaß, bot Kursleiterin Ellen Brilka zunächst Vertrauensspiele und Übungen zur Bühnenpräsenz, für Mimik und Gestik an. „Die Figuren müssen sehr übertrieben dargestellt werden", sagte Julia Jahn. „Das war am Anfang etwas komisch, aber man hat sich schnell daran gewöhnt", berichtete Eric Kubus(Quasimodo). Wer spielt den Verrückten, wer den Großvater, wer die besorgte Mutter? „Wir brauchten gar kein Casting, es ergab sich schon automatisch. Das war meine leichteste Rollenverteilung", sagte Kursleiterin Ellen Brilka. Auch die übrigen Aufgaben wie Regie (Vicky Heienbrok und Moritz Wernicke), Bühnenbild, Kostüme, Styling und Tanzübernahmen die Schüler selbst. Ihre Lehrerin brauchte sich nur auf koordinierende Aufgaben zu beschränken, denn „der Kurs ist sehr selbstständig, außerdem haben die Schüler einen hohen Spieltrieb". Überzeugend dämonisch, überzeugend raffgierig Diese Freude wurde bei der Aufführung recht deutlich. Ob Artikulation, Mienenspiel oder Körpersprache – den Schülern war die gute Vorbereitung anzumerken. Finn Götte spielte den Dr. Jekyll überzeugend dämonisch, Julia Jahn gab eine ebenso dominante wie raffgierige Geschäftsführerin und Niels Niemann interpretierte den Zirkusdirektor so sarkastisch wie nur möglich. Annika Sunkovsky und Nele Schuster gaben die verschüchterten und ausschließlich synchron redenden „Bloody Marys" sehr gut wieder. Als witziger Einfall erwies sich, zusätzlich einen übermotivierten Teufel (Simon Danne) und einen schwerhörigen Großvater (Jerome Plöger) zu kreieren. Dem Charakter dieses skurrilen Stückes entsprechend wurden auch die Gesangseinlagen und Tanzszenen überzeichnet vorgeführt. Insgesamt wirkte die Inszenierung temporeich, engagiert und ausdrucksstark. Die 500 Zuschauer spendeten zu recht eifrig Beifall. Auch für die Gruppendynamik innerhalb des Kurses wirkte sich das Spiel positiv aus. „Bei den zahlreichen, zum Teil sehr langen Proben am Wochenende sind wir schon sehr zusammengewachsen", stellte Caroline Schöne fest. Und Kursleiterin Ellen Brilka ergänzte: „Alle Schüler haben sich sehr weiterentwickelt."

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