Blick auf die Heidelandschaft: Am Südhang des Teutoburger Waldes ist ein Ruheplatz mit Hinweisschildern entstanden. Hinunter führt der „Eidechsenpfad". Die Abbruchkante der Sandgrube Haßler ist am linken Bildrand gut zu erkennen. - © Sigurd Gringel
Blick auf die Heidelandschaft: Am Südhang des Teutoburger Waldes ist ein Ruheplatz mit Hinweisschildern entstanden. Hinunter führt der „Eidechsenpfad". Die Abbruchkante der Sandgrube Haßler ist am linken Bildrand gut zu erkennen. | © Sigurd Gringel

Oerlinghausen Sandgrube wird zur Partyzone

Müll in der Natur: Menschen ignorieren das Betretungsverbot der Sandgrube Haßler. Zu Unfällen ist es noch nicht gekommen, Müll ist aber ein großes Problem

Sigurd Gringel

Oerlinghausen. Es ist schon zur Tradition geworden: Vatertag ziehen Menschen mit Bollerwagen durch die Gegend oder treffen sich an ausgewählten Orten, um dort zu feiern. Bier und Grillwürstchen gehören für viele dazu. Die Sandgrube Haßler in Oerlinghausen ist ein beliebtes Ziel – zum Unmut des Betreibers. Denn die Feiernden lassen ihren Müll oft einfach liegen. In der vergangenen Woche sei besonders viel zurückgeblieben, die Aufräumarbeiten sind nicht noch nicht einmal abgeschlossen, da steht schon das nächste lange Wochenende mit wahrscheinlich gutem Wetter an. Sicher werden Feiernde wieder die Sandgrube aufsuchen. Ein Handy-Video, aufgenommen am Freitag nach Vatertag und veröffentlicht in der Facebookgruppe „Wir sind Oerlinghausen", hat für reichlich Empörung bei den Gruppenmitgliedern gesorgt. In knapp zwei Minuten dokumentiert der Videograf das Ausmaß der Vermüllung an der Abbruchkante der Sandgrube und im angrenzenden Wald. Das Vogelgezwitscher täuscht Idylle vor, der Boden ist gesäumt von Papier, Verpackungsmüll und Flaschen. Kurz vor dem Ende des Films ein Schwenk auf einen kompletten Bollerwagen, der offenbar wegen einer kaputten Vorderachse zurückgelassen wurde. Etwa 600 Menschen sollen sich zeitweise dort aufgehalten haben, teilt die Polizei mit. Mehr als in den vergangenen Jahren. Es ist sogar, wie berichtet, ein Schuss gefallen. Der Schütze ist sofort geflohen. Die Polizei geht davon aus, dass er eine Schreckschuss- oder Gaspistole hatte. Bislang werde noch ermittelt, es gebe vielversprechende Zeugenaussagen. Kinder kullern den Sand hinunter Die Sandgrube ist nicht nur am Vatertag ein beliebtes Ziel für Jugendliche und junge Erwachsene. Bei gutem Wetter bringen Menschen ihren Grill mit und sitzen mitunter direkt an der Abbruchkante. Manche schieben gefüllte Einkaufswagen dorthin – und lassen sie anschließend stehen. Manchmal kommen auch Familien; die Eltern freuen sich dann, dass die Kinder im Sand spielen oder die Hügel hinunterkullern. Das schildert kopfschüttelnd der Geschäftsführer der Oerlinghauser Sandgrube GmbH, André Stölting. Die Gesellschaft ist Pächter, das Gelände gehört der Stadt Oerlinghausen. Das Problem ist, dass das Gelände gar nicht betreten werden darf. André Stölting sagt, dass er Betreten-verboten-Schilder und einen Zaun mit Stacheldraht aufgestellt hat. Die Schilder werden laut Stölting regelmäßig herausgerissen. Momentan seien keine da. Auch der Zaun stelle kein Hindernis dar. Menschen reißen ihn ein oder schneiden einen Durchschlupf hinein. Stölting berichtet von der Schwierigkeit, das Areal vor ungebetenem Besuch abzuschotten. Rundherum verlaufen Wege, der Wanderweg „Eidechsenpfad" verläuft direkt an der Sandgrube entlang zur Schaukoppel des Weideprojektes und zum Segelflugplatz. Eine großzügige Einfriedung sei daher gar nicht möglich. André Stölting und dem Ordnungsamt gehe es aber nicht nur um den Müll, den der Betreiber aufräumen muss, und dafür nach so einer Party wie am Vatertag mehrere Tage benötigt. Es gehe auch um die Vermeidung von Sachbeschädigung und Gefahren. Die Scheiben der Baufahrzeuge seien schon öfter eingeworfen worden. Für Menschen bestehe Gefahr durch Scherben von Glasflaschen oder dem Sandabbau selbst. „Die Abbruchkante bereitet mir Sorge", sagt Ordnungsamtsleiter Dirk Schäfer. Vor dem Vatertag hat der Betreiber diese Kante abschrägen lassen, damit ein eventueller Sturz hinab gemildert würde. So sei es in den vergangenen Jahren zu keinem Unfall gekommen. Am Vatertag setzten Polizei und Ordnungsamt statt auf das Einhalten des strikten Betretungsverbots auf Deeskalation. Mitarbeiter waren vor Ort und achteten darauf, dass die Feier nicht aus dem Ruder lief. „Eine Räumung wäre vermutlich gefährlicher", teilt ein Polizeisprecher mit. Dirk Schäfer sagte, dass grundsätzlich der Betreiber in der Pflicht stehe, die Menschen von dem Areal fernzuhalten. Schilder und Zäune müssen generell besser kontrolliert und wieder aufgestellt werden. Die Stadt will den Betreiber dabei aber nicht allein lassen. Über das Thema soll spätestens vor dem nächsten Vatertag gesprochen werden. André Stötling hat sich das Gelände am vergangenen Sonntag angesehen – offenbar haben einige Bürger in Eigeninitiative einiges an Müll aufgeräumt.

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