Schätzen sich: Die in Berlin lebende Malerin Ines Doleschal und der Künstlerische Leiter des Kunstvereins Oerlinghausen, Andreas Beaugrand, vor ausgestellten Arbeiten im Raum der Synagoge. - © Karin Prignitz
Schätzen sich: Die in Berlin lebende Malerin Ines Doleschal und der Künstlerische Leiter des Kunstvereins Oerlinghausen, Andreas Beaugrand, vor ausgestellten Arbeiten im Raum der Synagoge. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Abstrakte Malerei mit Tiefgang

Kunstverein: Ines Doleschal widmet ihre Ausstellung in der Alten Synagoge der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Seit einem Jahr setzt sich die in Berliner lebende Malerin Ines Doleschal intensiv mit der Geschichte von Zeitzeugen auseinander. Eine davon ist die 96-jährige Jüdin und Holocaust-Überlebende Margot Friedländer. Der Vater starb in einem Vernichtungslager, Mutter und Bruder im Konzentrationslager Auschwitz. Margot Friedländer selbst kam 1944 nach Theresienstadt, überlebte, ging in die USA und lebt seit 2010 wieder in Deutschland. Alles verloren hatte sie, war quasi „entraumt“. Genau so heißt die Ausstellung von Ines Doleschal in der alten Oerlinghauser Synagoge. Mit ihrem ältesten Sohn hat die Künstlerin erst jüngst das KZ Buchenwald in Weimar besucht, diesen „Unort sondersgleichen“. Im Grunde sei die Erkenntnis, dass Holocaust-Opfer keinen Raum hatten, um sich menschlich entfalten zu können, „auch die Vorbereitung auf den besonderen Ort der Oerlinghauser Synagoge gewesen“, das kann Ines Doleschal im Rückblick sagen. Und weil das so ist, war es ihr „ein Bedürfnis, diese Ausstellung Margot Friedländer zu widmen“. Eine Geste, für die die Malerin viel Applaus bekam. Andreas Beaugrand, Künstlerischer Leiter des Kunstvereins Oerlinghausen, hatte Ines Doleschal, geboren 1972 in Waiblingen, vor 18 Jahren im Bielefelder Lessinghaus kennengelernt. Damals stellte sie dort mit der Klasse ihres Professors Udo Schell der Kunstakademie Münster aus. Jetzt ist eine Auswahl ihrer Arbeiten in der Bergstadt zu sehen. Malerei, Collage, Objekte. Konzeptionell klar und ästhetisch. „Leitmotiv ist seit vielen Jahren die städtische Architektur, deren Erscheinungsbild sie visuell aufnimmt, um sie in ihrem Atelier zu analysieren, zu dekonstruieren und künstlerisch neu zusammenzusetzen“, erläuterte Andreas Beaugrand die Vorgehensweise der Künstlerin. "Künstlerisches Chaos" Es entstünden, so scheine es, „farbintensive fantasievolle Bilder von kühnen utopischen Architekturen, die jedoch nichts anderes sind als abstrakte Malerei, die sich in der Alten Synagoge zusammen mit Collagen und Objekten zu einem neu erlebbaren Kunstraum zusammenfügt“. Besucher Karl-Friedrich Haeger beschreibt seinen ersten Eindruck als „künstlerisches Chaos“. Zimmer entdeckt er, „in denen niemand wohnt, außer unserer Phantasie“. Und so seien sie im Grunde doch bewohnt. Ein Gedankengang, dem Ines Doleschal gerne folgt. Überhaupt hatte sich die überaus sympathische Malerin auf die Reaktionen und bereichernden Gespräche gefreut. Raus aus Berlin, dort ihre Kunst zeigen, wo sie noch kaum jemand kennt. „Ich bin ausgesprochen glücklich, dass ich beim Kunstverein Oerlinghausen ausstellen darf.“ Die Korrespondenz auf Augenhöhe, die Unterstützung durch die Vorstandsmitglieder, „die Professionalität, die der Kunstverein an den Tag legt und die nicht selbstverständlich ist“, das alles hat Ines Doleschal, die mit Mann und zwei ihrer drei Kinder in die Bergstadt gekommen ist, beeindruckt. Das gilt umgekehrt auch für ihre Arbeiten. Die sind noch bis zum 20. Mai in der Alten Synagoge an der Tönsbergstraße 4 zu sehen.

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