Wehren sich: Klaus Stengel, Herbert Grimm und Alfred Obst sowie fast alle anderen Anwohner des Breitenkamps wollen verhindern, dass in der Siedlung ein hohes Fünffamilienhaus gebaut wird. Sie haben Flugblätter gedruckt und zeigen anhand einer Animation, wie das Erscheinungsbild aussehen könnte. - © Karin Prignitz
Wehren sich: Klaus Stengel, Herbert Grimm und Alfred Obst sowie fast alle anderen Anwohner des Breitenkamps wollen verhindern, dass in der Siedlung ein hohes Fünffamilienhaus gebaut wird. Sie haben Flugblätter gedruckt und zeigen anhand einer Animation, wie das Erscheinungsbild aussehen könnte. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Bürger wollen keinen „Klotz“ am Breitenkamp

Protest: Anwohner des Breitenkampes wehren sich gegen ein Bauvorhaben an ihrer Straße. Der Bauausschuss berät am Mittwoch darüber

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Eines stellen Alfred Obst, Klaus Stengel und Herbert Grimm unmissverständlich klar. „Wir sind keineswegs dagegen, dass am Breitenkamp gebaut wird." Ein Bauvorhaben, in dem es um die Errichtung eines gut elf Meter hohen Mehrfamilienhauses geht, ist für die Anwohner allerdings nicht akzeptabel. 169 haben sich mit ihrer Unterschrift dagegen ausgesprochen. „Alle sind entsetzt", sagt Klaus Stengel, „dass ihnen so ein Kasten vorgesetzt werden soll". Am Mittwochabend wird im Bauausschuss über die Änderung des Bebauungsplans beraten. Am Breitenkamp stehen Häuser, die überwiegend in den 70er und 80er Jahren errichtet worden sind. „Haus für Haus, aufgereiht wie an einer Perlenkette", so beschreibt es Klaus Stengel. „Und jetzt soll so ein Klotz dazwischenkommen, das ist doch unmöglich." Bereits im Mai 2016 war die Änderung von einem Investor beantragt worden. Sein Wunsch: der Bau eines Hauses mit sechs Wohneinheiten, zwei Vollgeschossen, einem Staffelgeschoss und Stellplätzen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass sich die vorgesehene Bebauung des Flurstücks dem rechtskräftigen Bebauungsplan kaum verwirklichen ließ. Die Anwohner protestierten. Das führte dazu, dass der Entwurf überprüft wurde. Ein vom Investor beauftragter Stadtplaner fertigte eine dreidimensionale Darstellung des Plangebietes und der Umgebung an, um so die Wirkung auf das bauliche Umfeld besser einschätzen zu können. Ergebnis: Der erste Entwurf wurde verkleinert. Zulässig seien maximal fünf statt der geplanten sechs Wohneinheiten. Das Gebäude sollte, wenn es denn gebaut würde, weiter von der Straße zurückweichen, als angedacht. „Ursprünglich waren es drei Meter Abstand, jetzt sind es sechs", erläutert Marc Plaßmann vom Bauamt. »Wir befürworten grundsätzlich eine Nachverdichtung« Die Stadt hält das Vorhaben aus städtebaulicher Sicht durchaus für vertretbar. „Wir befürworten grundsätzlich eine Nachverdichtung", sagt Marc Plaßmann. „Wir sind gehalten, mit Grund und Boden sparsam umzugehen." Über das Maß der Nachverdichtung entscheide die Politik. Anregungen und Bedenken würden gegeneinander abgewogen. Der Bauausschuss habe den Planungswillen bekundet. Momentan gebe es keine Erkenntnisse, über etwas anderes nachzudenken. Als der Investor, der oberhalb der geplanten Bebauung lebt, dort eingezogen sei, sei die Situation so gewesen, dass die ursprüngliche Straßenplanung über sein Grundstück verlief. Umgesetzt worden sei das allerdings so nicht. „Tatsächlich verläuft die Straße weiter südlich." Diesen Raum, der nicht mehr für die Straße benötigt wird, möchte der Investor bebauen. Dagegen wehren sich die Anwohner am Breitenkamp. Herbert Grimm hat dort vor drei Jahren ein Haus erworben, „gerade wegen des sehr guten Verhältnisses von Haus- und Grundstücksgrößen". Vor dem Kauf habe er sich nach dem Bebauungsplan erkundigt. „Es war nicht ersichtlich, dass sich etwas verändern würde, und jetzt plötzlich ganz massiv", sagt Grimm. „Dieses Gebäude dient ausschließlich dazu, Profit zu machen", da ist sich Grimm sicher. Familien, für die doch wohl vor allem Wohnraum geschaffen werden sollte, „können sich die Preise gar nicht leisten". Und die Anwohner müssten unter diesem „Klotz", der nicht in die Gegend passe, leiden, ergänzt Alfred Obst. „Der komplette Charakter der Siedlung wird dadurch außer Kraft gesetzt." Das wollen die Anwohner keinesfalls akzeptieren. Die Reduzierung der geplanten Wohnungen halten sie für eine Farce, „denn die überbaute Fläche hat sich sogar noch vergrößert". Dem widerspricht Marc Plaßmann. Klaus Stengel erinnert sich an die Aussage eines Vertreters des Planungsbüros. Der habe geäußert, dass er noch nie auf so einem kleinen Grundstück eine solch massive Bebauung gesehen habe. Klaus Stengel, Alfred Obst, Herbert Grimm und Alf Gutounik suchten das Gespräch mit den Ratsvertretern. Es gab einen Runden Tisch. Ein wirkliches Entgegenkommen sei nicht zu spüren gewesen, sagt Alfred Obst. „Ich bin überrascht, dass das von Verwaltung und Politik so vorangetrieben und gewollt wird." Für ihn und seine Mitstreiter ist klar: „Wenn man eine solche Bebauung einmal zulässt, dann werden sich auch andere darauf berufen können." Klaus Stengel kann zudem nicht nachvollziehen, „dass für einen einzigen Besitzer der Bebauungsplan geändert wird und die Allgemeinheit überhaupt nicht berücksichtigt wird".

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