Informiert: Kriminalhauptkommissar Christian Weicht stellt unter anderem Taschenalarmgeräte vor. Foto: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Informiert: Kriminalhauptkommissar Christian Weicht stellt unter anderem Taschenalarmgeräte vor. Foto: Karin Prignitz | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Bewohner der Südstadt fühlen sich bedrängt

Informationsveranstaltung:Südstädter berichten über ihre Ängste. Opferschutzexperte der Polizei hat Tipps wie etwa die Sicherheits-App „WayGuard“ mitgebracht

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Angst, sie begleitet das Leben von Rita P. (Name geändert) seit 40 Jahren. Damals hat sie eine Gewalterfahrung machen müssen. Darüber sprechen möchte sie nicht. Zu viel Kraft hat sie die Aufarbeitung gekostet. Die Südstädterin lebt in der Nähe des Segelflugplatzes. „Sie waren auch bei uns", erzählt Rita P. Dieser Einbruch, einer von den vielen, die es in den vergangenen Monaten im Ortsteil gegeben hat, „hat mich um Jahre zurückgeworfen". Auch viele andere Bürger, die in der Südstadt leben, fühlen sich nicht mehr sicher, seit die Kriminalitätsrate, wie mehrfach berichtet, in die Höhe geschnellt ist. Um zu informieren, Vorurteile abzubauen, Ärger und Ängste zu kanalisieren, hatte Bürgermeister Dirk Becker Mitte Februar in das Bonhoeffer-Haus eingeladen. Das Interesse war groß. 160 Besucher nahmen am Informationsabend der Stadt zum Thema „Sicherheit" im Bonhoeffer-Haus teil, die Polizei stand Rede und Antwort. Als Ergebnis des Abends hatte Dirk Becker die Bildung von Arbeitsgruppen angekündigt, in denen Polizei und Bürger direkt zusammenarbeiten sollen. Das erste Gruppentreffen hat jetzt stattgefunden. Die Resonanz war allerdings überschaubar. Lediglich drei Südstädter kamen mit Kriminalhauptkommissar Christian Weicht und Ordnungsamtsleiter Dirk Schäfer ins Gespräch. Rita P. berichtete von ruhigen Jahren, als die ersten Flüchtlingsströme Oerlinghausen und die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) erreichten. Probleme habe es zu dieser Zeit nicht gegeben, der Kontakt zu den betreibenden Johannitern und dem Sicherheitsdienst sei gut gewesen. „Das war ein direktes Miteinander." Verändert habe sich das mit dem Betreiberwechsel und der veränderten Belegung mit Menschen ohne Bleibeperspektive. Eine Kooperation sei seither „nicht mehr ansatzweise in der vorherigen Weise möglich". Seit bei ihr eingebrochen wurde, habe sie Phasen, „in denen ich nicht mal am helllichten Tage in der Lage bin, das Grundstück zu verlassen, aus Angst davor, was passieren könnte, bis ich wiederkomme". Jeden Tag, erzählt Rita P. „ist das ein neuer Kampf". Und weil sie so nicht mehr weitermachen könne und wolle, habe sie das Thema „Angst im öffentlichen Raum" angesprochen. Eine andere Teilnehmerin, die seit gut drei Jahren in der Südstadt lebt und hier gerade ein Haus erworben hat, schildert, wie sie abends im Bett liegt und nicht einschlafen kann, weil sie bei jedem ungewohnten Geräusch befürchtet, es könne ein Einbrecher sein. „So kenne ich mich gar nicht." Und die Entwicklung mit all den negativen Auswirkungen mache sie wirklich betroffen. Im Dunkeln spazieren gehen, „das hat mir früher nie etwas ausgemacht". Mittlerweile sehe sie das anders. „Verstellen Sie ihm auf keinen Fall den Weg", rät der Fachmann Ein Bewohner des Bereiches rund ums Ladenzentrum am Stukenbrocker Weg berichtet, dass Gruppen von jungen Menschen, deren Sprache er nicht verstehe, sich treffen, sobald die Tankstelle schließe. Er und andere fühlen sich bedrängt, „und wir fühlen uns alleingelassen mit unseren Ängsten". Christian Weicht ermutigt den Mann, seine Beobachtungen an die Polizei weiterzugeben. Nur so könne den Sachen nachgegangen werden. Weicht beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Bereich „Kriminalprävention/Opferschutz". Sein Spezialgebiet ist die städtebauliche Kriminalprävention. Deshalb bietet er an, dass es eine gemeinsame Begehung geben könnte, wenn der Wunsch danach besteht. Zur Informationsveranstaltung hat er kleine handliche Taschenalarmgeräte mitgebracht. Sie können eingesetzt werden, wenn sich jemand bedroht fühlt und Aufmerksamkeit erregen möchte. „Ihr lauter Ton schreckt Täter ab." Weicht weist außerdem auf die Sicherheits-App „WayGuard" hin. Eine Teilnehmerin möchte wisse, wie sie sich verhalten soll, wenn jemand einbricht. „Verstellen Sie ihm auf keinen Fall den Weg", rät Weicht. Licht an, laut rufen und die 110 anrufen, das sei ein guter Weg. Weicht bittet darum, der Polizei jede Auffälligkeit zu melden. Etwa dann, wenn Menschen in Fahrzeugen schlafen. „Auch viele kleine Hinweise können helfen."

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