Graziös: Viertklässlerinnen der Grundschule Helpup haben den Tanz der gefangenen Prinzessinnen einstudiert und zeigen ihn mit viel Eleganz beim Auftritt des Orchesters der Nordwestdeutschen Philharmonie. - © Karin Prignitz
Graziös: Viertklässlerinnen der Grundschule Helpup haben den Tanz der gefangenen Prinzessinnen einstudiert und zeigen ihn mit viel Eleganz beim Auftritt des Orchesters der Nordwestdeutschen Philharmonie. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen / Leopoldshöhe Orchester spielt für Grundschüler

Niklas-Luhmann-Gymnasium: Orchestermusiker spielen in der Aula für 500 Grundschüler. Einige der Kinder wirken selbst mit und alle haben ein Lied einstudiert

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Ein wilder Höllentanz, ein stampfender Riese, das Knochenklappern eines Skeletts, die unheimlichen Geräusche eines Zaubergartens: dass all die unterschiedlichen Instrumente eines Orchesters diese und noch viel mehr Stimmungen ausdrücken können, hat das junge Publikum am Donnerstagmorgen beinahe sprachlos gemacht. Mit großen Augen verfolgt das Gros der Dritt- und Viertklässler der Grundschulen Helpup, Lipperreihe/Südstadt, Asemissen und Ubbedissen den Auftritt der Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford. Zum wiederholten Male war das Orchester zu Gast in der Aula des Niklas-Luhmann-Gymnasiums, um dort ein Konzert für Kinder zu spielen. Diesmal hatten die Musiker und ihr Dirigent Johannes Braun Igor Strawinskys „Feuervogel" mitgebracht. Für die meisten Kinder ist der Klang eines Orchesters, das zudem nur einige Meter entfernt zum Greifen nahe ist, Neuland. Mit umso größerem Interesse verfolgen die Grundschüler die instrumentalen Klänge und hören gut zu, was Moderatorin Susanne Adam erklärt. Während die vier „Orchesterkinder" Sienna, Madlen, Mavie und Inga aus Ubbedissen mitten zwischen den Musikern Platz nehmen dürfen, entführt das Orchester ihre Altersgenossen und Lehrer in die Welt des russischen Volksmärchens. Um den jungen Prinzen Iwan Zarewitsch geht es dort, der in den Garten des bösen Zauberers Kastschej gelangt. Der wiederum hält 13 junge Prinzessinnen gefangen. In eine von ihnen verliebt sich der Prinz unsterblich. Unerwartet begegnet er dem Feuervogel. Nach und nach erzählt Susanne Adam die spannende Geschichte. Und sie lässt die Instrumentalisten zeigen, wie vielfältig die Klangfarben sind, die Personen und Szenen charakterisieren. „Wie kann ein Zaubergarten klingen", fragt Susanne Adam die Schüler. Die haben im Vorfeld in ihren Klassen geübt, mit welchen Geräuschen man einen unheimliche Stimmung erzeugt. Aber wie hat der Komponist das wohl gemacht? Wie können Musiker einen Raum zum Beben bringen? Mit der großen tiefen Trommel beispielsweise. Wenn der Prinz durch den Garten schreitet, dann übernehmen das die tief klingenden Streichinstrumente, wenn er erschrickt, setzen kurz die Holzbläser ein. Die Streichinstrumente übernehmen den magischen Klang des leuchtenden Feuervogels in all seiner Pracht. Am Bühnenrand werden Instrumente erklärt Einige der Orchestermitglieder kommen zwischendurch an den Bühnenrand und erklären den Kindern ihre Instrumente. Acht Viertklässlerinnen der Grundschule Helpup haben den Tanz der gefangenen Prinzessinnen einstudiert und führen ihn mit solcher Eleganz auf, dass das Publikum begeistert applaudiert. Wesentliches Element der Konzerte, von denen die NWD Herford bis Anfang März ein Dutzend eingeplant hat, sei, „dass diese nicht als Ergänzung des Schulunterrichts, sondern eher als dessen Bestandteil konzipiert sind", erläuterte Orchestergeschäftsführer Christian Becker. Umfangreiches Lehrmaterial, Einführungsveranstaltungen und fachliche Unterstützung gehören dazu. Becker nennt als weiteren Aspekt, die Kinder auf den Konzertbesuch auch hinsichtlich ihres Verhaltens vorzubereiten. „Auf Grund der Veränderungen in der musikalischen Umwelt und der veränderten Betreuung in den Elternhäusern ist es notwendig geworden, Fähigkeiten wie Konzentrationsvermögen und Aufnahmefähigkeit ebenso zu trainieren wie ein gruppenverträgliches Verhalten während des Konzertbesuches." In Oerlinghausen hat das wunderbar geklappt. Der überwiegende Teil der Grundschüler verfolgte den Auftritt mit Interesse. Einige erwiesen sich sogar als hoffnungsvolle Nachwuchs-Digirenten. Am Ende, da gab es natürlich ein musikalisches Happy-End, denn das Gute hat das Böse besiegt. „Puh", sagt eine Schülerin und ergänzt: „Das war echt toll."

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