Provisorisch instand gesetzt: Der hölzerne Spielturm am Blumenbrink in der Südstadt ist abgängig, wie es im Amtsdeutsch heißt. Der Turm könne auch nicht mehr versetzt werden. Der komplette Spielplatz wird abgebaut. - © Foto: Sigurd Gringel
Provisorisch instand gesetzt: Der hölzerne Spielturm am Blumenbrink in der Südstadt ist abgängig, wie es im Amtsdeutsch heißt. Der Turm könne auch nicht mehr versetzt werden. Der komplette Spielplatz wird abgebaut. | © Foto: Sigurd Gringel

Oerlinghausen Stadt reduziert Spielplätze

Konzept: Der Spielplatz am Welschenweg soll auch für Kleinkinder attraktiv bleiben. Das fordern Anwohner. Die Stadt will das Begehren prüfen

Sigurd Gringel

Oerlinghausen. In diesem Jahr beginnt die Stadt mit der Umsetzung ihres Spielplatzkonzeptes. Im Prinzip geht es darum, die Anzahl der Spielplätze von 27 auf maximal 17 zu reduzieren. Die verbleibenden sollen aufgewertet werden, und in jedem Stadtteil soll ein großer Spielplatz entstehen, der als Treffpunkt für die Kinder dienen soll. Ein weiterer Aspekt ist der hohe Wartungs- und Kontrollaufwand. Den will die Stadt so reduzieren. Das Konzept hat die ehemalige Sozialamtsleiterin Manuela Kupsch entworfen, die Lokalpolitik hat es beschlossen. Dass Spielplätze wegfallen oder verkleinert werden, findet nicht bei allen Kindern und Eltern Anklang. Im Herbst haben sich einige Kinder erfolgreich für den Spielplatz am Bruchweg in der Kernstadt engagiert. Ähnliches versuchten jetzt auch Katja und Christoph Weber. Sie haben zwei Kinder im Alter bis drei Jahre und gehen gern zum benachbarten Spielplatz am Welschenweg. Der liegt am Waldrand, abseits des Autoverkehrs, und ist groß. Er soll laut Konzept erhalten bleiben, allerdings kleiner und mit weniger Spielgeräten. Ein Teil der Fläche ist bereits verkauft, als Bauland darf diese nach Auskunft der Stadtverwaltung aber nicht verwendet werden. Übrig bleiben sollen am Welschenweg nur der Bolzplatz und die Kletterspinne. Für Kleinkinder wie die der Familie Weber ist das unattraktiv. Auch von älteren Kindern kann der Bolzplatz nicht immer bespielt werden, weil Wildschweine ihn auf der Suche nach Nahrung umwühlen. Viele Anwohner haben kleine Kinder Wipptiere, Sandkasten, Rutsche, Klettergerüst – das alles soll weg. „Einiges ist in die Jahre gekommen", sagt Katja Weber, es muss abgebaut werden. Sie hofft aber, dass neue Spielgeräte für Kleinkinder angeschafft werden oder zumindest Wipptiere und der Sandkasten erhalten bleiben. Platz sei genug vorhanden. Ihrer Aussage nach haben viele Bewohner des Welschenwegs kleine Kinder. Der geplante Großspielplatz an der Weerthstraße ist für sie wegen der Entfernung keine Alternative. Der nächste Spielplatz liegt am Freilichtmuseum. Den will der Museumsverein erhalten und auch für die Öffentlichkeit zugänglich machen.Deshalb sammelt sie zurzeit Unterschriften. Kontakt mit Bürgermeister Dirk Becker habe es schon gegeben. Er habe zugesagt, dass der Standort Welschenweg geprüft werde. Er machte aber auch klar, dass nicht jeder einzelne Spielplatz neu diskutiert werde. „Das Konzept hat die Politik beraten und beschlossen. Es ist jetzt so durch." Eine oft gestellte Frage der Eltern sei, wie die Beliebtheit eines Spielplatzes gemessen werde, sagt Sozialamtsleiter Michael Horn. Wöchentlich fahren Mitarbeiter des Bauhofs alle Spielplätze ab und nehmen eine sogenannte Sichtkontrolle vor. „Ob ein Holzgerüst wirklich abgängig ist, kann man dabei nicht feststellen." Dafür gebe es die jährliche TÜV-Kontrolle. Bei dieser Spielplatzbereisung achten die Mitarbeiter aber auch darauf, ob es an den Spielgeräten deutliche Abnutzungsspuren gibt, die Rasenflächen benutzt aussehen oder die Mülleimer stets voll sind. Kurzum: Sie achten auf Indizien, aus denen sie eine Frequentierung ableiten können. Katja Weber findet das Müllkriterium abwegig. „Viele hinterlassen gar keinen Müll oder nehmen ihn wieder mit." Sie hält eine Abfrage für besser, die Stadtverwaltung aber nicht. „Bei einer Abfrage kriegen sie immer die Antwort, dass ein Spielplatz stark genutzt wird", sagt Michael Horn. Er fügt zu den genannten Argumenten noch das Geld hinzu. So könne der geplante Großspielplatz an der Weerthstraße zu 60 Prozent mit Geld aus dem Stadtentwicklungsprogramm „ISEK" gefördert werden. Familie Weber will sich indes weiter für den Standort Welschenweg mit Spielgeräten auch für Kleinkinder einsetzen und dem Bürgermeister in Kürze die Unterschriftenliste übergeben. Das Spielplatzkonzept können Interessierte im Internet abrufen. Es ist auf der Seite der Stadt als Dokument unter „Spielplätze" zum Ansehen oder Herunterladen hinterlegt. Darin sind alle Spielplätze nach Stadtteilen aufgelistet.

realisiert durch evolver group