Mit Blumen beschenkt: Gabi Biesinger hat die ersten drei Lebensjahre in Oerlinghausen verbracht. Zum zweiten Mal ist die Journalistin der Einladung des Lions Clubs Oerlinghausen gefolgt. Im Bürgerhaus hat Alfons Haselhorst die Begrüßung übernommen, Präsident Horst Biere das Gespräch mit der 48-Jährigen. Fotos: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Mit Blumen beschenkt: Gabi Biesinger hat die ersten drei Lebensjahre in Oerlinghausen verbracht. Zum zweiten Mal ist die Journalistin der Einladung des Lions Clubs Oerlinghausen gefolgt. Im Bürgerhaus hat Alfons Haselhorst die Begrüßung übernommen, Präsident Horst Biere das Gespräch mit der 48-Jährigen. Fotos: Karin Prignitz | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Von Washington in die Bergstadt

Lions Club: Beim Korrespondenten-Talk erzählt Hörfunk-Moderatorin Gabi Biesinger über ihre journalistische Arbeit in Washington. 150 Besucher erfahren vor allem etwas über den unberechenbaren Donald Trump

Karin Prignitz

Beim Korrespondenten-Talk erzählt Hörfunk-Moderatorin Gabi Biesinger über ihre journalistische Arbeit in Washington. 150 Besucher erfahren vor allem etwas über den unberechenbaren Donald Trump. Oerlinghausen. "Er hat das Land stärker gespalten und isoliert. Durch ihn ist die Welt ein gefährlicherer Ort geworden." Das sagt Gabi Biesinger über den amerikanischen Präsidenten Donald Trump nach einem Jahr Amtszeit. Biesinger, die in ihren ersten drei Lebensjahren in Oerlinghausen und später in Lage aufgewachsen ist, arbeitet derzeit für ein Jahr als ARD-Hörfunk-Korrspondentin in Washington. "Momentan wohl der interessanteste Arbeitsplatz der Welt", wie Horst Biere vermutet. Und Biesinger widerspricht ihm nicht. Der amtierende Präsident des Lions Clubs Oerlinghausen hatte zu einem "Korrespondenten-Talk" in das Bürgerhaus eingeladen. Bereits vor knapp drei Jahren war Gabi Biesinger, dessen Vater Karl-Friedrich Haeger als einstiger Gymnasiallehrer kein Unbekannter in der Bergstadt ist, zu Gast bei den Lions. Damals erzählte sie authentisch, lebhaft, informativ und humorvoll von ihrer Arbeit in London, diesmal von ihren Eindrücken aus Washington. Und natürlich war das alles bestimmende Thema Donald Trump. Als Rundfunkmoderatorin ist es die 48-Jährige gewohnt, Dinge präzise auf den Punkt zu bringen. Gabi Biesinger aber hat darüber hinaus das Talent, Sachverhalte locken und kurzweilig zu vermitteln und selbst schwierigste politische Inhalte verständlich zu machen. Das zeigte sie auch vor den 150 Besuchern im Saal des Bürgerhauses, von denen einige wegen des großen Interesses stehen mussten. Schwierig, dieses Wort passt wohl ebenso gut zu Donald Trump wie unberechenbar, denn sein Handeln sei oft kaum einzuschätzen. Eines allerdings sehr wohl: "Er hält sich für das Maß aller Dinge." Seine Haltung: "Wenn jeder zuerst an sich denkt, dann ist ja an jeden gedacht." Kopfschütteln im Saal. Soll man nun lachen oder bleibt es einem im Halse stecken? Sorge bereitet Biesinger, dass der ständig twitternde mächtigste Mann der Welt "den Finger am Atomknopf hat" und an vielen Fronten zündelt, beispielsweise im Pulverfass des Nahen Ostens. Etwa als er Ende 2017 verkündete, dass er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt und die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin verlegen will. "Offene Drohungen, heute hü und morgen hott, daran werden wir uns gewöhnen müssen", davon ist Gabi Biesinger überzeugt. Eine konkrete Strategie sei selten zu erkennen. "Man weiß oft nicht, was man davon halten soll." Horst Biere möchte wissen, warum so viele Amerikaner Trump gewählt haben, denn "aus europäischer Sicht ist das völlig unverständlich". Hauptgrund ist für Gabi Biesinger die Unbeliebtheit von Hillary Clinton. Und: "Trump hat schon alle beleidigt, nur die amerikanischen Arbeiter nicht." Weil die Menschen eine konservative politische Agenda gewollt hätten, hätten sie die Trump-Tweets und vieles andere eben in Kauf genommen. Auch die Frage, wodurch das erste Amtsjahr Trumps geprägt war, kann Biesinger schnell beantworten. "Viel rumwurschteln." Und vor allem eines verfolge der 45. US-Präsident konsequent: "Alles, was Obama gemacht hat, soll rückgängig gemacht werden, das ist ein wichtiger Punkt für Trump." Das treibe ihn an. Auffällig sei auch, erzählt Biesinger von ihren Beobachtungen, "dass seine Agenda immer durch den geprägt wird, mit dem er zuletzt gesprochen hat". Trump sei es gewohnt, Deals zu machen, "Kompromisse gehören nicht dazu". So blute er sysematisch die Infrastruktur der Regierung aus. Viele Schlüsselpositionen seien noch nicht besetzt. Erschreckend sei auch, dass es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Südkorea keinen amerikanischen Botschafter gebe. Die Presse bezeichnet Trump (nach dem Vorbild Stalins) als "Feind des Volkes". "Weil keiner deutsch versteht, haben wir es im Windschatten leichter", erzählt Gabi Biesinger. Allerdings habe Trump mit seiner Haltung gegenüber den Medien und seinen immer wieder falschen oder irreführenden Behauptungen "eine Blaupause dafür geschaffen, wie man Presse gehandelt, wenn man sie nicht mag". Trump kanzele alles ab, was ihm nicht gefalle. Kollegen hätten jüngst recherchiert, erzählt Biesinger. Heraus kam, dass Trump im vergangenen Jahr 2.240 Dinge als Wahrheit verbreitete, obwohl sie falsch waren. Dafür bekam er den "Fake-News-Award" verliehen. Gabi Biesinger erzählte zwischendurch vom Alltag einer Korrespondentin, von den unterschiedlichen Lebensbedingungen in London und Washington. Am Ende holte sie einen Kugelschreiber mit Trump-Souvenir-Kopf heraus. Kaum hatte sie ein kleines Knöpfchen gedrückt, erklang Trumps Stimme, die selbstbewusst verkündete: "I will be the greatest President, that God ever created." Dem war nichts mehr hinzuzufügen.

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