Nur noch Industrieholz: Waldarbeiter Josef Plessner an einer Fichte, die Orkan Friederike regelrecht verdreht hat. Der Stamm ist innen zersplittert. - © Sigurd Gringel
Nur noch Industrieholz: Waldarbeiter Josef Plessner an einer Fichte, die Orkan Friederike regelrecht verdreht hat. Der Stamm ist innen zersplittert. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock / Oerlinghausen Orkan Friederike richtet mehr Schaden als Orkan Kyrill an

Orkan: Die hiesigen Forstämter ziehen eine Zwischenbilanz. Die Aufräumarbeiten werden noch Monate beanspruchen. Weil immer noch Gefahr von herabfallende Ästen besteht, wird das Waldbetretungsverbot bis Ende Februar verlängert

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Forstämter stellen in einer Zwischenbilanz fest, dass Orkan Friederike zumindest in unserer Region mehr Schaden im Wald angerichtet hat als Kyrill vor elf Jahren. In Oerlinghausen liegt eine ganze Jahresernte am Boden, in Schloß Holte-Stukenbrock sogar die 1,5-fache. Allein in der Wistinghauser Senne, die Menschen beider Städte besuchen, sind 15 Hektar Wald umgeknickt. Die Waldarbeiter werden bis in den Herbst mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein. Weil es für Menschen immer noch gefährlich im Wald ist, haben die Forstämter das Betretungsverbot bis Ende Februar verlängert – vorerst. Viele Spaziergänger und Radfahrer halten sich nicht daran und begeben sich in Lebensgefahr. Unfälle hat es nicht gegeben. „Es ist für Laien nicht leicht zu erkennen", sagt Förster Klaus Schwabedissen. Sein Revier erstreckt sich über ganz Oerlinghausen und die Wistinghauser Senne. Von liegenden Bäumen gehe keine Gefahr aus, aber die schiefen stehen unter Spannung. Auch von abgeknickten Ästen in den Baumkronen oder aufgeklappten Wurzeltellern drohe Gefahr. Klaus Schwabedissen und sein Kollege Christoph Wiegand, der für Schloß Holte-Stukenbrock verantwortlich ist, berichten von dreisten Radfahrern und Spaziergängern, die auch vor rot-weißen Absperrbändern nicht Halt machen. Der Großteil dieser beiden Reviere ist in Privatbesitz, die Besitzer und die Städte weisen mitunter mit Schildern auf die Gefahr hin. Auch das scheint nicht abzuschrecken. Wenn das strenge Wort des Försters nicht ausreiche, könne er auch Ordnungsgelder aussprechen. Das haben beide Förster aber noch nicht gemacht. Sie hoffen auf das Verständnis der Menschen. Stämme verdreht und innen zersplittert Wegen der Gefahr schicken die Förster keine Arbeiter mit Motorsägen in den Wald, das erledigen Harvester. Doch da stellt sich das nächste Problem. Weil die Böden aufgeweicht sind, kommen die tonnenschweren Erntemaschinen nicht überall zum Einsatz. Sie würden zu viel Wald zerstören. Trotzdem müssen sich die Waldarbeiter beeilen. Das Holz darf nicht zu lange liegen, sonst kann es von Pilzen und Insekten befallen werden. Das meiste Holz kann verkauft werden. Unklar ist, ob der Preis stabil bleibt. Manchmal hat Orkan Friederike in Wirbelsturmmanier die Stämme verdreht und innen zersplittert. Dieses Holz kann noch als Industrieholz verwendet werden und bringt derzeit nur 30 statt 80 Euro pro Festmeter. Häufig sind die Bäume aber einfach umgestürzt. Josef Plessner vom Landesbetrieb „Wald und Holz" räumt mit seinen Kollegen derzeit im Holter Wald. Kyrill habe dort damals 800 Festmeter Holz umgelegt, Friederike jetzt 3.000. Der größte Schaden sei aber in Stukenbrock an der alten B 68 entstanden, sagt Christoph Wiegand. Mit 10.000 bis 15.000 Festmeter rechnet er in seinem Revier, Klaus Schwabedissen mit 10.000. Der Orkan biete die Chance, Laubbäume zu pflanzen. Möglicherweise wird es ein Förderprogramm des Landes dazu geben. Letztlich entscheidet der Waldbesitzer. In der Wistinghauser Senne sind die Schottischen Hochlandrinder und die Exmoorponys sind nicht zu Schaden gekommen. Auch tote Wildschweine oder Rehe haben die Förster bislang nicht gefunden. Klaus Schwabedissen: „Tiere haben einen guten Instinkt für Gefahren."

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