Erschreckend: Gerhard A. zeigt Fotos vom Arm seiner Lebensgefährtin, der mit roten Pusteln überdeckt ist. - © Karin Prignitz
Erschreckend: Gerhard A. zeigt Fotos vom Arm seiner Lebensgefährtin, der mit roten Pusteln überdeckt ist. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Oerlinghauser Paar erlebt Horror-Urlaub mit Ungeziefer

Karin Prignitz

Mit Hautausschlag und unter dem Eindruck unmöglicher Erlebnisse kehren ein Oerlinghauser und seine Partnerin von einer Andalusien-Reise zurück. Der Reiseveranstalter weist die Verantwortung von sich. Oerlinghausen. „TUI möchte Ihnen in jedem Augenblick Ihres Urlaubs ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“ Gerhard A., der als öffentliche Person der Stadt nicht mit seinem richtigen Namen in der Zeitung erscheinen möchte, ist dieses Lächeln im Herbsturlaub mit seiner Partnerin restlos vergangen. Das Paar hatte die nicht eben günstige TUI-Reise nach Andalusien über ein örtliches Reisebüro gebucht. „Nach einer wunderbaren Woche im Hipotels Gran Conil mussten wir eine katastrophale Rundreise in Kauf nehmen“, berichtet Gerhard A. unter anderem von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deutlichen Mängeln. Bereits der Transfer vom Strand- zum Starthotel der Rundfahrt gestaltete sich schwierig. Nur auf Nachfrage, erzählt der Oerlinghauser, habe es die Auskunft gegeben, mit welchem Bus der Transfer stattfinden und dass es möglicherweise zunächst Richtung Flughafen gehen solle, um dort Reisende eines Fluges aus Hamburg abzuholen, die ebenfalls zum Starthotel gebracht werden sollten. Krankschreibung nach der Rückkehr 14.05 Uhr Start der Busfahrt, 15.30 Uhr Ankunft am Flughafen, geplante Landung des Fliegers 17.30 Uhr. Gerhard A. und seine Partnerin wollten diese lange Wartezeit nicht in Kauf nehmen. „Wir haben uns für eine Fahrt mit dem Taxi zum Hotel entschieden“, erzählt der 70-Jährige. „Die Reisenden aus Hamburg sind dort erst um 18.45 Uhr angekommen.“ Der 40-Kilometer-Transfer habe mit dem Taxi drei Stunden gedauert und 33 Euro gekostet. „Planmäßig wären es sogar 4,5 Stunden gewesen.“ So oder so sei ein ganzer Urlaubstag verbraucht gewesen. Fotos dokumentieren Ausschlag Was das Paar im ersten Hotel seiner Rundreise in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober erlebte, schildert Gerhard A. so: „Die Übernachtung löste heftige Hautreaktionen mit Juckreiz an nicht von Nachtbekleidung bedeckten Körperteilen aus.“ Wohl, wie A. vermutet, aufgrund von Bettungeziefer. Fotos dokumentieren eindrucksvoll, wie sich der Ausschlag auf Armen und Beinen, aber auch auf Hals und Kopf ausbreitete. Heike B. (Name von der Redaktion geändert) traf es besonders schlimm. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend. Nach der Rückkehr am 23. Oktober war sie bis zum 27. Oktober krankgeschrieben. Chaotische Verhältnisse Gerhard A. geht davon aus, dass die unsauberen dicken Vorhänge und der zerschlissene Teppichboden weit entfernt von hygienischen Ansprüchen waren und der Milbenbefall für das „Erblühen“ der Haut verantwortlich war. Damit aber noch nicht genug. Im nächsten Hotel in Granada fand das Paar nach eigenen Schilderungen „chaotische Verhältnisse“ beim Abendessen vor. „Völlig überfüllte Räume und ein viel zu kleines Buffet machten eine Mahlzeit in geordneten Verhältnissen unmöglich.“ Zum Frühstück habe es weder Brot noch Aufschnitt gegeben, dafür „allerdings kalte Spiegeleier“. Für eine Tasse Kaffee musste A. „gut zehn Minuten anstehen“. Dass eine für zwei Stunden angesetzte Führung faktisch nur 75 Minuten gedauert hat „und die fakultativen Angebote die Fahrt um 126 Euro verteuert haben“, erwähnt A. nur am Rande. Stattdessen erzählt er von einer „netten Begebenheit“, die die Rundreiseerlebnisse abgerundet hätten. "Suchen Sie sich einen anderen Platz" Beim TUI-Rückflug ließ sich die Lehne seines Sitzes nicht senkrecht stellen. „Ich bat den Flugbegleiter um Hilfe“, erzählt A. und schildert folgenden Wortwechsel: „Ich bin doch nicht der Flugmechaniker.“ Auf die Frage, was er denn nun tun solle, entgegnete der Mann: „Suchen Sie sich doch einen anderen Platz.“ Welchen denn? „Stehen Sie doch einfach auf, dann sehen Sie die freien Plätze.“ „Über eine Sache alleine hätten wir hinwegsehen können“, sagt A. In der Summe aber sei das nicht tragbar. Er wandte sich an sein Reisebüro. Das nahm Kontakt mit TUI auf, gab seine Beschwerde weiter. Ohne Reaktion. Mehrfach wurde um eine Stellungnahme gebeten (die Schreiben liegen der Redaktion vor), jedoch ohne Erfolg. A. verlangt eine Rückerstattung von 50 Prozent des Reisepreises für die Rundreise und hat mittlerweile eine Anwältin eingeschaltet. Enttäuschung verständlich Am 10. Januar erreichte A. ein Schreiben des TUI-Kundenservices. „Es tut uns sehr leid und ärgert uns ebenso wie Sie“, heißt es dort. „Ihre Enttäuschung verstehen wir.“ Eine Mitarbeiterin bedankt sich für die offenen Worte von A. und die Zeit, die er sich dafür genommen habe. „Wir wissen das zu schätzen.“ Allerdings seien „die von Ihnen vermissten Leistungen in der gebuchten Rundreise nicht vorgesehen“. Auch tue es TUI sehr leid, dass Gerhard A. und seine Partnerin „Insektenstiche erlitten“ hätten. „Wir hoffen, dass Sie sich schnell davon erholt haben.“ A. empfindet dieses Schreiben als „unverschämt, weil ignorant“. Auf eine Anfrage der Neuen Westfälischen hat es erst gestern Abend eine Stellungnahme von TUI gegeben. Ein weiterer Bericht dazu folgt.

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