Einbruchsspuren: Anfang November drangen Einbrecher in ein Gebäude am Segelflugplatz ein. Damals sagte ein Betroffener bereits, es werde immer schlimmer. - © Karin Prignitz
Einbruchsspuren: Anfang November drangen Einbrecher in ein Gebäude am Segelflugplatz ein. Damals sagte ein Betroffener bereits, es werde immer schlimmer. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Stadt will Einbrüche nicht hinnehmen

Verbrechen: Weil die Einbruchszahlen in der Südstadt hoch und die Menschen besorgt sind, verabschiedet der Stadtrat eine Resolution. Geflüchtete sollen anders verteilt, und die Polizei soll verstärkt werden

Sigurd Gringel

Oerlinghausen. Die Bürger der Südstadt sind in Sorge wegen der vielen Einbrüche in jüngster Zeit. Manche lassen ihr Haus nicht mehr unbeaufsichtigt. Die Lokalpolitik hat am Donnerstag deswegen eine Resolution verabschiedeten, in der sie die Landesregierung zum Handeln auffordert. Gemeinsam mit der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock sollen zudem Bürgerinformationen stattfinden. Weil das Thema so viele beschäftigt, kamen viele Bürger zur Ratsversammlung. Eine Frau aus der Südstadt, die namentlich nicht genannt werden will, hatte Unterschriften gesammelt und ein Flugblatt verteilt. Damit fordert sie die Stadt zum Handeln auf. Die Liste mit 60 Unterzeichnern legte sie anschließend Bürgermeister Dirk Becker vor. Es war eine Spontanaktion. Einen Tag vor der Ratssitzung ging sie in der Nachbarschaft von Haus zu Haus. Sie ist selbst betroffen. Anfang Dezember sind Einbrecher durch die Terrassentür in ihr Haus eingestiegen, viele Einbrüche verlaufen über diesen Weg. Das Haus liegt am Waldrand, die Terrasse ist von Nachbarn nicht einsehbar. „Wir waren nur zwei Stunden weg", sagt sie. Dass es bei ihr nichts zu holen gebe, das habe auch sie vor dem Einbruch gedacht. Ein fataler Irrtum, wie die Polizei stets betont. Denn die Täter wissen das nicht. Spardosen der Kinder kaputt geschlagen Tatsächlich nahmen sie Dinge mit, die sie schnell wegschaffen konnten. Sie schnappten sich einen Wäsche- und einen Einkaufskorb und warfen alles hinein, was sie für wertvoll hielten. Es waren hochwertige, teure Gegenstände wie ein Handy oder eine Uhr dabei, aber auch der Modeschmuck der Tochter. Die Spardosen der Kinder haben die Täter kaputt geschlagen. Einige Dinge haben nur ideellen Wert, weil zum Beispiel die Namen der Kinder draufstehen. Jetzt wird sich die Familie eine Alarmanlage zulegen. „Alle rüsten auf", sagt die Frau. Manche wollen das Haus sogar nicht mehr unbeaufsichtigt lassen. Obwohl das die Täter offenbar nicht abschreckt. Sie schlagen zu, obwohl Menschen im Haus sind, tagsüber, nachts oder abends. Es scheint kein Muster zu geben. Bürgermeister Dirk Becker warnte allerdings vor einer pauschalen Verurteilung der Menschen in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE). Die Polizei habe anhand von Fahndungserfolgen festgestellt, dass sowohl Täter von auswärts als auch in Oerlinghausen untergebrachte die Einbrüche verüben. rotzdem spricht er von einer nicht hinnehmbaren Situation. „Der Versuch, Menschen mit geringer oder keiner Bleibeperspektive zentral in Oerlinghausen unterzubringen, ist gescheitert", sagt er. Das Verfahren vereinfache zwar den Verwaltungsaufwand, bringe aber Probleme für die Bürger und könne sich zu einem „Sprengsatz für die Akzeptanz der Flüchtlingspolitik" entwickeln. So steht es in der einstimmig angenommenen Resolution. Mit der will die Stadt erreichen, dass das Land Geflüchtete ohne Perspektive auf mehrere Landeseinrichtungen verteilt, konsequenter abschiebt und die Präsenz von Polizei und Sicherheitsdienst im Umfeld der Einrichtung erhöht. Die Resolution ist an die Bezirksregierung und die Landesregierung adressiert. Die Täter wurden aus Stukenbrock verdrängt Zudem will Dirk Becker die Nachbarstadt Schloß Holte-Stukenbrock bitten, sich dieser Resolution anzuschließen. Die Ratsmitglieder haben zudem die jeweiligen Bürgervertreter in der Landespolitik auf das Problem hingewiesen. Aus der Bezirks- und Landesregierung heißt es, die Probleme in der Südstadt seien bekannt, und man wolle weiter an Lösungen arbeiten. Das alles habe bereits Wirkung gezeigt, sagte Dirk Becker. Es hat jetzt zwei Treffen in der ZUE gegeben, mit Vertretern der Polizei, der Bezirksregierung, des Betreibers, der Nachbarstadt, des Sicherheitsdienstes, der IG Süd und der Flugplatzgemeinschaft. Dabei ist mitgeteilt worden, dass die Polizei mittlerweile stündlich mit einem Streifenwagen vor Ort ist. Mehrere Polizeiwachen aus Lippe und Gütersloh arbeiten dabei zusammen. Oft war kritisiert worden, dass die Polizei aus Lage eine zu lange Anfahrt habe, um im akuten Fall schnell da zu sein. Die Zahl der sogenannten Fremdschläfer, Menschen die nicht in Oerlinghausen untergebracht sind, aber dort übernachten, habe man deutlich reduzieren können. Das Gelände werde rund um die Uhr videoüberwacht. Menschen mit bereits abgelehnten Asylverfahren sollen – wenn sie „auffällig" werden – schneller abgeschoben werden. Auch wenn sie zeitlich noch nicht dran wären. Die Stadt Oerlinghausen plant auch mit Schloß Holte Stukenbrock eine Bürgerinformation, keine große Versammlung, sondern eher Gespräche vor Ort. Genaueres konnte Dirk Becker noch nicht sagen. Wirkung zeige sich derweil in Stukenbrock. Aus Polizeikreisen ist zu erfahren, dass wegen verstärkter Kontrollen Diebstahlsdelikte merklich abgenommen haben. Allerdings hatte Sennestadt zwischenzeitlich mehr Probleme. Die Täter weichen offenbar nur aus.

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