Bildunterschrift: Kalt wird dem Museumsdirektor Karl Banghard trotz des lausigen Wetters nicht. Ötzis Kleider machen es möglich. - © Marcus Coesfeld
Bildunterschrift: Kalt wird dem Museumsdirektor Karl Banghard trotz des lausigen Wetters nicht. Ötzis Kleider machen es möglich. | © Marcus Coesfeld

Oerlinghausen Ötzi ist in der Bergstadt

Archäologisches Freilichtmuseum: Die Sendung mit der Maus schenkt dem Museum eine wertvolle Rekonstruktion der Mumie – als Dank für die kompetente Beratung

Oerlinghausen. Auch das Archäologische Freilichtmuseum bekommt Weihnachtsgeschenke. Und zwar von der Sendung mit der Maus: Eine exzellent gefertigte Rekonstruktion der steinzeitlichen Gletschermumie Ötzi kam jetzt wohlbehalten in Oerlinghausen an. Hintergrund ist, dass vor einigen Jahren Archäotechniker Söhnke Raimann und Museumsdirektor Karl Banghard bei einer Sachgeschichte über Ötzi beraten hatten. Die dafür mit großem Aufwand produzierte Ötzi-Ausstattung ging danach überaus erfolgreich auf Ausstellungstour. Sie war Exponat der „Mausoleum"-Ausstellung, die sich den Sachgeschichten der Sendung mit der Maus widmete. Als Dankeschön für die Beratung wurden die Rekonstruktionen nun dem Freilichtmuseum geschenkt. Das Dankeschön ist mehrere tausend Euro wert. Museumsdirektor Karl Banghard holte die wertvollen Stücke in Köln persönlich bei Armin Maiwald ab, einem der Väter der Sendung mit der Maus. Dessen Produktionsfirma „Flash-Film" war Eigentümerin der Ötzi-Kleider. Die Ötzi-Maus hat Millionen von Menschen erreicht, in ihr erzählt Armin Maiwald eine flotte Geschichte zu Steinzeitkleidung. So zieht er eine Parallele von Ötzis Beinlingen zu Strapsen aus dem Erotikbedarf. Die Facharchäologie sah solche Vergleiche zunächst als Skandal an, danach übernahm sie den Film für Landesausstellungen. Teil der geplanten jungsteinzeitlichen Abteilung Eines hat sich im Oerlinghauser Dezemberwetter schon geklärt: Trotz widrigen Schmuddelwetters fühlt man sich mollig warm in Ötzis Klamotten. Besser als in so mancher modernen Funktionskleidung. Auf dem Foto ist Ötzis Bärenfellkappe durch einen steinzeitlichen Hut aus Lindenbast ersetzt. Baststränge sind die Versorgungsleitungen eines Baumes. Der skurrile Basthut hält die Wärme aber fast genau so gut und lässt überdies den Regen abperlen. Die Beinlinge aus schick zusammengenähtem Ziegenfell ähneln den Leggins der nordamerikanischen Ureinwohner. Die Patchwork-Hosen isolieren nicht nur gut, sie sind auch sehr bequem. Den endgültigen Thermoeffekt auch im Teutoburger Winter liefern der Fellmantel und der Umhang aus geflochtenen Süßgräsern. Die Schneeschuhe mit dem nach innen gedrehten Bärenfell und ihrem Futter aus Grasschnüren lassen schließlich keine kalten Füße zu. Die Geschenke werden eine zentrale Rolle in der geplanten neuen jungsteinzeitlichen Abteilung des Freilichtmuseums spielen. Dort werden die ältesten Häuser in Trockenmauertechnik nördlich der Alpen rekonstruiert. Sie stammen aus Warburg-Menne. Hier konnten Verstürze von Wänden dokumentiert werden, die detaillierte Rückschlüsse auf den Aufbau ganzer Hauswände erlauben. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Baumaterial um Abfallprodukte, die beim Anlegen der monumentalen Galeriegräber dieser Zeit entstanden sind. Das bietet ein neues Bild steinzeitlicher Architektur in Mitteleuropa. Präsentiert wird ein umfassendes Bild der Sachkultur der ausgehenden Steinzeit, da sich hier die Feuchtbodensiedlungen zum Vergleich hinzuziehen lassen. „So kann ein ungewöhnlich präzises Lebensbild der Jungsteinzeit entworfen werden", sagt Museumsleiter Karl Banghard. Mit dem Zeitgenossen Ötzi habe man hier einen Personenbezug, der für die pädagogische Arbeit von zentraler Bedeutung sei.

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