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Oerlinghausen Händler um 1,4 Millionen Euro geprellt

Prozess: Ein 44-jähriger Oerlinghauser muss wegen Betrugs in 67 Fällen ins Gefängnis

Erol Kamisli

Oerlinghausen. Handys, Software für Computer, digitale Lautsprecherboxen und weitere teure Technikausstattung standen ganz oben auf der Bestellliste des 44-jährigen Kaufmanns aus Oerlinghausen. Doch er konnte die bestellten Waren gar nicht bezahlen – der Schaden bei seinen Lieferanten lag bei rund 1,4 Millionen Euro. Das Detmolder Amtsgericht verurteilte den Familienvater wegen Betrugs in 67 Fällen zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten und zu einer Rückzahlung von 52.000 Euro. „Ich wollte mein Geschäft retten und habe irgendwann völlig den Faden und auch den Gesamtüberblick verloren", gestand der einschlägig vorbestrafte Geschäftsmann. Er habe die Waren im Zeitraum von Mai 2015 bis Mai 2016 bei verschiedenen Firmen unter Angabe von falschen Namen bestellt. Anschließend habe er die gelieferten Produkte unter Marktwert weiterverkauft, „damit Geld in die Kasse gespült wird". Von den Einnahmen habe er nur einige Rechnungen seiner asiatischen Lieferanten bezahlt, den Rest habe er ausgegeben und sich zusätzlich ein Monatsgehalt von mehr als 4.000 Euro – insgesamt 52.000 Euro – gezahlt. Diesen Betrag sollen nun Gerichtsvollzieher eintreiben. Den übrigen Schaden in Höhe von mehr als 1,3 Millionen Euro haben erst einmal die Versicherungen der ausländischen Firmen übernommen. "Die Firma war schon längst insolvent" Das „Geschäftsmodell" des Angeklagten flog bei einer überraschenden Umsatzsteuerprüfung auf. „Die Finanzexperten stellten fest, dass er sich nur noch per Schneeballsystem über Wasser hielt. Die Firma war schon längst insolvent", sagte Staatsanwältin Johanna Dämmig. Obwohl der Angeklagte im Jahr 2015 wegen Betruges unter Bewährung stand, habe er weiter gelogen und betrogen. „Er hat sich nicht beeindrucken lassen, daher muss er jetzt in Haft", sagte Dämmig. Sie forderte eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Martin van der Sand blieb mit zwei Jahren und acht Monaten unter der Forderung. „Das Geständnis ist viel wert und hat uns Arbeit erspart", sagte Richter van der Sand in der Urteilsbegründung. Der 44-Jährige habe seinen „Geschäftstraum" retten wollen, obwohl nichts mehr zu retten gewesen sei. „Doch die Geschäftspartner haben es ihm leicht gemacht. Es gab keinerlei Kontrollen, weil sich alle auf die Versicherungen verlassen haben", sagte van der Sand.

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