Spektakulärer Kampf: Viele Besucher schauen dabei zu, wie Ajax (Stefan Frey, l.) und Cerberus (Alexander Kulisch, r.) im Gladiatorenring gegeneinander antreten. Noch haben beide nichts von ihrer Rüstung abgelegt. Gaius Antonius Maximus (André Tippner, hinten) kommentiert und moderiert die dreiviertelstündige Kampfshow. - © Christian Stolz
Spektakulärer Kampf: Viele Besucher schauen dabei zu, wie Ajax (Stefan Frey, l.) und Cerberus (Alexander Kulisch, r.) im Gladiatorenring gegeneinander antreten. Noch haben beide nichts von ihrer Rüstung abgelegt. Gaius Antonius Maximus (André Tippner, hinten) kommentiert und moderiert die dreiviertelstündige Kampfshow. | © Christian Stolz

Oerlinghausen Freilichtmuseum zeigt, wie Gladiatoren wirklich kämpften

Kinder können selbst zu Holzschwert und Schild greifen

Christian Stolz

Oerlinghausen. Zwei Wörter entscheiden über Sieg oder Niederlage. Ruft das Publikum "Vitam!", darf Gladiatorin Medusa, dargestellt von Svenja Grosser, noch einmal kämpfen, bei "Mortem!" muss sie hingerichtet werden. Die "Vitam!"-Rufe überwiegen im Publikum, urteilt Schiedsrichter Gaius Antonius Maximus (André Tippner), als er sich in seinem blauen Gewand umblickt. Also hebt Medusa ihr römisches Schwert, den Gladius, wieder zum Kampf. Beim Gladiatorentag im Archäologischen Freilichtmuseum ist die Hamburger Gladiatorenschule "LUDUS NEMESIS" zu Gast. Mit Hollywood-Klischees wird gleich zu Beginn der Kampfvorführung aufgeräumt. Dass beispielsweise die bis zu 70.000 Zuschauer im Kolosseum mit Handzeichen über den Kampf abgestimmt haben, ist ziemlich unrealistisch. Auch waren die am Ende ihrer maximal zehnjährigen Karriere oft wohlhabenden Gladiatoren nicht schon vor dem Kampf zum Tode verurteilt: "Das waren hochtrainierte Spitzensportler, keine tumben Einklopfer. Sie hatten ihr Leben selber in der Hand. Kämpften sie gut, überlebten sie", erklärt Gaius Antonius Maximus den zahlreichen Zuschauern, die rund um einen Rasen-Arenaplatz stehen. In der Realität wären zudem Massenschlachten ein teures Unterfangen gewesen, war doch ein Gladiator nach seiner Ausbildung das Drei- bis Fünffache wert. Und so findet das Hauen und Stechen der Kämpferinnen und Kämpfer auch im Freilichtmuseum unter vier Augen statt. Kommt es zu einem Treffer, frieren sie in der Bewegung kurz ein, um dann neu anzusetzen. Da kann es schon mal passieren, dass der Kämpfer Cerberus (Alexander Kulisch) seinen Dreizack wegwirft, woraufhin sein Kampfpartner Ajax (Stefan Frey) den Schild ablegen muss - Chancengleichheit. Auch Frauen traten früher in die Arena, wie auf einem alten Relief in London zu sehen ist. Ihre Ausrüstungen haben die Mitglieder von "LUDUS NEMESIS" selber angefertigt und dann die Kampfweisen in Eigenarbeit "geschichtsnah interpretiert", denn Trainingsanweisungen sind nirgends zu finden. Marcus Coesfeld, Leiter der Museumspädagogik, macht mit Kindern Kampfschritte und Koordinationsübungen, bevor jeder gegen einen der Gladiatoren antreten darf. Mitmachaktionen sollen künftig verstärkt in den Fokus des Museums gerückt werden. Christine Salmon ist mit ihrem Sohn Bjarne (2) beim Gladiatorentag: "Die Stimmung ist familiär. Über Gladiatoren hatten wir vorher noch nicht viel Wissen." Währenddessen lassen sich Besucher an einem römischen Schankwirtschaftsstand Würzweine schmecken, backen Brot, spielen Spiele oder machen eine themenbezogene Spezialführung mit.

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