Fan: Karl-Heinz Lüdemann aus Schloß Holte lässt sich am Büchertisch im katholischen Gemeindehaus das neue Buch von Kiera Brennan signieren. Das Hörbuch hat der 72-Jährige bereits. Fotos: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Fan: Karl-Heinz Lüdemann aus Schloß Holte lässt sich am Büchertisch im katholischen Gemeindehaus das neue Buch von Kiera Brennan signieren. Das Hörbuch hat der 72-Jährige bereits. Fotos: Karin Prignitz | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Erfolgsautorin liest aus 1.000 Seiten voller Spannung

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Die Buchhandlung Blume lädt ein, und ruck, zuck sind alle Karten verkauft. Auf besonders großes Interesse ist die Lesung mit Kiera Brennan gestoßen. Mit bürgerlichem Namen heißt die gebürtige Österreicherin Julia Kröhn. Seit 14 Jahren lebt sie in Frankfurt am Main und hat jetzt ihr knapp 1.000-seitiges Historienepos „Die Herren der Grünen Insel“ vorgestellt. Schauplatz ist das im Hochmittelalter in viele kleine Königreiche zersplitterte Irland. 120 Besucher, die in das katholische Gemeindehaus St. Michael an der Grüte gekommen sind, werden nicht mit Worten, sondern mit irischem Folk auf einen Abend eingestimmt, der – ganz nach irischem Vorbild – aus einer gelungenen Mixtur aus Lesung, Musik und Guinness besteht. Womöglich sind deshalb deutlich mehr Herren im Publikum zu finden, als gewohnt. Vier von ihnen bilden die Band „SaitenLage“. Mit Gitarre, Mandoline, Geige, Bandoneon, Tin Whistle und Gesang erzeugen Wolfgang Pierel (vom Geschäft „Rumpelstilzchen“), Joachim Prolingheuer, Gert Teuber und Les Meadows den rhythmischen Rahmen für einen Ausflug in das 12. Jahrhundert. Zwei Jahre lang hat Kiera Brennan an ihrem Epos geschrieben und sich von den Schauplätzen inspirieren lassen. „Friedhöfe gehören zu den wichtigsten Quellen.“ Mit Fotos, die auf einer großen Leinwand erschienen, leitete die 41-Jährige den Abend ein. Klippen, Berge, raues Klima und Einsamkeit. „Ich bin grundsätzlich ein Fan nordischer Länder“, berichtet die Erfolgsautorin. „Die Herren der Grünen Insel“ ist ihr 30. Buch, „aber das erste, das sich mit Irland beschäftigt“. Die studierte Historikerin ist von Kind auf geschichtsinteressiert gewesen, ihre Leser sollten es auch sein. „Aber natürlich versuche ich so zu schreiben, dass man keine Vorbildung braucht“, betont Kiera Brennan. Authentisch schildert sie das Alltagsleben, die Armut, die Rechtelosigkeit der Frauen, finstere Intrigen und erbitterte Kämpfe der Könige. Und zwar „aus dem Blickwinkel fiktiver Protagonisten, die ansonsten in der anonymen Masse verschwinden würden“. Blutrünstig geht es zu. „Ich bin zu meinen Romanfiguren oftmals grausam und mute ihnen viel zu.“ Im Buch begegnen wird den Lesern unter anderem der gefürchtete Krieger Ascall von Toora.Der grausame Krieger Ascall muss die Frau heiraten, die er bestrafen wollte Er ist ein enger Verbündeter von Tigernán und nutzt dessen Triumph, um sich für eine einstige Demütigung zu rächen. Doch er macht einen verhängnisvollen Fehler und wird zur Heirat mit der Frau gezwungen, die er eigentlich bestrafen wollte. Wie diese Geschichte ausgeht, ob der grausame Ascall im Innersten womöglich doch einen weichen Kern hat, „das müssen Sie selber herausfinden“, das legt Kiera Brennan ihren Zuhörern ans Herz, ehe sie wieder am Büchertisch signiert. Als Autorin, das hatte Kiera Brennan im Interview verraten, fühle sie sich ähnlich wie ein Koch, der zu Beginn sämtliche Zutaten für das beste Ergebnis zusammenstellt. „Ich plane viel und sehr genau.“ Ihre Leser wissen es zu schätzen. Hannelore Hölscher-Gronemeier hat Irland vor einigen Jahren kennengelernt und war fasziniert. „Sogar das Wetter hatte seinen Charme“, sagt die Paderbornerin. Karl-Heinz Lüdemann aus Schloß Holte-Stukenbrock ist ebenfalls Irland-Fan. Er hat das Hörbuch von „Die Herren der Grünen Insel“ und ist nun „glücklich, dass ich die Autorin kennenlernen darf“. Ofelia Schäfer nutzt die Chance für ein Selfie. Mit irischem Folk und einem zweiten Fass Guinness klingt der Abend aus.

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