Performance: Am Abend vor der Juryentscheidung haben sich die sieben jungen Künstler mit Bürgern auf dem Rathausplatz getroffen. Der spätere Sieger Daniel Chlube animiert die Besucher, ihm zuzujubeln. Das rote Shirt hat er vorher ausgezogen. - © Karin Prignitz
Performance: Am Abend vor der Juryentscheidung haben sich die sieben jungen Künstler mit Bürgern auf dem Rathausplatz getroffen. Der spätere Sieger Daniel Chlube animiert die Besucher, ihm zuzujubeln. Das rote Shirt hat er vorher ausgezogen. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Kunstverein vergibt Kunstpreis an den Zentauren

Daniel Chlubas "Bild der Absurdität" überzeugt die Jury

Sibylle Kemna

Oerlinghausen. Der Künstler, der als Zentaur verkleidet die meiste Aufmerksamkeit erregt hat, hat den Preis des Kunstvereins gewonnen: Daniel Chluba. "Außerordentlich mutig und konsequent in der Ausführung" habe er sich mit dem städtischen und ländlichen Raum auseinander gesetzt, lautet die Begründung der Jury, die Thomas Thiel jetzt in der Synagoge vortrug. Nicht nur, dass er als Zentaur ein "Bild der Absurdität" in den Alltag einer kleinen Stadt gebracht habe, Chluba habe die Juroren auch überzeugt mit anderen Ideen, wie der, hinter einem kleinen Flugzeug über der Stadt Spruchbänder flattern zu lassen mit Sätzen wie; "Exorzismus ist keine Kunst", "Hyperterrorismus ist keine Kunst" oder "Kapitalismus ist keine Kunst", erläuterte der Direktor des Bielefelder Kunstvereins. Die Ausführung sei an Genehmigungen und Auflagen gescheitert, aber trotzdem eine geistreiche Idee in der Auseinandersetzung mit der Stadt, die ein Flugzeug in ihrem Wappen führt. Thiel lobte auch die engagierte Zusammenarbeit aller sieben Künstler des Projekts "Sieben Künstler. Sieben Tage. Entdeckungen einer Stadt." "Ohne sie hätten einige Projekte nicht realisiert werden können." Das unterstrich auch Preisträger Chluba, der sich ausdrücklich bei seinem "Team" bedankte, das zum Beispiel die Fotos von seinen Performances machte. "Ich hatte hier in Oerlinghausen sehr viel Spaß, die Menschen sind sehr aufgeschlossen und hatten viel Verständnis", bekundete der Berliner Künstler, der das Zentaurkostüm schon mitgebracht hatte in die Bergstadt. "Ich wusste, dass ich damit etwas machen wollte." In den ersten beiden Tagen habe er die Stadt auf sich wirken lassen und sich Motive überlegt. Sein Ziel sei gewesen, als Zentaur diesen Ort und seine Menschen zu erfahren. "Man konnte auf mir reiten, ich habe Süßigkeiten auf dem Rathausplatz verteilt und es hat funktioniert: Ich habe Aufmerksamkeit erregt und mit den Bewohnern interagiert." Alexander Gruber sorgte noch während der Preisverleihung für künstlerische Momente: Er schlug eine Dreiviertelstunde lang in drei Büchern die unbeschriebenen Seiten um und sagte: "und jetzt". Eine Idee von Esra Oezer, die damit die Vergänglichkeit der Zeit deutlich machte. Auch die anderen Künstlerinnen hatten ihre Installationen und Projekte ausgestellt, zum Teil nebenan im Haus der verstorbenen Emmy Vautz, und besprachen diese mit den Besuchern. "Das sollte im Original so angemalt werden", sagte eine Besucherin begeistert zu Nancy Hammermeister, die mit Lena Buhrmann Bilder an Oerlinghauser Häuserwände projiziert hatte. Jeder, der wollte, konnte sich ein kleines Plakat von den sechs verschönerten Orten mitnehmen. "Mir ging es darum, die Burka zu enttabuisieren, ihren religiösen Bezug deutlich zu machen", erklärte Maria Wende ihren interessierten Zuhörern. "Es war eine schöne Woche", da waren sich die jungen Künstlerinnen und der Künstler einig. Wie Esra Oezer lobten sie "die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen". Der Kunstverein freut sich über die ausdrucksstarken Ergebnisse und die Aufmerksamkeit, die die Projektwoche erregt hat. In dem diesjährigen Ausstellungsprogramm fehlt sonst die junge Kunst, hier hat man sie nun potenziert. "Diese Gruppe war ein Glücksgriff", fand Fred Schierenbeck, der künstlerische Leiter des Kunstvereins. "Man weiß ja nicht, wer da kommt." Die jungen Künstler hätten sich sehr kooperativ gezeigt. "Sie hatten viel Arbeit, aber auch eine Menge Spaß miteinander", das ist Schierenbecks Eindruck. Schade sein nur gewesen, dass man nicht zeitnah auf die Aktionen habe hinweisen können, weil diese sich oft aus dem Moment heraus ergeben hätten. "Das könnte man über Facebook vielleicht beim nächsten Mal noch mehr kommunizieren."

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