Die Geschenke für das Weihnachtsfest sichern sich Torben, Katharina und Franz-Josef Völlmecke sowie Christina und Jörg Cyroll und Hendrik Völlmecke aus Brilon jedes Jahr mit ihren geschickten Drehs. Sie kommen aber auch wegen der familiären Atmosphäre. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
Die Geschenke für das Weihnachtsfest sichern sich Torben, Katharina und Franz-Josef Völlmecke sowie Christina und Jörg Cyroll und Hendrik Völlmecke aus Brilon jedes Jahr mit ihren geschickten Drehs. Sie kommen aber auch wegen der familiären Atmosphäre. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

Oerlinghausen Besucher drehen am Rad

36. Oerlinghauser Weihnachtsmarkt bewusst verkürzt / Verlegung auf Rathausplatz im Gespräch

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Die Elch-Ohren auf dem Kopf sind das Erkennungszeichen. „Damit wir uns im Gedränge wiederfinden.“ Seit Jahren schon lebt Paul-Gerhard Mesecke in Vlotho, aber in Oerlinghausen, da ist er aufgewachsen und deshalb steht ganz außer Frage: „Wenn Weihnachtsmarkt ist, dann bin ich da.“ Mitgebracht hat Mesecke fünf weitere Besucher. Eine davon, Sandra Prager, kann es immer noch nicht fassen. Hat sie doch tatsächlich im „Rumpelstilzchen“ die alte „Klipkerbahn“ wiedergefunden, „mit der ich schon als Kind gespielt habe“. Und Paul-Gerhard Mesecke, der holt sein Handy hervor und ruft ein Bild seines Großvaters Emil auf. Dessen rauschebärtiges Konterfei ziert seit ewigen Zeiten den „Alten Jagdvater“, einen Kräuterschnaps der Melmschen Hirschapotheke. Viele solcher Geschichten schreibt der Weihnachtsmarkt. Menschen, die sich ewig nicht gesehen haben, laufen sich an diesen Tagen über den Weg. Erinnerungen werden ausgetauscht, und gerade dieses Wiedersehen ist es, was die meisten so schätzen. Der Liebe wegen seien sie vor fast 50 Jahren nach Helpup gezogen, erzählen Hans und Anneliese Posteher, „aber wir kommen nun mal aus Oerlinghausen, deshalb ist der Besuch ein Muss“. Viele nette Leute treffen, das möchte auch Gisela Husung nicht missen. Vor der „Glühenden Apotheke“ zeichnet sich das gewohnte Bild der Menschentrauben. Dass der vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Oerlinghausen zum 36. Mal ausgerichtete Markt diesmal am Jägerhaus endet, alles etwas komprimierter ist, fällt vielen Besuchern auf. Aber eben auch, dass es vor allem Getränke- und Essensbuden sind, die dort stehen. VVV-Vorsitzender Detlef Kropp bestätigt, dass der Markt „bewusst verkürzt worden ist, um das Ausfleddern Richtung Simonsplatz zu verhindern“. Das habe auch funktioniert, „denn so war es wieder gemütlicher und enger“. Im Wesentlichen habe er zufriedene Gesichter gesehen, sagt Kropp, der neben den Stammbesuchern auch viele jüngere ausgemacht hat. Einige vertraute Buden allerdings fehlten. Die oft diskutierte Verlagerung des Marktes auf den Rathausplatz werde sicherlich Thema bleiben, bestätigt Kropp. „Technisch und logistisch ist das aber gar nicht so einfach.“ Zumal vor Jahren viel Geld für den Stromanschluss in der Hauptstraße ausgegeben worden sei. Erneut zog es dort viele Besucher in die Zelte. In das der Lions etwa, in dem sich das Glücksrad drehte und zu später Stunde Mike Röttgen und Alfons Haselhorst als „Lions-Music-Duo“ mit Hits der 70er bis 90er Jahre für richtig gute Stimmung sorgten. Disco-Atmosphäre hatte die „Vümfte“ der Schützen im leerstehenden Fulland-Geschäft geschaffen, im Zelt der Reservisten, der Abiturienten oder des JZO wurde ebenfalls gefeiert. Eine XMas-Party stieg im Kinder- und Jugendtreff der AWO an der Hermannstraße. Wer draußen blieb, der konnte an der „letzten Glühweinstation vor dem Nordpol“ Eierpunsch bei „Bubel’s“ tanken, „Heiße Liebe“ bei den Schützen, Tschai bei den Pfadfindern, eine „Schwarze Sau“ bei der Laufgemeinschaft (LG) oder auch die „Flotte Pflaume“. „Selbst gepult und im Keller gereift“, versicherten Heike Beugholt, Monika Strothmeier und Eveline Larisch. Eine Besuchergruppe aus Leopoldshöhe, Asemissen, Ubbedissen und Milse stimmte unterdessen laut und fröhlich Weihnachtslieder an und pries die gegenüber anderen Märkten mit 1,50 bis 2 Euro zivilen Glühweinpreise. Wer noch etwas anderes wollte, als Glühwein zu schlürfen und Leute zu treffen, der musste suchen, wurde hier und dort tatsächlich fündig. Am Trödelstand der Schützen etwa oder dem des Fördervereins des Niklas-Luhmann-Gymnasiums, wo es handgefilzte Wichtel, Filz-Lebkuchenmänner, Backmischungen im Glas oder Faltsterne gab. Auch im Bauwagen des Fördervereins der Kita Ubbedissen wurde Außergewöhnliches angeboten. Eine Schneemann-Suppe etwa oder eine Tüte, in der 15 Minuten Weihnachten steckte. Zum elften Mal war eine Delegation der französischen Partnerstadt Villers-lès-Nancy mit Köstlichkeiten aus Lothringen dabei. Lesungen, Musikalisches, offene Türen in Ateliers, der Synagoge oder den Geschäften umrahmten das Weihnachtsmarktgeschehen.

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