Leopoldshöhe Gärtner macht kurzen Prozess

Marco Vliegen und Alyson van Wickern kämpfen sich durch eine gerodete Fläche zwischen Bach- und Wiesenstraße. Hinten begutachten Horst und Doris Vliegen sowie Helga Freytag das Areal. - © FOTO: KEMNA
Marco Vliegen und Alyson van Wickern kämpfen sich durch eine gerodete Fläche zwischen Bach- und Wiesenstraße. Hinten begutachten Horst und Doris Vliegen sowie Helga Freytag das Areal. | © FOTO: KEMNA

Leopoldshöhe.Aufregung in der Bach- und in der Wiesenstraße: Ein Grundstückseigentümer hat auf seinem und einem Nachbargrundstück zahlreiche Bäume fällen lassen und damit gegen das Artenschutzgesetz verstoßen.

Genau dort sollen neue Häuser gebaut und die Bachstraße ausgebaut werden. Die Anwohner wollen nun eine Interessengemeinschaft gegen diese Pläne bilden. Sie haben über die Leopoldshöher Gruppe des Naturschutzbunds (Nabu) die Untere Landschaftsbehörde eingeschaltet, die ein weiteres Abholzen verhindern will.

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Die seit Jahrzehnten brachliegenden Flächen zwischen Bach- und Wiesenstraße werden laut Hans Dudler vom Nabu auch von bestandsbedrohten Tierarten als Rückzugsfläche, Nahrungs- und Brutgebiet genutzt. Vorletzte Woche heulte dort die Säge: Ein Gärtner fällte zahlreiche Bäume und erklärte den Anwohnern, er habe den Auftrag, bis zur Bachstraße Kahlschlag zu machen. Dabei rodete er nicht nur die Bäume auf dem Grundstück seines Auftraggebers, sondern auch auf dem Nachbargrundstück von Helga Freytag. Die dachte, sie sei "im falschen Film gelandet". Nach den Protesten von ihr und anderen Anwohnern beendete der Gärtner das Abholzen – auf rund 1.600 Quadratmeter war das Grün aber bereits abgeholzt.

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KOMMENTAR


Kahlschlag an der Bachstraße

Zwei Seiten der Medaille


MICAELA BREDER
 
Bauvorhaben und Naturschutzbelange sind mitunter schlecht unter einen Hut zu bringen. Die Situation an der Bachstraße zeigt den Interessenkonflikt. Die Untere Landschaftsbehörde sagt klipp und klar: Vor der Rodung hätte der ökologische Wert der Flächen geprüft werden müssen. Stattdessen hat der Grundstückseigentümer Fakten mit der Motorsäge geschaffen – sogar auf einem Nachbargrundstück. Das geht nicht. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille. Dass private Grundstückseigentümer jetzt Bauland in der Verlängerung der Bachstraße bereitstellen wollen, ist aus städtebaulicher Sicht nur zu begrüßen. Hier könnte zusätzlicher Wohnraum entstehen – zentrumsnah. Für die Gemeinde wäre dies ein Gewinn. Und nicht zu vergessen: Im Bebauungsplan sind die Flächen seit Jahrzehnten für Wohnbebauung vorgesehen.shs@ihr-kommentar.de

"Damit hat der Auftraggeber dieser Rodung gegen das Artenschutzgesetz verstoßen", stellt Bernd Mühlmeier von der Unteren Landschaftsbehörde in Detmold auf Anfrage dieser Zeitung klar. "Er hat den Wuchs beseitigen lassen, ohne vorher prüfen zu lassen, ob dieser naturschutzwürdig ist." Artenschutz müsse das Bauen nicht verhindern, aber eine Prüfung sehe der Gesetzgeber auf jeden Fall vor, auch bei alten Bebauungsplänen. Mühlmeier sagte, er werde jetzt dem Verursacher schriftlich mitteilen, dass dieser mit der Rodung "nicht weitermachen darf". Erst nach einer ökologischen Prüfung könne entschieden werden, wie weiter vorgegangen wird.

Die Anlieger wollen um das Grün kämpfen, das noch nicht der Säge zum Opfer gefallen ist. Darüber hinaus erwarten sie, dass die gerodeten Flächen auf Helga Freytags Grundstück wieder in einen naturnahen, ökologisch verträglichen Zustand gebracht werden. "Wir wollen das Grün hier erhalten und uns bei einer Bebauung nicht mit Ersatzflächen abspeisen lassen, die ganz woanders sind", erklärt Anwohner Marco Vliegen. Außerdem fühlen die Anlieger sich von der Gemeinde übergangen: "Hier wurden Fakten geschaffen, ohne uns zu informieren." Gegen den geplanten Ausbau der Bachstraße "werden sich die Anwohner wehren", sagt Vliegen. Fachbereichsleiter Hermann Oortman kann an der Aktion "nichts beanstanden". Es sei das Recht des Grundstückseigentümers, seine Fläche roden zu lassen. "Ich kann darin keinen Frevel entdecken."

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