Zu Gast: Lioba Albus als Mia Mittelkötter sinnierte in der Aula der Felix-Fechenbach-Gesamtschule in Leopoldshöhe über die Befindlichkeiten des modernen Menschen im Allgemeinen und der nicht ganz modernen Frau im Besonderen. - © Thomas Dohna
Zu Gast: Lioba Albus als Mia Mittelkötter sinnierte in der Aula der Felix-Fechenbach-Gesamtschule in Leopoldshöhe über die Befindlichkeiten des modernen Menschen im Allgemeinen und der nicht ganz modernen Frau im Besonderen. | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe Lioba Albus unterhält die Leopoldshöher als Mia Mittelkötter

Von Männern und anderen Dingen

Thomas Dohna

Leopoldshöhe. Mia Mittelkötter weiß, wie es mit den Männern ist. Schließlich ist sie seit Jahrzehnten mit Gustav verheiratet. Sie weiß aber auch, wie es mit den Frauen ist, so von Frau zu Frau, wenn auch nicht als Mia Mittelkötter. Die Kabarettistin Lioba Albus war in der Aula der Felix-Fechenbach-Gesamtschule zu Gast. Seit 1991 tourt Lioba Albus durch die Lande. Waren vor rund 20 Jahren Kinder und Familienleben, Schule und Sorgen ums Häusliche die Themen der Mia Mittelkötter, ist es heute das gegenwärtige Leben im Allgemeinen und mit dem ebenfalls älter gewordenen Gustav im Besonderen. "Das Weg ist das Ziel" ist ihr Programm überschrieben. Nicht der Weg, sondern das Wegsein, zeitweise oder auch das endgültige, ist das Thema. Weg von Gustav, sauerländisch "Chustav". Er dürfte auch weg sein, für eine Weile wenigstens, oder auch für immer, aber nicht unbedingt das endgültige Weg, meint Mia Mittelkötter. Wenn sie dann sagen würde: "Ich verlasse dich", würde Gustav antworten: "Au ja, ich komme mit." "Das Gisela", die nun endlich verblichene Schwiegermutter, bleibt präsent, in Form einer Katze: "Reinkarnation", sagt Mittelkötter, mit "ei", nicht mit "e-i" und sauerländisch rollendem "R". Sie streift die sozialen Medien und den dort wahrzunehmenden rechten Schwefelmief. Facebook wirke wie eine Magen-Darm-Grippe: alles braun gesprenkelt. Da seien Leute, die ihre Schallplatten noch auf "33" hören. Dabei seien das stinknormale Versager. Lioba Albus wechselt kurz nach Dortmund. In Leopardendruck-Jacke, roten High Heels und einigen anderen Attributen, die eine gesellschaftlich eher schlicht aufgestellte Frau kennzeichnen sollen, gibt sie eine Lehrstunde in Frauen-Kommunikation. Für Männer, die da ja entweder schweigsam oder direkt sind, war das ein interessanter Einblick, wie Frauen Frauen sehen: Erst wird sich in Aussagen, wie gut die andere doch jeweils aussehe, übertroffen, wohl wissend, dass die jeweils andere das überhaupt nicht so meint. Facebook wirkt wie eine Magen-Darm-Grippe Dann, nach frühestens einer halben Stunde, darf ein Quäntchen Wahrheit einfließen. Für die aktuelle Sexismusdebatte hat sie einen Tipp parat. Da die meisten Sexisten gleichzeitig auch homophob seien, könne ein Würstchen in der Hose gute Dienste leisten. Ein Hinweis, der im Publikum für etwas verschämte Heiterkeit sorgte. Überhaupt Sexismus. Mia Mittelkötter empfand es als junge Frau bisweilen belästigend, wenn die Bauarbeiter ihr vom Gerüst herunter nachpfiffen. Irgendwann habe das aufgehört. Und das stört Mia Mittelkötter auch. Aber sie behilft sich. In einem Baumarkt fand sie einen Gartenzwerg mit Bewegungsmelder. Der pfeift, sobald sie vorbeigeht. Dem Publikum gefiel der Rundgang durch moderne Befindlichkeiten: Zwischenapplaus, entspanntes Gelächter, viel Applaus vor der Pause und nach dem zweiten Teil, bis Lioba Albus dann auch weg war.

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