Zwei Generationen: Vater Wilfried Reineke und Sohn Dirk Reineke stehen an einer der Maschinen, mit denen die Sargfabrik Elkenkamp Särge fertigt. In diesem Jahr ist das Unternehmen 100 Jahre alt geworden. Foto: Thomas Dohna - © Thomas Dohna
Zwei Generationen: Vater Wilfried Reineke und Sohn Dirk Reineke stehen an einer der Maschinen, mit denen die Sargfabrik Elkenkamp Särge fertigt. In diesem Jahr ist das Unternehmen 100 Jahre alt geworden. Foto: Thomas Dohna | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe Das Unternehmen Wilhelm Elkenkamp besteht seit 100 Jahren

Jubiläum: Die Sargfabrik erlebte nach der Wiedervereinigung den großen Aufschwung. Heute dominiert die Konkurrenz aus Osteuropa

Thomas Dohna

Leopoldshöhe. Mitten im Ersten Weltkrieg bewies Wilhelm Elkenkamp Mut. Der Tischler machte sich 1917 mit einem eigenen Unternehmen selbstständig, einer Bautischlerei. Hundert Jahre später ist das Unternehmen eine der wenigen in Deutschland verbliebenen Sargfabriken, immer noch am gleichen Standort in Leopoldshöhe-Greste, aber deutlich größer geworden. 100 Jahre sind etwa drei Generationen. So ist das auch in der Fabrik Elkenkamp. Wilhelm Elkenkamp war bis zu einem Tod 1964 im Unternehmen aktiv, sein Sohn wollte nicht so recht in die Nachfolge einsteigen, seine Tochter und deren Mann Wilfried Reineke schon. „Und so bin ich da hineingerutscht“, erinnert sich der jetzt 75-Jährige. Inzwischen führt sein Sohn Dirk Reineke das Unternehmen. Er ist 55 Jahre alt. Sein Nachfolger Sven Elkenkamp ist schon verantwortlich im Unternehmen tätig. Auch in die Sargfabrikation ist das Unternehmen hineingerutscht. Wilhelm Elkenkamp und ein Kompagnon, von dem Wilfried Reineke nur noch den Nachnamen Fischer weiß, wollten Fenster, Türen, Treppen und all das bauen, was in einem Haus aus Holz ist. Als Tischler denkt man dabei nicht unbedingt an Zimmermannsarbeiten, und doch war sein erster Auftrag ein Dachstuhl. Wilfried Reineke will aus dem Fenster zeigen. „Ach, der steht ja nicht mehr“, sagt er. Gleich gegenüber in Sichtweite stand das Gebäude der Möbelfabrik Becker. Bald darauf muss Kompagnon Fischer ausgeschieden sein. Viel wissen die Reinekes nicht über die frühen Zeiten des Unternehmens. Geschäftsunterlagen sind bald nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen vernichtet worden. Nur ein Katalog, in dem Wilhelm Elkenkamp sein Sarg-Sortiment aufführt, ist noch da. Um 1930 muss es gewesen sein, dass sich die Firma Elkenkamp auf serienmäßige Produktion von Särgen verlegte. Die Sargproduktion profitierte, anders als man annehmen könnte, nicht vom Zweiten Weltkrieg. Elkenkamp wurde zu Rüstungsunternehmen. Wilfried Reineke weiß noch, dass Anfang der 60er Jahre noch Material zum Bau von Munitionskisten für die Wehrmacht herumlag.Von der Bautischlerei zur Sargfabrik Vor und nach dem Krieg bauten im Gebäude an der Helpuper Straße auf drei Etagen streng arbeitsteilig bis zu 25 Arbeiter Särge – Holzbildhauer, Maler und Tischler. Bald nach den Tod Wilhelm Elkenkamps ließ Wilfried Reineke eine Halle anbauen. „Auf drei Etagen zu fertigen war nicht produktiv genug“, sagt Dirk Reineke. Der Erfolg gab seinem Vater recht. Nach fünf Jahren kam die zweite Halle, drei Jahre später eine weitere. Einen echten Schub erlebte das Unternehmen nach der Wiedervereinigung. Im Osten Deutschlands waren jetzt westdeutsche Särge gefragt. Mit den offenen Grenzen kamen die Konkurrenten aus den osteuropäischen Ländern auf den Markt. Sie beherrschen heute das Segment der Billig-Särge. „Da können wir nicht mithalten“, sagt Dirk Reineke. Aber im mittleren und oberen Preisbereich schon, mit Erfolg, auch wenn die Mitarbeiterzahl auf etwa zehn gesunken ist. Gab es in Lippe bis vor einigen Jahren noch etwa zehn Sargfabriken mit einem nennenswerten Ausstoß, gibt es heute nur noch eine, sagt Dirk Reineke. Bundesweit seien noch 15 Unternehmen am Markt. Vor allem die vergangenen 15 Jahre haben dem Markt zugesetzt. Es gebe immer mehr Feuerbestattungen. Die Familien leben verstreut, kaum jemand kann sich noch um die Gräber der Vorfahren kümmern. Dirk Reineke ist dennoch zuversichtlich, dass er sein Unternehmen an die vierte Generation weitergeben kann.

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