Leopoldshöhe Vogelkundler beobachten Vielfalt auf Gut Eckendorf

Rundgang: Der Experte Dirk Grote plädiert für ungeordnete Ecken in den Gärten

Thomas Dohna

Leopoldshöhe. Die alte Eiche im Garten von Gut Eckendorf erhebt sich mächtig, obwohl ihr Stamm durch Blitzschlag und Schädlinge angeschlagen ist. "Ein solcher Baum dürfte im öffentlichen Raum nicht stehenbleiben", sagt Vogelschützer Dirk Grote. Es könnte totes Holz aus der Krone auf Wege fallen und dort Menschen gefährden. Grote hält solche Bäume aber für überlebenswichtig für die Vogel- und Insektenwelt. Der Experte hat jüngst eine Gruppe des Naturschutzbunds Leopoldshöhe zu einer vogelkundlichen Tour durch den Gutspark begleitet. Der Park ist privat, deswegen darf dort auch noch die wohl älteste Eiche Lippes stehen bleiben. "Gerade in privaten Gärten hat es früher eine große Artenvielfalt gegeben", erklärt Grote. Vor Jahrzehnten seien die Gärten auch zur Selbstversorgung da gewesen. Viele Vogelnamen erinnerten an diese Vielfalt: Gartenbaumläufer, etwa oder auch der Gartenschläfer. Heute dienten die Gärten vor allem zur Erholung. Früher habe die Landschaft parkähnlich ausgesehen, weiß Dirk Grote. Heute würde sie aus verständlichen wirtschaftlichen Gründen sehr viel intensiver genutzt. Dohlen beispielsweise fänden kaum noch Brutplätze, weil diese Art ihre Nester in hohle Bäume baut - Bäume, die wegen der Verkehrssicherungspflicht beschnitten oder gar gefällt werden müssen. Auf die Frage nach den Folgen schwindender Artenvielfalt sagt der Experte: "Wir kommen heute auch gut ohne Mammut und Säbelzahntiger aus." Es sei eine Anmaßung des Menschen, ob sich das Überleben einer Art lohne oder nicht. Aber: "Artenvielfalt ist Lebensqualität." Der Gesang der Nachtigall gehöre dazu. Der Bürger könne viel für die Artenvielfalt tun, findet Grote. Im Garten fange es mit der Grasmischung an, in der Klee, Gänseblümchen oder auch die Braunelle enthalten sind. Es könnten Gehölze gepflanzt werden, die Nektar produzieren, zum Beispiel die gelbblühende Kornelkirsche. Ein wenig Blumenwiese, Hochstaudenfluren aus krautigen Pflanzen und in der Ecke ein Sandbad für die Vögel. "Ein bisschen Unordnung im Garten tut gut", betont Grote. Am Gut Eckendorf mit seinen zum Teil verwinkelten Wirtschaftsgebäuden sind solche Maßnahmen nicht nötig. Die Vogelkundler beobachteten unter anderem Falken und hörten im Park eine Vielzahl von Vogelarten, die sonst kaum wahrzunehmen sind.

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