Leopoldshöhe Für ein friedliches Miteinander

Esther Bejarano tritt mit Sohn Joram und Rapper Kutlu Yurtseven auf

VON SIBYLLE KEMNA
Esther Bejerano, die Auschwitz überlebt hat. - © FOTO: SIBYLLE KEMNA
Esther Bejerano, die Auschwitz überlebt hat. | © FOTO: SIBYLLE KEMNA

Leopoldshöhe. Die Musik hat ihr in Auschwitz das Leben gerettet, jetzt steht sie mit 89 Jahren auf der Bühne und singt gegen Faschismus, Krieg, Ausländerfeindlichkeit und Gleichgültigkeit: Esther Bejarano.

Mehr als 60 Westlipper erlebten am Freitag in der Aula der Leopoldshöher Gesamtschule einen bewegenden Abend, als die alte Dame mit ihrem Sohn Joram und Rapper Kutlu Yurtseven eine Mischung aus Hip Hop und jiddischer Folklore sang.

Anfangs wirkte sie fast zerbrechlich, als sie mit den Tränen ringend erklärte, dass es ihr leichter falle, die Erinnerungen an ihre Zeit in den KZs Auschwitz und Ravensbrück vorzulesen, als frei zu erzählen. Gebannt lauschten die Zuhörer, als Esther Bejarano von den Demütigungen, der Folter, dem Hunger und den Krankheiten berichtet, und natürlich von den Morden, dem allgegenwärtigen Tod. "Es gab viele Momente, in denen man gehofft hat, bald tot zu sein." Doch das junge Mädchen aus Saarlouis überlebte, zunächst als Akkordeonspielerin im Mädchenorchester von Auschwitz, dann durch Flucht den Transport nach Ravensbrück. Für den durfte sie sich dank ihrer christlichen Großmutter melden. "Alle fanden, es sei meine Pflicht, rauszukommen, damit ich später erzählen konnte", sagte Bejarano und versicherte: "Man kann das Erlebte nie vergessen."

Dass sie anschließend mit Rapper Kutlu Yurtseven und ihrem Sohn und Gitarristen Joram mit Poesie und Musik ihre Erfahrungen einfließen ließ, gab dem Abend einen großen Zauber. Zu sehen und zu hören, wie der türkischstämmige Rapper und die Auschwitzüberlebende in liebevollem Kontakt ihre Erlebnisse mit Ausgrenzung vereinten, wie sie jiddische Folklore, Partisanenlieder und Raps über Ausländerfeindlichkeit zusammenbrachten, war beeindruckend. Auch wenn etliche der Besucher nie in ein reines Rap- oder HipHop-Konzert gehen würden – diese Mischung gefiel ihnen trotzdem, denn die Musik war überraschend melodiös und die Texte waren packend.

Es wurde in mehreren Sprachen gesungen: Deutsch, Türkisch, Italienisch, Jiddisch, Kölsch, viele Musikrichtungen wurden gespielt – gemeinsam für ein friedliches Miteinander. Gänsehaut erzeugte das Lied "Eins zwei drei", bei der Kutlu Yurtseven und Esther Bejarano den Marsch der Uniformierten, die die Juden aus den Häusern holten und zum Bahnhof brachten, als bedrohlichen Rhythmus skandierten.

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