Spritzen gegen unerwünschtes Grünzeug: Landwirte benutzen heute solche Geräte, um Flüssigkeiten wie Glyphosat auf den Acker zu bringen. - © Thomas Dohna
Spritzen gegen unerwünschtes Grünzeug: Landwirte benutzen heute solche Geräte, um Flüssigkeiten wie Glyphosat auf den Acker zu bringen. | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe Grüne wollen Glyphosat verbannen

Umweltschutz:Die Mitglieder des Leopoldshöher Fachausschusses diskutieren über den Antrag. Ein Landwirt erklärt den Politikern, warum er den sparsamen Einsatz des Herbizides für vertretbar hält.

Thomas Dohna

Leopoldshöhe. Das Totalherbizid Glyphosat ist umstritten, auch bei Landwirten. Die Grünen möchten den Einsatz des Mittels auf Flächen im Eigentum der Gemeinde verbieten. Über einen Antrag ihrer Ratsfraktion wurde im Umweltausschuss der Gemeinde zwar diskutiert, aber noch nicht entschieden – CDU und SPD haben noch Beratungsbedarf. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Vereins Teutoburg, Bernd Hameier, erläuterte in der Sitzung des Ausschusses, wie er und andere Landwirte in Leopoldshöhe das Unkrautvernichtungsmittel einsetzen. Glyphosat ist seit den 1970er Jahren in der Landwirtschaft im Einsatz. Das von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestufte Mittel ist laut Bundesumweltamt bei flächendeckendem Einsatz außerdem für den Rückgang der Artenvielfalt mitverantwortlich. Hameier erklärte im Ausschuss zunächst die verschiedenen Methoden der Bodenbearbeitung. Vor der Aussaat einer neuen Frucht müsse der Boden vorbereitet werden. Dabei gehe es um die Beseitigung der Reste der vorangegangenen Ernte und von Wildkräutern. Maximal drei Liter pro Jahr verwendet Das könne durch Pflügen geschehen. Dabei werde der Boden so umgebrochen, dass keimende Pflanzen unter die Erdoberfläche geraten. Dabei werde der Boden allerdings stark aufgelockert und seines Haltes beraubt. Erosion sei die Folge. Außerdem sei diese Methode sehr viel energieintensiver als die zweite. Die sei das Grubbern. Dabei werden die Pflanzenreste zerkleinert. Organismen im Boden ziehen diese Reste in das Erdreich und verhindern die Erosion. Nachteil sei, dass keimfähige Reste an der Oberfläche bleiben und dann auch aufwachsen. Grubbere man mehrfach, würden die Reste zu klein und der Boden sei gegen Wegschwemmen und Erosion nicht mehr geschützt, erläuterte Hameier. Bei dieser Methode müsse daher Glyphosat eingesetzt werden, um keimfähige Pflanzenreste abzutöten. Er selbst verwende maximal drei Liter dieses Herbizides pro Jahr, um Disteln und Quecken zu bekämpfen, die sonst mühsam und langwierig per Hand ausgestochen werden müssten. Bei vernünftigem flächendeckendem Einsatz würden heute noch drei Milliliter Glyphosat pro Quadratmeter verspritzt, sagte Hameier. Das Mittel baue sich bis zur Aussaat im Boden ab und gelange so nicht in die Pflanzen. Es gebe auch die Methode, kurz vor der Reife Getreide mit Glyphosat zu behandeln, um den Erntezeitpunkt zu beeinflussen. Dabei könne das Mittel aber nicht mehr abgebaut werden. Diese Methode werde vor allem in den USA und anderen Ländern angewendet, stellte Hameier fest. Dort angebautes Getreide werde nach Europa importiert und gelange so in die Lebensmittel. Die Grünen hatten die Verwaltung kritisiert. Sie habe nur Vertreter der Befürworter von Glyphosat eingeladen, Gegner nicht. Dirk Puchert-Blöbaum, der als Leiter des Fachbereiches Bauen auch für die Umweltverwaltung zuständig ist, verteidigte die Verwaltung. Man habe auch die Landwirtschaftskammer angefragt, die immerhin eine neutrale Position einnehmen könnte. Die aber habe abgesagt. Der Antrag der Grünen wird nun in den Fraktionen beraten.

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