Abriss: Agnes Bojahr, Bauleiter Matthias Krieter, Planer und Investor Masoud Saadat, Projektleiter Mirco Greitemeier und Herbert Bojahr stehen vor dem Fillies-Turm, an dessen oberster Dachrinne der Abbruchbagger nagt. - © Thomas Dohna
Abriss: Agnes Bojahr, Bauleiter Matthias Krieter, Planer und Investor Masoud Saadat, Projektleiter Mirco Greitemeier und Herbert Bojahr stehen vor dem Fillies-Turm, an dessen oberster Dachrinne der Abbruchbagger nagt. | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe Der Fillies-Turm fällt

Abriss: An dem markanten Gebäude in Bechterdissen hat der Abbruchbagger sein zerstörerisches Werk begonnen. Nach 60 Jahren verschwindet der letzte Rest des Möbelunternehmens aus dem Ortsbild

Thomas Dohna

Leopoldshöhe. Es ist ein besonders großer Bagger, den das Abbruchunternehmen Hagedorn auf das Fillies-Gelände in Bechterdissen schaffen ließ: Mit seiner Hilfe wird der seit 1958 den Ortsteil prägende Turm des ehemaligen Möbelhauses abgerissen. Auf dem Gelände sollen moderne Stadtvillen entstehen. Der Turm ist das letzte Stück der gesamten Unternehmensanlage. Die Halle und das Wohnhaus sind schon verschwunden und liegen als Schuttberge auf dem Gelände. 1914 gründete Friedrich-Wilhelm Fillies das Unternehmen als Tischlerei. Sein Sohn, der wie der Vater hieß, baute das Unternehmen zu einer Möbelhandlung aus. 1958 weihte die Familie das Café im Turm ein. Viele Betriebsfeiern habe es dort gegeben, erinnert sich Herbert Bojahr. Er hatte die Tochter Friedrich-Wilhelm Fillies‘ des Jüngeren geheiratet. Zuletzt war der Turm an eine Malschule vermietet. „Man hatte vom Turm aus eine Sicht bis zum Hermannsdenkmal in Detmold und bis zum Wiehengebirge", sagt Bojahr. 2003 schloss Möbel-Fillies für immer die Tore. Bojahr suchte lange einen Käufer für das Gelände. Zwischenzeitlich interessierte sich die Mennoniten-Gemeinde für das Gelände als Standort für ein Altenheim. Der Kreis Lippe bewertete das Grundstück aber als nicht zentral genug. Nun bauen die Mennoniten ihr Wohnheim mit Zustimmung des Kreises deutlich weiter vom Zentrum Asemissens entfernt an der Nordgrenze des Ortsteils. 2013 fand Bojahr im Dolphin-Trust einen Käufer. Der beauftragte ein Planungsbüro mit der Gestaltung des Geländes. Nach längerem Hin und Her, bei dem es vor allem um die Höhe der geplanten Gebäude ging, beschloss der Gemeinderat einen Bebauungsplan. Sechs Stadtvillen und 15 Reihenhäuser mit zusammen 48 Wohnungen dürfen dort entstehen. Architekt Masoud Saadat vom Büro Europaplan war von Anfang an der Planung beteiligt. Im Sommer 2015 sollten nach zweijähriger Bauzeit die ersten Bewohner einziehen. Doch der Bau verzögerte sich. Schließlich übernahm Saadat das Projekt vom Dolphin-Trust und trieb es voran. Kreis schlägt engere Fahrbahn vor Zuletzt sorgten Bedenken der Anwohner über zukünftige Verkehrsbelastungen für Aufregung. Sie befürchten eine Verschärfung der Verkehrssituation an der Einmündung des Grenzweges auf die Heeper Straße, an der das Baugebiet liegt. Gegenüber der Einmündung soll auch die Einfahrt zum Gelände gebaut werden. Die CDU beantragte im Rat, einen Kreisverkehr einzurichten. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung habe der Kreis auf Kosten und Größe des Kreisels hingewiesen: 35 Meter im Durchmesser, 500.000 Euro geschätzte Kosten. Die seien nicht eingeplant, weswegen der Kreis stattdessen eine Fahrbahnverengung in Höhe des Zebrastreifens vorschlägt. Den Initiator des Kreiselantrages, Michael Berg, ficht das nicht an: „Wir bleiben dran."

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