Neue im Vorstand: Abseits der großen Politik wurden in der Jahreshauptversammlung der SPD Greste auch profane Dinge abgehandelt. So wurde Sven Küvert (l.) zum neuen Schriftführer des Ortsvereins gewählt. Vorsitzender Stefan Elges gratuliert. - © Thomas Dohna
Neue im Vorstand: Abseits der großen Politik wurden in der Jahreshauptversammlung der SPD Greste auch profane Dinge abgehandelt. So wurde Sven Küvert (l.) zum neuen Schriftführer des Ortsvereins gewählt. Vorsitzender Stefan Elges gratuliert. | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe SPD probt GroKo-Abstimmung

Zwei Leopoldshöher Ortsvereine diskutieren, ob ihre Partei mit der CDU regieren soll

Thomas Dohna

Leopoldshöhe. Der Bauch sagt nein, der Verstand ja. So können die Diskussionen in zwei Leopoldshöher SPD-Ortsvereinen zur möglichen großen Koalition zwischen CDU/CSU und SPD im Bund zusammengefasst werden. Zumindest in Greste ist die Stimmung unter den Genossen aber klar für ein Bündnis mit der CDU, wie eine Probeabstimmung ergab. Viele Parteimitglieder sehen in beiden Möglichkeiten – Opposition der Koalition – erhebliche Risiken für die Sozialdemokratische Partei. Am heutigen Freitag endet der Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag. Stefan Elges, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Greste, hatte die Idee, noch vor der Diskussion in der Jahreshauptversammlung über den Koalitionsvertrag abzustimmen. Er ließ aber erst nach der Diskussion auszählen. »Dämpfer oder Genickschuss?« Kritik an den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen kam als erstes auf. In dem Vertrag stehe zu oft „Wir wollen". Vieles sei schon im Vertrag der vergangenen GroKo zu finden gewesen – und schlecht von der Partei verkauft worden. Andere stellten fest, dass viele sozialdemokratische Positionen im Vertrag festgehalten seien. Schnell drehte sich die Diskussion ins Grundsätzliche. „Die Frage ist doch, bekäme die SPD bei Neuwahlen einen weiteren Dämpfer oder gleich den Genickschuss?", fragte einer der Genossen. Ein Anderer sah die Partei noch längst nicht in der Regierung. Ein Dritter stellte die Frage, was bei einem Scheitern der Groko mit der Partei geschehen würde. „Dann zerfleischen wir uns selbst", lautete eine Antwort. Ein Genosse fühlte sich vom bisherigen Parteivorsitzenden Martin Schulz hintergangen ob dessen häufiger Meinungswechsel. Einig waren sich die Genossen, dass die Partei eine Erneuerung vor allem von unten brauche. Die Mitglieder müssten sich mehr um die Menschen in den Wahlbezirken kümmern. Ganz ähnlich war die Stimmung im SPD-Ortsverein Nord. „Egal wie die Abstimmung ausgeht, die Partei muss sich neu orientieren, sie sollte in einer GroKo eintreten, um Zeit zu gewinnen", hieß es. Bei der Erneuerung der SPD fehle es an historischem Bewusstsein – und an Führungspersönlichkeiten wie Willy Brandt. Die SPD habe damals Dynamik verkörpert, im Gegensatz zu heute. Als Stefan Elges in Greste schließlich die Wahlurne öffnete und die Stimmzettel auszählen ließ, war die Überraschung bei den Mitgliedern angesichts der kritischen Diskussion groß: Mehr als zwei Drittel hatten für die große Koalition gestimmt.

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