Steinzeitmenschen: Zurück in die Höhle angesichts von mehr als 2.000 Bauvorschriften wünschen sich die Mindener Stichlinge (v.l.) Frank Oesterwinter, Rolf Berkenbrink, Kirsten Gerlhof und Annika Hus, doch in Leopoldshöhe sind alle Höhlen vergeben. - © Sibylle Kemna
Steinzeitmenschen: Zurück in die Höhle angesichts von mehr als 2.000 Bauvorschriften wünschen sich die Mindener Stichlinge (v.l.) Frank Oesterwinter, Rolf Berkenbrink, Kirsten Gerlhof und Annika Hus, doch in Leopoldshöhe sind alle Höhlen vergeben. | © Sibylle Kemna

Leopoldshöhe Kabarett - SPD-Karosse von Basis getrennt

Mindener Stichlinge: Das neue Programm „Früher war alles aus Holz“ kommt gut an bei den Zuschauern in der Aula der Gesamtschule

Sibylle Kemna

Leopoldshöhe. Viel Anklang finden am Mittwochabend die „Mindener Stichlinge“ in der Aula der Gesamtschule Leopoldshöhe mit ihrem Programm „Früher war alles aus Holz“, das wie gewohnt aktuelle Probleme und Entwicklungen aufspießt, sodass den Zuschauern zuweilen das Lachen im Halse stecken bleibt. Mit der Keule in der Hand, zotteliger Perücke und Fellkleidung kommen die Mindener Stichlinge auf die Bühne und finden eher zurückhaltende Zustimmung bei der Aussage: „Früher war alles besser, oder?“ Na, auf die Jasager haben die Amateurkabarettisten natürlich nur gewartet, denn die Aufzählung, was denn da besser war, sorgte gleich für Lacher: „Da hatten wir noch das Notopfer Berlin und nicht den Solidarzuschlag“ oder „Bayern war nicht immer Meister“, zum Beispiel.Verträgt ein Veganer Fleischtomaten? Denn natürlich geht es den Stichlingen keineswegs um die Verherrlichung der Vergangenheit, sie spießen diese ebenso gekonnt auf, wie brandaktuelle politische Themen wie die Groko. Aber sie stellen auch banale Fragen: Verträgt ein Veganer Fleischtomaten? Wird es bald einen Friedhof für Nichtraucher geben? Schöner wohnen wollen auf jeden Fall Rolf Berkenbrink und Frank Oesterwinter und sie haben da an was ganz Rustikales gedacht: eine Höhle. Doch „in Leopoldshöhe sind alle Höhlen besetzt“, erklärt Kirsten Gerlhof ihnen bedauernd und macht klar, dass so eine Höhle ja sowieso nicht mehr den neusten Bauvorschriften entspricht: „Nur ein Eingang, kein Fluchtweg“. Kirsten Gerlhof sorgt immer wieder für Höhepunkte im teilweise sehr kopflastigen Programm, so als sie als Andrea Nahles mit dem roten Bobby Car, das für die SPD steht, zum TÜV-Prüfer (Berkenbrink) kommt. „Karosse von der Basis getrennt“, konstatiert dieser, „braucht dringend neue Zündkerzen“ und „Radkappen voller Grünspan.“ Viel Lacher erntet Gerlhof auch als Lehrerin eines Sprachkurses für Integrationswillige, in dem sie den Teilnehmern, also den Zuschauern, vermeintlich leichte Fragen stellt. Aber es ist immer etwas anderes falsch an den grammatikalisch falschen Sätzen über die typische deutsche Familie – ein Kracher. Angela Merkel ist Gerlhofs Paraderolle – dieses Mal verkündet sie mit Lederjacke, Sonnenbrille und Motorroller lautstark singend: „Ich bin dann mal weg.“Sie spielen Politiker, die sich die Ohren zuhalten, wenn der Wähler spricht „Auf zur großen Kollision“ singen die vier (mit Annika Hus) und sehen die „große Konfusion“ voraus, spielen Politiker, die sich die Ohren zuhalten, als der Wähler ihnen seine Ängste mitteilen will, stellen die Politiker als Frösche vor (mit breitem Maul, ausschließlichem Interesse an Mücken und sagen immer nur Qua(r)k) und spießen die Probleme in der EU mit ihrer Bürokratie und dem anstehenden Brexit auf – mal mehr, mal weniger lustig.

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