Sucht Mitstreiter: Inge Dornfeldt vom Runden Tisch Asyl. - © Christine Reuner
Sucht Mitstreiter: Inge Dornfeldt vom Runden Tisch Asyl. | © Christine Reuner

Leopoldshöhe Runder Tisch Asyl benötigt Helfer

Interview: Inge Dornfeldt vom Runden Tisch Asyl

Christine Reuner

Leopoldshöhe. Auch wenn die Zahl der Geflüchteten nach Europa rückläufig ist, zwingen Kriege und politische Verfolgung weiterhin eine Vielzahl von Menschen, ihre Heimat zu verlassen. Um ihre erfolgreiche Arbeit zur Integration von Geflüchteten in der Gemeinde Leopoldshöhe fortführen zu können, benötigen die ehrenamtlichen Helfer Verstärkung. Zu den Gründen äußert sich Inge Dornfeldt vom Runden Tisch Asyl. Frau Dornfeldt, warum brauchen die Ehrenamtlichen vom Runden Tisch Asyl jetzt weitere Unterstützung? Inge Dornfeldt: Auf viele der ehrenamtlich engagierten Bürger kommen mit der Zeit andere Aufgaben als die Flüchtlingsbetreuung zu. Manche, gerade Ältere, erfahren körperliche Einschränkungen, so dass die Zahl der Freiwilligen auf natürliche Weise zurückgeht. Dabei sind Flüchtlingsbegleiter aus der Bevölkerung im Sinn gelingender Integration von großer Bedeutung. In welcher Weise können Ehrenamtliche Geflüchteten das „Ankommen" in Leopoldshöhe erleichtern? Dornfeldt: Es geht darum, anerkannten Geflüchteten in ihrem Alltag zu helfen. Denn sobald sie als Geflüchtete anerkannt sind, ist nicht länger das Sozialamt mangels personeller Ressourcen, sondern das Jobcenter mit seiner hohen Kundenfrequenz zuständig. Hier können Ehrenamtliche helfen, beispielsweise mit Fahrten zu Ärzten oder Ämtern. Sofern Bürger Geflüchteten bei ihren ersten Schritten in Deutschland Hilfestellung leisten möchten, können sie Kontakt zu Kindergärten oder Schulen aufnehmen, sich aber auch an die Initiative „Runder Tisch Asyl" wenden. Hier erhalten Interessierte einen Überblick, wie und wo sie sich einbringen können. Die erfahrenen Ehrenamtlichen stehen neuen Helfern dann bei Fragen kompetent zur Seite. Welche Voraussetzungen sollten Interessierte erfüllen? Dornfeldt: Offenheit und Interesse an Menschen und ihrer Geschichte sind unverzichtbar. Im Umgang mit Geflüchteten bietet sich die Chance, eigene Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen. Zivilcourage, vorgefassten Meinungen Dritter zu begegnen, ist ebenfalls wichtig. Im Gegenzug bekommen Ehrenamtliche viel zurück, wie Dankbarkeit und die Freude daran, zu erleben, wie anfangs Fremde mit der Zeit hier heimisch, manchmal sogar Freunde, werden. Ich appelliere an meine ehemaligen Lehrer-Kollegen, sich für Nachhilfe bei Schülern, die von Integrations- in Regelklassen wechseln, zur Verfügung zu stellen. Sie werden für die Fächer Mathe und Englisch dringend benötigt! Können Geflüchtete, die hier bereits gut integriert sind, neu angekommenen Landsleuten helfen? Dornfeldt: Selbstverständlich tun sie das – soweit es in ihren Kräften steht. Jedoch müssen wir bedenken, dass die schon länger in Deutschland ansässigen Geflüchteten eifrig Sprachkurse besuchen, sich in Praktika beruflich orientieren, eine Ausbildung absolvieren oder berufstätig sind. Auch ihre Kinder benötigen besondere Aufmerksamkeit, sich im ungewohnten Umfeld mit anderer Kultur zurecht zu finden.Die Fragen stellte Mitarbeiterin Christine Reuner

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