Bildung ist das Thema: SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Jahn (v.l.), Landrat Axel Lehmann, Petra Heider (Volkshochschule Lippe-West) und Professor Martin Hoffmann sind auf Einladung des SPD-Gemeindeverbandsvorsitzenden Nils Goedeke gekommen. Foto: Thomas Dohna - © Thomas Dohna
Bildung ist das Thema: SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Jahn (v.l.), Landrat Axel Lehmann, Petra Heider (Volkshochschule Lippe-West) und Professor Martin Hoffmann sind auf Einladung des SPD-Gemeindeverbandsvorsitzenden Nils Goedeke gekommen. Foto: Thomas Dohna | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe SPD spricht über Bildung

Neujahrsempfang: Gastredner Professor Martin Hoffmann glaubt, dass Bildungsgerechtigkeit eine große Herausforderung bleibt

Thomas Dohna

Leopoldshöhe. Kaum waren die Arbeiter gebildet, wurden sie zur politischen Kraft. Vor diesem Hintergrund hatte der SPD-Gemeindeverband Leopoldshöhe zu seinem Neujahrsempfang geladen. Thema waren die außerschulische Bildung und -weiterbildung. Die Versuche zur Regierungsbildung in Berlin waren kein öffentliches Thema. Die Bildung der Arbeiter war im 19. Jahrhundert nicht nur ein Thema der Arbeiterbewegung. Die Menschen an den Maschinen mussten lesen und schreiben können, um die Maschinen bedienen zu können. Daran hatten auch die Arbeitgeber Interesse, der Staat verschärfte die Schulpflicht. Bildung war der Vorwand, den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) zu gründen, aus dem die SPD hervorging. Bildung gehört damit zu den Kernthemen der SPD.Investitionen in die Schulen Der neue Gemeindeverbandsvorsitzende Nils Goedeke hatte dazu als Referenten Petra Heider, stellvertretene Direktorin des Volkshochschule Lippe-West, und Professor Martin Hoffmann eingeladen. „Ein Megathema“ sei die Bildung, sagte Leopoldshöhes Bürgermeister Gerhard Schemmel in seinem Grußwort, auch im Gemeinderat. Die Frage sei, wie die junge Generation fit für die Zukunft gemacht werden könne. Etliche Millionen Euro habe die Gemeinde in die Schulen investiert. Die neu aufgenommene Schulentwicklungsplanung zeigte, „dass es erforderlich ist, noch weitere, erhebliche Investitionen vorzunehmen“. Dabei gehe es auch um den Trend zur Digitalisierung. „Nicht nur in den Klassenräumen, auch für Arbeitsgemeinschaften und Kleingruppen müssen die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden“, sagte Schemmel. Die Volkshochschule Lippe-West komme einem gesetzlichen Auftrag nach, sagte deren stellvertretende Direktorin Petra Heider. Sie verwies auf die Angebote zur Weiterbildung und stellte das aktuelle Programmheft mit seinen 720 Kursen vor. Darunter finden sich auch online nutzbare Angebote. Die VHS organisiert für die Gemeinde Offene Ganztagsgruppen für die Grundschulen (OGS), die Randstundenbetreuung der Grundschulen und die Deutschkurse für Ausländer. In den OGS betreuen 35 Mitarbeiter 346 Kinder.Geld macht den Unterschied Martin Hoffmann ist ein Beispiel für eine gelungene Bildungskarriere. Der Leopoldshöher war hier im Kindergarten, besuchte die Grundschule Nord und legte sein Abitur an einem Bad Salzufler Gymnasium ab. Er studierte und promovierte in Hannover und wurde zum Professor an den Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld berufen. Er ist Mitgründer eines Leopoldshöher Softwareunternehmens. Eine solche Karriere sei nicht selbstverständlich, stellte Hoffmann fest. Statistiken zeigten, dass ein Kind aus einer Akademikerfamilie im Vergleich zu einem Kind aus einer Facharbeiterfamilie eine vierfach so große Chance habe, einen Universitätsabschluss zu erwerben. Vor allem finanzielle Gründe hinderten die Studierenden, ihr Studium in der vorgesehenen Zeit abzuschließen. Oft würde dadurch der Druck aus dem gesellschaftlichem Umfeld noch erhöht. So führe diese Spirale manchmal zum Abbruch des Studiums. „Wir können und dürfen es nicht den finanziell besser gestellten Elternhäusern überlassen, die Akademiker von morgen zu stellen“, sagte Hoffmann, da doch an die Durchlässigkeit der Gesellschaft geglaubt werde. Misserfolge wie schlechte Noten formten den Charakter in positiver Weise. Dabei sei es wichtig, die Studierenden nicht noch zu kritisieren, sondern zum Durchhalten zu ermuntern. Hoffmann verwies auch auf den notwendigen Rückhalt in der Familie. Auch da sei zu beobachten, dass Studierende aus Arbeiterfamilien eher zum Abbruch des Studiums neigten. „Bildungsgerechtigkeit ist bleibt eine große Herausforderung.“

realisiert durch evolver group