Unentbehrliches Werkzeug: Die Leopoldshöher Schiedsfrau Marieluise Janny nimmt zu Außenterminen immer ihren Zollstock mit. Meist geht es um Streitigkeiten zwischen Nachbarn, zum Beispiel wegen einer üppig wuchernden Hecke. Foto: Thomas Dohna - © Thomas Dohna
Unentbehrliches Werkzeug: Die Leopoldshöher Schiedsfrau Marieluise Janny nimmt zu Außenterminen immer ihren Zollstock mit. Meist geht es um Streitigkeiten zwischen Nachbarn, zum Beispiel wegen einer üppig wuchernden Hecke. Foto: Thomas Dohna | © Thomas Dohna

Leopoldshöhe Der Zollstock ist das Maß aller Hecken

Schiedsfrau: Marieluise Janny ist seit einem Jahr in Leopoldshöhe im Amt. Ihr wichtigstes Werkzeug ist der Mess-Stab

Thomas Dohna

Leopoldshöhe. Das sei eine friedliche Ecke, hier in Leopoldshöhe, sagt Marieluise Janny. Sie ist seit einem Jahr Schiedsfrau der Gemeinde. In diesem ersten Jahr sei es ausschließlich um Hecken gegangen. „Das waren meistens Tür-und-Angel-Fälle“, sagt sie. Schiedsfrau oder Schiedsmann zu sein, ist ein echtes Ehrenamt. Der Rat einer Gemeinde wählt die Person, das Amtsgericht verpflichtet und beaufsichtigt sie. Sie ist also öffentlich bestellt, bekommt bis auf eine geringe Aufwandsentschädigung aber kein Geld für ihre Tätigkeit. Und ihr Handeln hat echte rechtliche Folgen für andere, nämlich für die, die sich an die Schiedsperson wenden oder wenden müssen. „Die Leute sind an die geschlossenen Vergleiche 30 Jahre gebunden“, sagt Janny. Sie hat sich nach einem Aufruf der Gemeinde zum Schiedsamt gemeldet. Der Rat wählte sie, ihr Vorgänger Wolfgang Glauer machte sie mit dem Amt vertraut. „Als er in unseren Garten kam, hat er gleich gesagt, was alles eigentlich nicht geht“, erinnert sich Janny mit einem Schmunzeln. Wer Wolfgang Glauer kennt, ahnt, dass das ein unterhaltsames Gespräch gewesen sein muss. Eines, was in Jannys Garten nicht passt, sind die Hecken. „Wir haben uns gleich am Anfang mit unseren Nachbarn geeinigt“, sagt Janny . Jeder könne das, was auf sein Grundstück vom anderen übersteht, beschneiden. Diese Einigung habe es bei den Streitfällen, bei denen sie in diesem Jahr tätig war, nicht gegeben. Da hätten Nachbarn jahrzehntelang nebeneinander gelebt, der eine habe sich über den anderen geärgert, ihn aber nie angesprochen – bis die Sache dann zu Janny kam. „Das ist ganz erstaunlich. Sobald ich da bin, können die Leute miteinander reden und finden dann auch eine Lösung – oft nach Jahrzehnten des Streits“, wundert die 65-Jährige sich ein bisschen. Gewöhnlich rufe einer der beiden Nachbarn bei ihr an. „Ich fahre dann raus und treffe mich mit den beiden Streitenden“, erläutert sie. Wichtigstes Werkzeug ist ihr Zollstock, mit dessen Hilfe sie zeigen kann, wie hoch die Hecke sein könne. Oft einigen sich die Nachbarn dann. „Das sind die Tür-und-Angel-Fälle“, erläutert Jenny.„Die Leute sind an die geschlossenen Vergleiche 30 Jahre gebunden“ Manchmal muss sie die Streitenden aber auch ins Rathaus bitten. Dort, im Trauzimmer, findet dann die Verhandlung statt. Janny darf zwar Vorschläge zur Einigung machen, aber kein Urteil fällen. „Die Aufgabe der Schiedsperson hat mehr mit der eines Mediators zu tun“, sagt sie. Es gehe darum, die Streitenden zu einer einvernehmlichen Lösung zu führen. Die wird protokolliert. An die Ergebnisse sind beide Seiten gebunden. Sollte sich der Antragsgegner allerdings nicht an den Kompromiss halten, darf der Antragsteller ihn vor einem ordentlichen Gericht verklagen. Viel Zeit hat Janny auf die Rechtsgrundlagen rund um das Schiedsamt verwendet. Fortbildungen gehören dazu. Dort trifft sie Schiedsleute aus anderen Gemeinden, die manchmal von deutlich unfriedlicheren Verhältnissen berichten. Janny hat bisher nur Auseinandersetzungen um Hecken schlichten müssen. Einfache Körperverletzungen, Hausfriedensbruch oder Beleidigungen hat sie noch nicht verhandeln müssen. „Die Leopoldshöher sind eben friedlich.“

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