Anke Schäferkordt, noch bis April Co-CEO der RTL Group. - © Bertelsmann SE & Co. KGaA
Anke Schäferkordt, noch bis April Co-CEO der RTL Group. | © Bertelsmann SE & Co. KGaA

Gütersloh Bertelsmann-Vorstand Anke Schäferkordt verlässt Chefetage der RTL-Group

Gebürtige Lemgoerin will sich auf die Führung von RTL Deutschland und Bertelsmann konzentrieren

Stefan Schelp

Gütersloh. Diesen Coup hätten auch die RTL-Action-Profis kaum besser inszenieren können: Einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz, ausgerechnet am Weltfrauentag, verkündet Anke Schäferkordt, dass sie nicht länger Vorstandsvorsitzende der RTL-Gruppe sein will. Ab dem 19. April ist die geborene Lemgoerin dann „nur" noch Vorstandschefin von RTL Deutschland. Ihren Sitz im Vorstand der Bertelsmann-Muttergesellschaft Bertelsmann SE will die 54-Jährige aber ebenso behalten wie ihre Position in Bertelsmanns Group Management Committee. Sie gebe den Gruppen-Vorstandsvorsitz, den sie sich seit 2012 mit ihrem Co-Vorstandsvorsitzenden Guillaume de Posch geteilt hatte, auf eigenen Wunsch auf, versichert Schäferkordt. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mich auf den weiteren Ausbau unserer TV- und Digitalgeschäfte in Deutschland sowie auf die strategische Weiterentwicklung von Bertelsmann zu konzentrieren." Vorzeitige Vertragsverlängerung bis Ende 2019 Aus ihrer Sicht sei es keine Überraschung, „dass eine solche Konstellation – mit zwei CEO-Positionen und einem weiteren Vorstandsmandat – natürlich zeitlich begrenzt ist", sagt sie. „Fünf Jahre sind in dieser Hinsicht sogar eine ausgesprochen lange Zeit." Sie freue sich nun auf „die weitere exzellente Zusammenarbeit mit dem eingespielten Management-Team der RTL Group." Diese Freude dürfte noch etwas länger anhalten. Denn als Bekenntnis zur Managerin hat der Konzern den Vertrag mit Schäferkordt vorzeitig bis Ende 2019 verlängert. Schon seit 25 Jahren hält Schäferkordt der Gruppe die Treue. „Ich bin selten auf die Idee gekommen, etwas anderes zu machen." Thomas Rabe, Bertelsmann-Chef und Vorsitzender des Verwaltungsrates der RTL Gruppe, dankte Schäferkordt für ihre Arbeit für die Sendergruppe. „Ich bedauere, aber respektiere die Entscheidung von Anke Schäferkordt uneingeschränkt", versichert er. Angebote, die auf spezielle Zielgruppen zugeschnitten sind Nachfolger an der Spitze der RTL-Gruppe wird im April Bert Habets, derzeit Chef der niederländischen Tochter des Konzerns. Darüber hinaus soll Habets als Executive Director Mitglied des Verwaltungsrates (Board of Directors) der RTL Group werden. Seine Position als Chef von RTL Nederland soll er zunächst beibehalten; ein Nachfolger will das Unternehmen bis Ende 2017 berufen. Schäferkordt hatte sich in ihrer Zeit an der RTL-Spitze bemüht, auf die Fragmentierung des Fernsehmarktes mit der Anpassung des eigenen Angebots zu reagieren. Die eigenen Sendermarken erweiterte sie um Angebote, die auf spezielle Zielgruppen zugeschnitten sind. Schäferkordt trieb das Digitalgeschäft mit Multichannel Networks voran. Networks, wie beispielsweise die Youtube-Community Stylehaul, weisen hohe Wachstumsraten aus, heftig diskutiert wird allerdings, wie dauerhaft dieses Wachstum ist. Längst ist RTL Europas Marktführer bei Onlinevideos. 20 Milliarden Aufrufe pro Monat zählt RTL. Schon weil Bertelsmann-Chef Rabe ein ausgewiesener Fan jeglicher Digitalisierung ist, hatte Schäferkordt stets Rückhalt im Medienkonzern. Das um so mehr, da RTL und insbesondere RTL Deutschland stets als Cash-Cow des Konzerns galten. 2015 hatte RTL einen Rekordumsatz von 6,03 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro erzielt. Auch für das kommende Jahr peilt das Unternehmen weiteres Wachstum an. Klicken Sie sich durch die Chronik des Bertelsmann-Konzerns:

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