Lemgo Stalker aus Lemgo wollte 23-Jähriger die Augen ausstechen

Mann (55) verfolgt im Liebeswahn Verkäuferin / Prozess ans Landgericht verwiesen

Lemgo. Nach mehr als fünf Stunden Verhandlung gegen einen Lemgoer Stalker blieb ein Urteil aus. Das Lemgoer Amtsgericht verwies den Fall zwecks Klärung einer möglichen Unterbringung in der Psychiatrie ans Detmolder Landgericht. Der Tathergang war im Prinzip geklärt. Demnach hatte der 55-jährige Lemgoer am 17. Mai 2013 eine junge Frau, der er damals seit etwa drei Monaten nachgestellt hatte, auf dem Parkplatz zweier Lemgoer Verbrauchermärkte in deren Auto angegriffen. Unter Tränen schilderte die 23-Jährige, wie die Nachstellungen des Mannes zunächst in einem Detmolder Erotikmarkt, bei dem sie für kurze Zeit als Verkäuferin tätig war, begonnen hatten. Der Mann habe sich immer mehr in seinen Liebeswahn gesteigert. Selbst vor Besuchen bei ihren Eltern sei er nicht zurückgeschreckt.Autoscheibe zertrümmert Hausverbot und einstweilige Verfügung hatten den Stalker nicht von seinen Nachstellungen, nun auch am neuen Arbeitsplatz der Frau, einem Lemgoer Verbrauchermarkt, abgehalten. Auf dem Parkplatz hatte er sich der Frau wieder genähert. Er wolle ihr einen Brief übergeben, habe er gesagt. Sie entgegnete, dass sie den nicht haben wolle und wählte auf dem Handy die 110. "Ich kam nur noch dazu, meinen Namen zu sagen", schilderte die Frau. Dann habe der Mann die Fensterscheibe ihres Fahrzeugs zertrümmert und ihr immer wieder mit den Fingern nach den Augen gestochen. Erschütternd für alle im Saal, den Mitschnitt des weiterlaufenden Notrufes drei Mal anzuhören. Eine in Todesangst schreiende Frau und der Ausruf des Angreifers – "ich stech‘ Dir die Augen aus" – sind im Kampfgetümmel deutlich zu vernehmen. Das deckt sich auch mit den Aussagen von acht Zeugen, die der Frau auf dem Parkplatz couragiert zu Hilfe geeilt waren. Während ein Zeuge seine Einschätzung, der Angeklagte habe genau gewusst was er tat, auch dadurch belegt sah, dass dieser sich an einem Busch die Blut verschmierten Hände abwischte, beschrieben andere den Mann "wie von Sinnen". Nicht zuletzt aufgrund dieser Aussagen kam Gutachter Dr. Hans Baiker dazu, der Angeklagte, der unter einer narzistischen Persönlichkeitsstörung mit paranoiden Anteilen leide, sei während des Tatgeschehens schuldunfähig gewesen. Zuvor hatte er ihm nur verminderte Schuldfähigkeit attestiert.Gericht sieht Widersprüche Staatsanwältin Stefanie Kern sah Widersprüche in dem Gutachten und beantragte ein zusätzliches Gutachten und den Verweis des Verfahrens an das Landgericht. Die Widersprüche, die sowohl Nebenklagevertreter Dr. André Pott als letztlich auch das Gericht sah, bestünden unter anderem darin, dass Dr. Baiker einerseits nur geringe Wiederholungsgefahr sah, zum anderen dem Angeklagten eine geringe Einsichtsfähigkeit in sein Fehlverhalten attestierte. Auf Nachfrage von Richter Lutz-Michael Luis Langer bestätigte Dr. Baiker, dies mache eine Wiederholung eher wahrscheinlicher. Rechtsanwalt Georg Schulze sah keine Widersprüche im Gutachten. Seiner Meinung nach war der Neurologe in seinem mündlichen Gutachten in der Hauptverhandlung nur zu einer veränderten Schlussfolgerung gegenüber dem vorläufigen schriftlichen Gutachten gekommen. "Die Sache ist entscheidungsreif", sprach sich Schulze klar für ein Urteil zum jetzigen Zeitpunkt aus.

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