Blick in den Nachthimmel: Jochen Dörr leitet die Sternwarte der Hochschule OWL. - © Carolin Nieder-Entgelmeier
Blick in den Nachthimmel: Jochen Dörr leitet die Sternwarte der Hochschule OWL. | © Carolin Nieder-Entgelmeier

Lemgo Der Maschinenbauer mit der Professur für Sterne

Der Maschinenbauer Jochen Dörr lehrt und forscht an der Hochschule OWL und leitet nebenbei die Sternwarte. Jeden Monat lädt der 49-Jährige für einen Vortrag in die Kuppel der Fachhochschule ein

Carolin Nieder-Entgelmeier

Lemgo. Tagsüber im Hörsaal und nachts in der Sternwarte: Jochen Dörr ist Maschinenbauer und Astronom und hat deshalb zwei Arbeitsplätze in der Hochschule OWL. Der Professor mit den zwei großen Leidenschaften lehrt und forscht seit 2015 in Lemgo und leitet nebenbei die Sternwarte, in die die Fachhochschule gerade kräftig investiert hat. Dörr öffnet die Sternwarte jeden Monat für Besucher. Mit seinen Vorträgen begeistert der 49-Jährige mittlerweile ein breites Publikum für die Astronomie.

Über die Vermessung des Weltalls, Gefahren aus dem All, Unterschiede zwischen Astronomie und Astrologie und mögliche Einflüsse der Gestirne auf das Leben spricht Dörr in seinen Vorträgen ebenso wie über Phänomene wie den Stern von Bethlehem.

Wissenschaftlich nährt sich Dörr kurz vor Weihnachten der Himmelserscheinung, die die Heiligen Drei Könige zum Geburtsort von Jesus Christus in Bethlehem geführt haben soll. „Bei dem Stern von Bethlehem haben viele Menschen Bilder eines Kometen mit einem langen Schweif vor Augen. In Frage kommen aber auch Nova, Supernova oder komplexe Planetenkonstellationen", erklärt Dörr.

Rätselhaftes Phänomen

In seinem Vortrag erklärt der gebürtige Hesse die potenziellen Objekte und Erscheinungen, die der Stern von Bethlehem gewesen sein könnten. So schafft es Dörr, trotz vieler offener Fragen und Unstimmigkeiten, die in den Beschreibungen der Himmelserscheinung in den Evangelien aufkommen, das rätselhafte Phänomen seinem Publikum nahe zu bringen.

Der Astronom klärt auch darüber auf, dass Astronomen nicht selbst durch das Teleskop blicken, weil diese Aufgabe längst Spezialkameras übernommen haben, dass die Sonne nur ein durschnittlicher Stern ist, dass wir in OWL immer dieselbe Seite des Mondes sehen und dass der Polarstern gar kein spezieller Stern ist, sondern viel mehr eine Bezeichnung für eine bestimmte Sternenposition, da der Polarstern alle paar Tausend Jahre wechselt. „In meinen Vorträgen steckt viel Arbeit, aber ich investiere die Zeit gern, weil ich merke, dass das Interesse an der Arbeit in der Sternwarte Lemgo dadurch steigt", erklärt Dörr.

Treibende Kräfte für den Bau der Sternwarte auf dem Dach der Hochschule OWL in Lemgo waren der ehemalige Baudirektor der staatlichen Ingenieurschule, Waldemar Reinecke, und der ehemalige Lemgoer Bürgermeister Helmut Krüger. Mit persönlichem Einsatz und der Sammlung von 20.000 D-Mark ermöglichten sie, dass anstelle eines geplanten Betonquaders auf dem Dach der Hochschule ein runder Kranz gebaut wurde – der Grundstein für die Sternwarte. Im November 1972 war es dann soweit, ein Kran hob die erste Kuppel auf das Fundament.

Andere Fachbereiche profitieren

„Seitdem hat die Hochschule weiter kräftig investiert, damit die Technik auf dem neusten Stand ist", erklärt Dörr. Seit Herbst 2016 hat die Hochschule 80.000 Euro in eine neue Kuppel, 30.000 Euro in ein neues Teleskop und 10.000 Euro in eine neue Kamera investiert. Und das, obwohl die Hochschule Astronomie nicht als Studienfach anbietet. „Andere Fachbereiche profitieren aber sehr von der Sternwarte. Im Maschinenbau begeistert meine Studenten vor allem die Technik", sagt Dörr.

Aktuell meistern der Astronom und seine Unterstützer die Einrichtung der neuen Technik in der Sternwarte, neben ihren eigentlichen Aufgaben im Hochschulbetrieb. „Immer, wenn wir Zeit finden, arbeiten wir in der Sternwarte, aber allein die Balancierung und Ansteuerung des Gesamtsystems haben deutlich mehr Zeit gekostet, als veranschlagt", erklärt Dörr. „Wir hoffen, dass spätestens im Herbst die ersten schönen Aufnahmen entstehen können."

Am liebsten sucht Dörr mit dem Teleskop Galaxien. „Ich interessiere mich bereits seit meinem achten Lebensjahr für die Astronomie." Als Zwölfjähriger kauft er sich sein erstes Teleskop und als 16-Jähriger ein zweites, für satte 8.500 D-Mark. „Zum Vergleich: Mein erstes Auto, ein VW Polo, hat nur 1.500 D-Mark gekostet", erzählt ein Mann, der schon seit Jahrzehnten Prioritäten setzt und in seine Leidenschaft investiert.

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