Verdi-Bildungsstätte in Lage: Die Belegschaft kämpft für den Erhalt. - © Foto: Bernhard Preuß
Verdi-Bildungsstätte in Lage: Die Belegschaft kämpft für den Erhalt. | © Foto: Bernhard Preuß

Lage Streit um Bildungshaus bei Verdi

Bundesvorstand stößt mit Schließungsabsicht auf heftigen Widerstand in OWL

Matthias Bungeroth

Lage. Erst vor wenigen Monaten gab es Grund zum Feiern im Institut für Bildung, Medien und Kunst (IMK) in Lage. Die traditionsreiche Bildungseinrichtung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wurde 60 Jahre alt. Heute sind die 25 Mitarbeiter dort "total angespannt", wie IMK-Leiter Josef Peitz sagt. Denn der Verdi-Bundesvorstand will das Haus Ende 2015 schließen. Einen entsprechenden Beschlussvorschlag macht die Berliner Verdi-Zentrale seinem Gewerkschaftsrat. Dieser will, so Peitz, darüber am 10. März beraten. Hintergrund des geplanten radikalen Schnittes ist die "nicht verantwortbare Finanzierung in Höhe von mindestens drei Millionen Euro zur Umsetzung eines notwendigen Brandschutzkonzeptes", wie es im Beschlussvorschlag heißt. Unter anderem, so das Papier, müssten Brandüberwachung , Fluchtwegsituation und Löschwasserversorgung verbessert werden. Außerdem müssten asbesthaltige Rohre ersetzt und alle Bäder des Hauses, das über 62 Zimmer verfügt, saniert werden. Dies sei bei laufendem Betrieb nicht möglich, so der Verdi-Bundesvorstand."Im Schweinsgalopp durchgepeitscht" Bei den Verdi-Verantwortlichen vor Ort und auf Bezirksebene löst diese Empfehlung jedoch mehr als Kopfschütteln aus. IMK-Leiter Josef Peitz spricht von einem "im Schweinsgalopp durchgepeitschten Beschluss", der "uns keine Zeit lässt, andere Möglichkeiten zu prüfen". Doch genau daran arbeite man in Lage fieberhaft. So würden derzeit in Gesprächen mit der Stadt Lage Möglichkeiten der Kooperation ausgelotet. Es gehe etwa darum, dass sich die Kommune am Wasserreservoir beteiligt. Auch könnten die Baukosten auf zwei Jahre verteilt werden und die Möglichkeiten des Crowd Funding, also der Geldbeschaffung über Netzwerke, ausgeschöpft werden. "Ich bin sicher, wir bekommen da einen stattlichen Betrag zusammen", unterstreicht Peitz im Gespräch mit dieser Zeitung. "Unser Ziel ist, dass der Gewerkschaftsrat seine Entscheidung auf Mai verschiebt", sagt Hermann Janßen, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Herford/Minden/Lippe, dieser Zeitung auf Anfrage. Es liefen viele Initiativen zum Erhalt des Hauses. "Ich sehe da auf jeden Fall Chancen", betont Janßen, der das IMK als "traditionsreiche Bildungsstätte" für die Region unbedingt erhalten möchte. "Fünfzig zu fünfzig, glaube ich immer", schätzt Janßen die Erfolgsaussichten ein. Im Internet hat die geplante Schließung des IMK bereits für viel Wirbel gesorgt. Heute um 17 Uhr gibt es vor Ort eine Solidaritätskundgebung. Arno Klönne, Paderborner Soziologieprofessor, der Festredner bei der 60-Jahr-Feier war, sagt, es "wäre wirklich ein Verlust", wenn das Haus geschlossen würde. Das IMK mit seiner Medienarbeit habe eine andere Identität als Einrichtungen wie das Bunte Haus in Bielefeld, das aus der ÖTV-Tradition komme. Den Vorschlag des Verdi-Bundesvorstands, dort die Veranstaltungen des IMK weiterzuführen, kontert Peitz: "Es muss ein vernünftiges Bildungsstättenkonzept geben. So etwas existiert nicht."

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