Detmold Düzen Tekkal: "Arzus Vater ist kein Monster"

Interview mit yezidischer RTL-Reporterin zum Fall Özmen

"Arzus Vater

ist kein Monster" - © Detmold
"Arzus Vater
ist kein Monster" | © Detmold

Detmold. Arzu Özmens Vater Fendi wird vor Gericht schweigen - das hat sein Anwalt am ersten Prozesstag deutlich gemacht. Hat es einen Mordauftrag an die Geschwister gegeben? Welche Rolle hat der Vater in der Tragödie um die ermordete Yezidin Arzu gespielt? Diese Fragen bleiben vermutlich unbeantwortet. Am Mittwoch geht der Prozess gegen ihn weiter.

Die yezidische Journalistin Düzen Tekkal verfolgt für den Fernsehsender RTL den Fall seit mehr als einem Jahr. Diese Zeitung sprach mit ihr über den Fall Arzu und wollte von ihr wissen, ob sich seit dem Ehrenmord in der yezidischen Gesellschaft etwas verändert hat.

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Frau Tekkal, vor 15 Monaten wurde Arzu Özmen Opfer eines "Ehrenmordes". Das Detmolder Landgericht hat im Mai alle Geschwister mit langen Haftstrafen ins Gefängnis geschickt. Jetzt muss sich auch der Vater vor Gericht verantworten. Ist das ein wirksames Mittel, um solchen Tragödien vorzubeugen?

Düzen Tekkal - © Foto: Privat
Düzen Tekkal | © Foto: Privat

Düzen Tekkal: Ich denke, harte Strafen sind in jedem Fall die richtige Antwort auf diese grausamen Vergehen. Man darf KEINE kulturellen Aspekte berücksichtigen, um strafmildernd davon zu kommen. Solche Urteile werden auch in der yezidischen Community als Signal wahrgenommen und heiß diskutiert. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich verurteile die Tat, aber meiner Meinung nach sind die Özmens gleichzeitig auch Opfer einer falsch verstandenen Familientradition.

Wie meinen Sie das?

Tekkal: Wenn du ein Leben lang mit bestimmten Werten erzogen wirst, die da heißen, du musst einen Yeziden heiraten, du musst eine treue kurdische Tochter sein und wenn das nicht klappt, bist du eine Schande oder deine Brüder ehrlos, dann hinterlässt das was in den Köpfen. Verstehen Sie? So sind ja auch die Eltern groß geworden und haben das an ihre Kinder weitergegeben. Wen genau trifft die Schuld? Die Eltern selbst haben ungeheuren Druck von der Gemeinschaft bekommen. Also trägt auch jeder ein Stück weit Mitschuld.

Wie beurteilen Sie Fendi Özmens Rolle in dem Fall?

Tekkal: Ich denke, es greift zu kurz, den Vater zu dämonisieren, damit machen es sich Viele zu einfach. Arzus Vater ist kein Monster. Es wird noch dauern, bis er das ganze Ausmaß dieser Tragödie begriffen hat. Ähnlich wird es auch den Geschwistern gehen. Der Vater galt als perfekt integriert und war auch geachtet in der yezidischen Gemeinschaft. Dann passierte das mit der Tochter und er wollte um jeden Preis sein Gesicht wahren und hat seine ganze Familie verloren. Tragisch finde ich.

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