Entwickeln Komponenten: Jan Stefan Michels und Carlos Paiz Gatica (v.l.). - © Tobias Schreiner
Entwickeln Komponenten: Jan Stefan Michels und Carlos Paiz Gatica (v.l.). | © Tobias Schreiner

Detmold Das Detmolder Unternehmen Weidmüller kann Ausfälle in Fabriken vorhersehen

Neue Komponenten erfassen permanent Daten, um den Zustand von Maschinen zu überwachen. Stillstände in Fabriken sollen so künftig verhindert werden

Tobias Schreiner

Detmold. Es ist das schlimmste, was einem produzierenden Unternehmen passieren kann: Irgendwo in der Fertigungskette einer Fabrik fällt durch technische Fehlfunktion eine Maschine aus und die gesamte Produktion steht still. Ob in Druckhäusern, Autofabriken oder in der Pharma-Industrie, wenn die Produktion ungewollt stoppt, bedeutet das für ein Unternehmen enorme finanzielle Verluste. Verhindern will dies das Detmolder Unternehmen Weidmüller. Unter der Leitung von Jan Stefan Michels und Carlos Paiz Gatica forscht Weidmüller an "Innovativen Automatisierungsgeräten". Die beiden Forscher entwickeln Komponenten, die in Fabriken in Schaltkästen oder direkt in Maschinen eingebaut werden können, um dauerhaft deren Zustand zu messen. Die Komponenten erfassen zum Beispiel Signale über Temperatur, Druck, Strom oder Drehzahl einer Maschine, wandeln diese Signale in digitale Daten um und speisen sie in einen Computer ein. Über einen Algorithmus werden die Daten ausgewertet. "So können wir vorhersagen, wann ein bestimmtes Teil in der Produktion verschleißt", erklärt Carlos Paiz Gatica. Was vor einigen Jahren noch wie Science-Fiction klang, ist heute Realität. Mit ihrer Entwicklung soll es möglich sein, Maschinenteile in einer Fabrik früh genug auszuwechseln oder zu warten bevor sie ausfallen oder eine Störung eintritt - "geplante Instandhaltung" nennt sich das. Derzeit seien die Ergebnisse des Forschungsprojekts noch auf keiner Messe und in keinem Unternehmen zu betrachten, erklärt Jan-Stefan Michels: "Wir arbeiten derzeit daran, mit unseren Forschungsergebnissen Produkte für den Markt zu entwickeln." Die geplanten Weidmüller-Produkte sollen in beinahe jedem Produktionsbereich anwendbar sein. Derzeit habe das Unternehmen Kontakt zu fünf Kunden aus den Bereichen Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, Regenerative Energien und Prozessindustrie, erklärt Michels. Doch das Forschungsprojekt soll nicht nur Ausfälle von Maschinenteilen vorhersehen können, sondern auch deren Energieverbrauch analysieren und auswerten können. "Effizienz und Produktivität stehen bei dem Projekt im Fokus", sagt Paiz Gatica. Ein weiteres Forschungsprojekt, das an das zuvor genannte Projekt anknüpft, zielt ganz auf das Thema Individualisierung: Produktionsmaschinen in Fabriken müssen heutzutage immer mehr verschiedene Produkte flexibel herstellen können. Mit dem Forschungsprojekt von Weidmüller soll die Anpassung der Produktionsmaschinen auf einzelne Produkte nun einfacher werden. Mithilfe von Software- und Chiptechnologie sollen Weidmüller-Automatisierungsgeräte in der Lage sein, individuelle Produkte herzustellen. Das große Ziel: Ein Maschine in einer Fabrik soll in der Lage sein, nicht nur Massenprodukte herzustellen, sondern einzigartige, individuell nach Kundenwunsch entwickelte Produkte zu fertigen - und das ohne großen Umrüstungsaufwand. "Wir wollen, dass es für unsere Kunden so einfach wie möglich ist, diese Technologie zu nutzen", sagt Michels, "Der manuelle Aufwand beim Umprogrammieren einer Maschine soll so gering wie möglich sein." Individualisierung, Energieeffizienz und voraussehende Wartung - mit diesen Forschungsprojekten steht Weidmüller ganz im Zeichen von Industrie 4.0. "Denn genau das ist es doch, was Industrie 4.0 und damit das interessante an dem Spitzencluster it's OWL ausmacht: Technologien für Digitalisierung und Vernetzung.", sagt Michels. " Das machen wir, indem wir Daten erfassen, auswerten und die Erkenntnisse dann für unsere Kunden und die Produktion nutzen."

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