Der Wolf, der in zwei Nächten mehrere Tiere riss, ist vor die Wildtierkamera gelaufen. - © Doris Lüdeking
Der Wolf, der in zwei Nächten mehrere Tiere riss, ist vor die Wildtierkamera gelaufen. | © Doris Lüdeking

Barntrup Wolf reißt in lippischem Dorf Ziege vor laufender Kamera

Wildtierkamera: Filmsequenz zeigt den Wolf und dessen Angriff auf einen Bock

Jobst Lüdeking

Barntrup. In Nordrhein-Westfalen gibt es jetzt den ersten filmisch dokumentierten Wolfsangriff auf Nutztiere. In einem Dorf im Kreis Lippe wurden zwei Zwergziegen gerissen und teilweise gefressen. Die Weide liegt im Ort, nur rund 50 Meter von den Wohnhäusern entfernt. Aufnahmen aus einer Wildtierkamera, die der Eigentümer der Ziegen nach dem ersten Angriff aufgehängt hatte, zeigen sowohl den Wolf und den Versuch des Ziegenbocks „Peter", sich gegen den Räuber zur Wehr zu setzen. Ort des Angriffs am Ostersonntag ist das 400 Einwohner-Dorf Sommersell bei Barntrup: „Der erste Ziegenbock, „Klaus" hieß er, wurde in der Nacht zum Samstag gerissen", berichtet Landwirt Ulrich Thieling. Die sechs Ziegen auf dem Bauernhof grasen auf einer Weide im Ort, direkt am Hof und haben alle Namen. Weil er unsicher war, sich nicht vorstellen konnte, was für ein Tier den Bock gerissen hat, informierte Thieling Hans-Jürgen Helpup, seinen direkten Nachbarn. Der ist Jäger und für das Revier Sommersell zuständig. „Die Innereien und Teile der Keule sind aufgefressen worden", erklärt der Waidmann. Seine Recherchen, ob nicht ein größerer wildernder Hund für den Angriff verantwortlich sein könnte, brachten aber keinen Erfolg. „Solche Hunde hat niemand hier im Umkreis. Ein wildernder Hund hätte wahrscheinlich auch versucht, alle Ziegen zu reißen, hätte sie aber nicht gefressen. An jedem Stück fehlen aber rund zehn Kilo Innereien und Fleisch." Spuren waren acht mal neun Zentimeter groß Schließlich informierte der Jäger über den zuständigen Förster den regionalen Wolfsbeauftragten, der das Areal noch am Samstag untersuchte und Trittspuren sicherte. „Die waren acht mal neun Zentimeter groß. Darüber hinaus sind an dem Kadaver DNA-Proben genommen worden", berichtet Thieling weiter. Ganz sicher sei sich der vom NRW-Umweltministrium berufene Experte zunächst aber nicht gewesen. Er habe aber angemerkt, dass es sich bei dem Verursacher mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Wolf handele, wenn der tierische Jäger in der kommenden Nacht nochmal zuschlage . Eher nicht daran glaubend, aber aus Sicherheitsgründen hängte der Sommerseller Familienvater eine Wildtierkamera in einem Birnenbaum auf der Weide auf. Am Ostersonntag rief ihn seine Nachbarin an und erzählte, dass der Schafbock in ihrer Garage stehe und blute. „Auf dem Weg dorthin habe ich dann die tote Ziege auf der Weide gefunden", so Thieling. Am Ostersonntag nahmen auch Helpup und Jäger Gerhard Höltke, der Leiter des Hegerings Begatal, die zweite getötete und ebenfalls angefressenen Ziege „Klara" mit Landwirt Thieling in Augenschein. Tierarzt Burkhard Falk versuchte zwischenzeitlich, Ziegenbock „Peter" nach dem Kampf mit dem Wolf noch das Leben zu retten. Vergeblich. Mehrfach im Video zu sehen Die Verletzungen, so der Veterinär später, waren so schwer, dass er eingeschläfert werden musste. Unterdessen hatte Bianca Tieling die Aufzeichnungen der Wildtierkamera ausgewertet: Die zeigen sowohl einen Wolf als auch dessen Angriff auf „Peter". Danach war das Tier gegen 5.30 Uhr am Ostersonntag auf die Weide in Sommersell gekommen. Mehrfach ist der bisher in NRW seltene Räuber auf dem Bild zu sehen. „Es beunruhigt mich, dass ein Wolf dermaßen nahe an Wohnhäuser heran kommt", so die Mutter von zwei Kindern. Auch Hegeringleiter Höltke zeigt sich irritiert vom Verhalten: „Die Wölfe, die ich bisher in Osteuropa gesehen habe, machen alle einen großen Bogen um menschliche Behausungen." Am späten Sonntagnachmittag nahmen die Wolfsexperten das Areal und die zweite gerissene Ziege noch einmal in Augenschein. Der Wolfsangriff auf Nutztiere ist nicht der erste dokumentierte Fall in NRW. Bereits im vergangenen Jahr waren Schafe in Stemwede von einem Wolf getötet worden, darüber hinaus gibt es aktuell einen weiteren Verdachtsfall im Bergischen Land. Anmerkung der Redaktion: Auf Wunsch der Familie zeigen wir nicht die Filmsequenzen, in denen der Wolf den Ziegenbock angreift. Sie liegen jedoch der Neuen Westfälischen vor.

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