Preisträger und Ehrengast: Günther Oettinger (3. v. r.) mit Ralf Stroop (Medgineering), Bernd Welzel (Westfalia-Automotive), Marcel Höcker (HöRe Logical Manufacturing), Christian Brandhorst (Narando) und Thorsten Meier (Boge Kompressoren, v. l.). - © Stefan Backe
Preisträger und Ehrengast: Günther Oettinger (3. v. r.) mit Ralf Stroop (Medgineering), Bernd Welzel (Westfalia-Automotive), Marcel Höcker (HöRe Logical Manufacturing), Christian Brandhorst (Narando) und Thorsten Meier (Boge Kompressoren, v. l.). | © Stefan Backe

Bad Salzuflen Günther Oettinger verteilt beim Innovationspreis Lob und Tadel

Der EU-Kommissar spart in seiner Festrede nicht an markigen Aussagen

Stefan Backe

Bad Salzuflen. Die Bühne des Bad Salzufler Kurtheaters hat schon manch gelungene Inszenierung erlebt. Gestern Abend war sie der Schauplatz für ganz reale Erfolgsgeschichten: Die „OstWestfalenLippe GmbH" hat fünf Betriebe ausgezeichnet, die mit ihren innovativen Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen hervorstechen. 91 Unternehmen aus ganz OWL hatten sich um den Innovationspreis „Marktvisionen" beworben. Die Auszeichnung in der Kategorie „Industrie und Handwerk" ging an Boge Kompressoren aus Bielefeld für einen Hochgeschwindigkeitskompressor und die Westfalia-Automotive GmbH aus Rheda-Wiedenbrück für eine neue Generation intelligenter Anhängerkupplungen. „Medgineering" (Gütersloh) überzeugte die Jury in der Kategorie „Zukunft gestalten" mit einem Smartphone-basierten Notfall-Alarmierungssystem für qualifizierte Ersthelfer. Zudem wurden gleich zwei „Start Up"-Preise für Neugründungen verliehen: an „narando" (Melle) für die Vertonung von digitalen Texten und „HöRe Logical Manufacturing UG" (Bünde) für einen Einkaufswagenstopper. Die Preisverleihung, deren Hauptsponsor die Stadtwerke Bielefeld sind, findet alle zwei Jahre und an wechselnden Orten statt. Salzuflen dürften die Teilnehmer des Festakts in guter Erinnerung behalten – nicht zuletzt dank des Ehrengastes. Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft und Ex-Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, glänzte bei seinem Kurz-Besuch als unterhaltsamer Redner, der kein Blatt vor den Mund nahm. Dabei – und das dürfte nicht nur Höflichkeit gegenüber den Gastgebern gewesen sein – kam die Region als Vorreiter der Industrie 4.0 gut weg. Spreche man in Deutschland über dieses Thema, falle der Blick schnell auf OWL. Das Spitzencluster „it‘s OWL" sei „klein, aber oho". Trotzdem gab er den versammelten Spitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung den väterlichen Neujahrs-Rat: „Buchen Sie im nächsten Jahr einen digitalen Grundkurs – egal wo und was." Denn die digitale Revolution sei nicht nur eine Chance, bei mangelnder Beweglichkeit bedeute sie auch Lebensgefahr für viele Branchen. Deutschland müsse stark aufpassen, dass man den aktuellen Spitzenplatz in der Welt verteidige. „Uns geht es noch zu gut. Wir leben im deutschen Romantiktal." In einem Land, dessen Kapital Verstand, Herz und Bildung seien, habe man beispielsweise mit der Rente ab 63 den falschen Blinker gesetzt: „Wir müssten eigentlich über die Rente mit 70 reden."

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