Vor Gericht: Der Angeklagte (r.) mit seinem Verteidiger Jann Henrik Popkes. - © Foto: Preuss
Vor Gericht: Der Angeklagte (r.) mit seinem Verteidiger Jann Henrik Popkes. | © Foto: Preuss

Augustdorf/Detmold Torunfall: Ehrenamtlicher Trainer muss büßen

Gericht: Mann hat 2013 bei Turnier seine Sorgfaltspflicht verletzt

Hubertus Gärtner

Augustdorf/Detmold. Das Amtsgericht Detmold hat einen Jugendtrainer des FC Augustdorf wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt, weil er während eines Hallen-Fußballturniers seine Aufsichtspflicht verletzt hat. Der Schuldspruch wird Vereine in ganz Deutschland alarmieren und Diskussionen über die Risiken des Ehrenamtes auslösen. Der traurige Unfall hatte sich am 12. Januar 2013 bei den Hallenkreismeisterschaften der D-Jugend in der Sporthalle des FC Augustdorf zugetragen. Als sich im Verlauf des Turniers die Mannschaft der Spvg Hagen-Hardissen in einer Nebenhalle aufwärmen wollte und ein Spieler den Ball gegen die Latte eines Handballtors schoss, fiel dieses um und verletzte den damals elf Jahre alten Fynn-Luca R. aus Lage schwer. Das Opfer leidet nach ärztlichen Attesten immer noch stark unter den Folgen des Geschehens, sein Hör- und sein Geschmackssinn werden dauerhaft beeinträchtigt bleiben. Nach den Ermittlungen hatten zum Unfallzeitpunkt, aber auch schon lange vorher, zwei Handballtore ungesichert in dem nicht abschließbaren Nebenraum gestanden. Es gab auch keinerlei Befestigungsmöglichkeiten. Auf diese Umstände stützte die Staatsanwaltschaft ihren Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung. Laut einer älteren DIN-Vorschrift, die alle Beteiligten aber offensichtlich nicht kannten, hätten die Tore gegeneinandergestellt und mit Ketten oder Schlössern gesichert werden müssen. Drei Beschuldigte, der kommunale Hausmeister, der stellvertretende Vereinsvorsitzende und der Jugendgeschäftsführer des FC Augustdorf, akzeptierten Geldauflagen zwischen 360 und 700 Euro, nach Zahlung wurde das Verfahren gegen sie eingestellt. Der vierte Beschuldigte, Jugendtrainer Volker Dierk (43), wollte hingegen keine Sanktion akzeptieren, weil er sich keinerlei Schuld bewusst war. Deshalb kam es gegen ihn zum Prozess. Dierk argumentierte unter anderem damit, dass er bei dem Turnier auch noch die Mannschaft des FC Augustdorf betreut habe, er sich daher um allgemeine Sicherheits- und Aufsichtsfragen unmöglich habe kümmern können. Richter Björn Weber sah es anders. Der Angeklagte sei "als Jugendvorstand in die Turnierorganisation verantwortlich mit eingebunden" gewesen. Insofern habe er auch die Pflicht gehabt, mögliche Gefahrenquellen zu prüfen und auszuschalten. "Ein besonnener und gewissenhafter Mensch hätte erkannt, dass zwei ungesicherte Tore in der Nebenhalle standen", sagte Weber. Die "Verantwortung und Schuld" sei zwar gering, und sie treffe auch nicht nur eine Person, bei Fragen der Sicherheit dürfe es aber "keine Rolle spielen", ob jemand im Ehrenamt tätig sei oder nicht. Das Gericht habe die Ehrenamtlichkeit aber bei der Strafzumessung mildernd berücksichtigt. Der Angeklagte muss eine Geldauflage von 700 Euro zahlen, eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 50 Euro wurde zur Bewährung ausgesetzt. Verteidiger Jann Popkes hatte einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Er übte nach dem Urteil heftige Kritik. Das Ehrenamt habe "einen Dolchstoß erhalten", sagte er. Auch Vereinsvertreter äußerten sich empört.

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