Die Flaggen in Augustdorf wehen auf Halbmast. Ein hier stationierter Soldat ist bei einer Schießübung ums Leben gekommen. - © Bernhard Preuss
Die Flaggen in Augustdorf wehen auf Halbmast. Ein hier stationierter Soldat ist bei einer Schießübung ums Leben gekommen. | © Bernhard Preuss

Augustdorf Getöteter Soldat: In Augustdorf wehen die Flaggen auf Halbmast

Die Kameradinnen und Kameraden des bei einer Übung getöteten 22-jährigen Soldaten sind fassungslos. Es wird geprüft, ob die Sicherheitsvorkehrungen gegriffen haben. Der Vorfall trifft die lippische Kaserne in unruhigen Zeiten

Matthias Bungeroth

Augustdorf. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es sei ein ganz normaler Tag in der General Feldmarschall Rommel Kaserne in Augustdorf. Gleißende Sonne, es ist hochsommerlich warm. Soldaten gehen oder fahren zwischen den Häusern des großen Geländes hin und her, Geräusche einer Schießübung sind zu vernehmen. Ein Tag wie jeder andere also am Standort der Panzerbrigade 21 „Lipperland"? Keineswegs. Vor dem Eingang des Panzergrenadierbataillons 212 weht eine Flagge auf Halbmast. Zu diesem Bataillon gehörte der 22-jährige Soldat, der am Dienstag bei einer Schießübung auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes in der Rhön-Kaserne in Wildflecken ums Leben gekommen ist. Wie konnte es zu diesem Unfall kommen? Das ist die wichtigste Frage, die sich am Tag danach alle stellen. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind unsere Gedanken bei den Angehörigen – Wir fühlen mit ihnen", sagt Brigadegeneral Heico Hübner. „Während seiner Arbeit, die er über alles liebte, ließ er sein Leben auf dem Truppenübungsplatz in Bad Kissingen (Wildflecken)", postet der Bruder des Opfers im Netzwerk Facebook. Nach Recherchen dieser Zeitung, die von offizieller Seite unbestätigt bleiben, handelt es sich um Mirco B. aus Salzkotten. B. galt als als einsatzerfahren Das sehr emotionale Posting endet mit den Worten: „Bitte betet für unseren Bruder...Inshallah...Ruhe in Frieden". Die Soldatinnen und Soldaten in Augustdorf erinnert der Unfall daran, wie gefährlich ihre Arbeit täglich ist, auch wenn sie „nur" in Übungen mit Waffen wie der Panzerfaust umgehen müssen. B., der von seinen Kameraden als heiterer Typ beschrieben wird, galt, ebenso wie die anderen an der Übung in Wildflecken beteiligten Soldaten, als sehr einsatzerfahren. „Eine Aufsicht war eingesetzt", erläutert Presseoffizier Martin Waltemathe die Vorkehrungen während der Übung. Wie es dennoch dazu kommen konnte, dass der 22-Jährige vom Rückstoß der abgefeuerten Waffe getroffen wurde, haben nun die Ermittlungsbehörden zu prüfen. Die Panzerfaust 3 hat, wie Waltemathe erläutert, eine Kraft „wie ein raketenbetriebenes Geschoss", vergleichbar dem Triebwerk eines Düsenflugzeugs. Sie stößt „mehrere Tausend Grad heiße Luft" ab, so der Presseoffizier. Gründe, weshalb es sehr genaue Anweisungen dafür gibt, wer beim Abschuss wo zu stehen hat. Ermittlungen aufgenommen Sicherheitsgehilfen müssen immer darauf achten, dass alle Regeln eingehalten werden. Das Geschütz, das eine Geschwindigkeit von mehr als 220 Metern pro Sekunde erreicht, darf nur nach Vorwarnung abgefeuert werden. Es wird ermittelt, ob dieses Signal auch gegeben wurde. Der tödliche Unfall trifft die Augustdorfer Kaserne in unruhigen Zeiten. Zuletzt waren aus einem Augustdorfer Panzer während einer Übung in Munster Waffen gestohlen worden. Es wird ermittelt, ob der rechtsextreme Oberleutnant Franco A. damit zu tun hat. Zudem gibt es politische Diskussionen um die Namensgebung der Kaserne. Sie ist nach Erwin Rommel benannt, einem Generalfeldmarschall der Wehrmacht. Zudem wurde vor wenigen Tagen ein Augustdorfer Soldat vom Dienst suspendiert, der nach Meldungen von Kameraden durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen war. Bei Durchsuchungen in mehreren Kasernen, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wegen des Falls Franco A. angeordnet hatte, wurden unterdessen 41 weitere Wehrmachts-Devotionalien gefunden. Die Funde seien aber nicht so schwerwiegend wie in der Kaserne in Illkirch, in der Franco A. Dienst getan hatte, hieß es aus dem Ministerium.

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