Kraftvoll und lebendig: Farben, Formen und Bewegungen spielen in den recht großformatigen Arbeiten von Barbara Salesch eine wichtige Rolle, die sich auf einem Bauernhof in Petershegen ein Künstleratelier eingerichtet hat. - © Dieter Scholz
Kraftvoll und lebendig: Farben, Formen und Bewegungen spielen in den recht großformatigen Arbeiten von Barbara Salesch eine wichtige Rolle, die sich auf einem Bauernhof in Petershegen ein Künstleratelier eingerichtet hat. | © Dieter Scholz

Willebadessen Ex-Fernsehrichterin Barbara Salesch stellt im Willebadessener Schloss aus

Rund 150 Arbeiten setzen Impulse zum Thema Altern

Dieter Scholz

Willebadessen. Die Jugend zu favorisieren, sei "Quatsch", sagt Barbara Salesch bestimmt. "Die Frische ist entscheidend." Ebenso wie es so etwas wie Jugend im Alter gebe, werde umgekehrt auch oftmals Alter in der Jugend gefunden. In ihren Kunstwerken möchte sie Altes und Neues miteinander in fröhlichen Einklang bringen. Das Vorhaben nimmt man ihr ab: Weil sie ihre Gedanken mit einem aufgeschlossenen und einnehmenden Lachen und äußerst wachen Augen wiedergibt. Barbara Salesch lässt ihre Frische spüren. Sie sei schon immer frauenpolitisch interessiert gewesen, sagt sie. Gleichberechtigung sei ihr wichtig. Deswegen sei sie zur Künstlerinnengemeinschaft Gedok gekommen. "Frauen werden auch in der Welt der Kunst benachteiligt", sagt sie. Dem entgegenzuwirken sei Sinn und Zweck der Gedok-Gründung vor neun Jahrzehnten gewesen. Und die bundesweite Vereinigung habe ihre Berechtigung noch nicht verloren, sie werde auch heute gebraucht. »Ursprüngliches und Gewordenes vereint« Die studierte Juristin ist künstlerische Quereinsteigerin, lebt auf einem Bauernhof in Petershagen. Barbara Salesch, ehemalige Fernsehrichterin, hat nach ihrer TV-Karriere von 2012 bis 2014 an der Kunstakademie in Bad Reichenhall ein Studium der Farbmalerei absolviert. Kunst habe sie immer als Freiheit empfunden, sagt die 67-Jährige. Dieses Gefühl sei bei ihr auf ein starkes Gestaltungsbedürfnis getroffen. Vor knapp drei Jahrzehnten hatte Salesch mit Plastiken begonnen, eine künstlerische Ausbildung parallel zum Beruf angestrebt. Damals war sie als Staatsanwältin tätig, wurde 1991 zur Vorsitzenden Richterin einer Kleinen Strafkammer am Landgericht in Hamburg ernannt. Den Holzschnitt habe sie erst spät für sich entdeckt, sagt sie. "Die körperliche Handarbeit, kombiniert mit der Farbe der Malerei ist faszinierend", bemerkt Salesch am Rande der Eröffnung der Ausstellung "Forever young?!" im Willebadessener Schloss. Dort hat Salesch einen Raum mit ihren Holzschnittarbeiten gestaltet. Auf dem Boden in der Mitte die Druckplatten, "Ü-40" betitelt. Die geschnittenen Linien werden zu den Füßen des Betrachters hin immer breiter, weiten sich auf, gliedern den Raum und geben Raum. Quadratisch sind die Zusammenführungen von Druckstöcken und gedruckten Blütenmotiven, die hoch an den Wänden hängen. Erst wenn der sich nahende Betrachter leicht den Kopf in den Nacken legt, wird er den Materialmix gewahr. "Ursprüngliches und Gewordenes vereint", sagt Salesch. Eine Analogie auf Jugendlichkeit im Alter. "Die ölgebundenen Farben benötigen lange, um auf dem weißen Büttenpapier zu trocknen", bemerkt die Künstlerin, die bereits zum zweiten Mal zu den Gedok-Schauen in Willebadessen ausstellt. "Wir präsentieren in Willebadessen 50 Künstlerinnen mit rund 150 Werken", hatte die Vorsitzende der ostwestfälisch-lippischen Gedok-Gruppe, die Detmolderin Heide Haike, zur Begrüßung am Samstag erklärt. In ihren Grußworten freuten sich Bürgermeister Hans Hermann Bluhm und der stellvertretende Bürgermeister Helmut-Volker Schüte aus Detmold auf impulsgebende Werke, die sich "mit dem Altern auseinandersetzen", so Haike. Bluhm verwies auf das Streben des Menschen nach ewigem Leben, das Wissenschaftler und Technologen anfeuere. "In ihren Werken werden die Künstlerinnen immer jung bleiben", bemerkte der Rathauschef charmant. Schüte betonte die Absicht der Ausstellung, "die Kunst von Frauen sichtbar zu machen". Der Kunsthistoriker Walter Kambartel führte in die Willebadessener Schau ein, stellte fachkundig Exponat für Exponat vor. "Es sind die Künstlerinnen jenseits der 50, die hier ein Zeichen für ihre Generation setzen", hielt der Bielefelder vor rund 100 Gästen fest und forderte, dass bei der heutigen höheren Lebenserwartung der Begriff Altern gesellschaftlich eine Aufwertung erfahren müsse. Barbara Salesch wird zur Finissage am Dienstag, 3. Oktober, um 14 Uhr im Willebadessener Schloss ein Gesprächsforum leiten.

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