Verstorben: Alexandra Freifrau von Wrede. - © Brinkmann
Verstorben: Alexandra Freifrau von Wrede. | © Brinkmann

Willebadessen Trauer um Alexandra Freifrau von Wrede

Nachruf: Eine echte Europäerin, geboren in Ungarn, heimisch geworden in Willebadessen

Dieter Scholz
Anke Baumbach

Willebadessen. Alexandra Freifrau von Wrede-Melschede ist am Dienstag im Alter von 91 Jahren in Willebadessen verstorben. Ihre Lebensgeschichte ist so beeindruckend wie umfangreich. Hilfsdienstleistende, Lokalpolitikerin, Dolmetscherin, ehrenamtliche Helferin, achtfache Großmutter - all das war Alexandra Freifrau von Wrede. Nächstenliebe war ihr Programm. "Sie hat sich ihr Leben lang für hilfsbedürftige Mitmenschen eingesetzt und eigene Belange zurückgestellt", hieß es in der Würdigung bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, das sie 2007 erhielt. In Willebadessen fühlte sie sich zuhause, ihre Heimat aber liegt im Osten. Alexandra Freifrau von Wrede wird 1926 im ungarischen Hegykö am Neusiedler See als zweite Tochter des Bálint Graf Széchenyi und seiner Ehefrau Maya, eine gebürtige Prinzessin Galitzine, geboren. Sie verlebt auf dem väterlichen Besitz ihre Kindheit, besucht in Budapest das Herz-Jesu-Gymnasium und wechselt zur Ursulinen-Schule nach Sopron. Dort besteht sie ihr Abitur. Ihr Akzent erinnerte an diese Herkunft. 1947 flieht Freifrau von Wrede in die Niederlande. 1958 heiratet sie Diethard Freiherr von Wrede und wird deutsche Staatsbürgerin. In den Jahren zuvor betreut sie in Österreich zusammen mit Mitgliedern des Malteserhilfsdienstes ungarische Flüchtlinge, die aufgrund des Volksaufstandes in das Nachbarlandgeflohen sind. Den Maltesern blieb sie immer verbunden. Der "Souveräne Malteser Ritterorden" nimmt sie 1986 in seinen Reihen auf. Als Mitglied dieses Ordens reist sie in der politisch brisanten Wendezeit nach Budapest, hilft im Auffanglager DDR-Bürgern, die ausreisen wollen. Und sie ist in Budapest, als Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der deutschen Botschaft erklärt, dass den DDR-Bürgern die Ausreise gestattet ist. Für die Baronin ein besonderer Moment: "Wie eine Erlösung", hatte sie später ihre Gefühle zusammengefasst. Eine echte Europäerin: Freifrau von Wrede sprach sechs Sprachen: ungarisch, deutsch, russisch, englisch, französisch und niederländisch. Doch auch das Lokale war ihr nah. In Willebadessen engagierte sich die selbstbewusste Adelige in der Frauen-Union, in der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) und in der Pfarrgemeinde St. Vitus. Alexandra von Wrede genoss unter den Bürgern der Eggestadt ein hohes Ansehen. Das Auferstehungsamt beginnt am Samstag, 17. Februar, um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Vitus in Willebadessen, anschließend ist die Beisetzung in der Familiengruft. Gelegenheit zum persönlichen Abschied am Sarg gibt die Familie im Schloss Willebadessen täglich zwischen 16 und 19 Uhr bis zum Totengebet am Freitagabend.

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