Gemeinsame Tage auf der Hegge: Umgang mit Frauen anderer Religionen und das Kennenlernen anderer Kulturen waren den Seminarteilnehmerinnen wichtig. - © Hegge
Gemeinsame Tage auf der Hegge: Umgang mit Frauen anderer Religionen und das Kennenlernen anderer Kulturen waren den Seminarteilnehmerinnen wichtig. | © Hegge

Willebadessen Geflüchtet vor Krieg und Gewalt

Frauen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Tadschikistan sprachen im Bildungshaus Hegge über die deutsche Kultur, über Rechte und Pflichten. Integration durch Engagement und Ehrenamt

Willebadessen. Für viele Frauen war es eine Premiere: Geflüchtete Frauen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Tadschikistan verbrachten jetzt drei Tage im Bildungshaus Die Hegge bei Niesen , um sich über das Leben in Deutschland, über Rechte und Pflichten, Kultur und Sitten zu unterhalten. Nicht nur, dass die Frauen erstmals das Bildungshaus kennenlernten. Für viele war es auch der erste Ausflug, weit weg von Familie und Partner. Insgesamt 25 Frauen nahmen mit acht Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren an dem Seminar Teil. Trotz anfänglicher Sprachbarrieren entwickelte sich schnell eine wohlwollende und angenehme Atmosphäre, bescheinigten die Verantwortlichen des Bildungshauses. Die Inhalte des Seminars seien so vielfältig wie die Nationalitäten und Geschichten der Frauen gewesen. So wurden sie ganz zu Beginn vom Team des Bildungshauses ermutigt, sich die in die deutsche Gesellschaft einzubringen. Beispielsweise würde ein Engagement im Ehrenamt, die Teilnahme an Elternabenden oder alleine der Besuch von Festen und Feiern dazu beitragen, in der noch etwas fremdem Gesellschaft Fuß zu fassen, hieß es. Bei der Diskussion um die Grundrechte, um Eherecht und persönliche Freiheit von Frauen wurden Differenzen offenkundig. "Das wird noch einer thematischen Vertiefung bedürfen", sagt Dozentin Dagmar Feldmann. In Kleingruppen erstellten die Frauen Wappen über persönliche Stärken und beschrieben ihren bisherigen Lebensweg anhand eines Seils - mit Höhen, Tiefen und Umwegen. Viele der Frauen hatten eine unbeschwerte und schöne Kindheit genossen, ehe Krieg und Gewalt zum Alltag wurden und ihnen nur eine Möglichkeit zum Überleben blieb: Flucht. Am zweiten Tag stellte sich die Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Bahar Karahan den Fragen der Teilnehmerinnen. Es ging unter anderem um die Fragen, mit welcher Sprache die Frauen mit ihren Kindern sprechen sollen und wie am einfachsten Deutsch gelernt werden kann, ohne dabei die Muttersprache zu vernachlässigen. Anschließend erläuterte die Grundschuldirektorin Maria Komm das deutsche Schulsystem. Für viele der Frauen war Elternmitwirkung in der Schule bisher unbekannt. Gleichzeitig stellten die Frauen kritische Fragen zum Schwimmunterricht an Schulen und zur (Nicht-)Berücksichtigung islamischer Feiertage im Schulalltag. Am dritten Tag ging es für die Frauen um Selbstreflexion und die Frage "Wo sehe ich mich momentan in der Gesellschaft?" Anhand verschiedener Stühle (Sessel, Hocker, wertvoller Stuhl) bestimmten sie ihren momentanen "Platz" und den, welchen sie in Zukunft einnehmen möchten. Am Beispiel ausgewählter Lebensentwürfe diskutierten die Geflüchteten über Frauenbilder, Individualität und Persönlichkeit. Verena Weber vom Kommunalen Integrationszentrum die Grundrechte in Deutschland. Die teilnehmenden Frauen äußerten nicht nur den Wunsch, den Dialog auch weiterhin vorantreiben zu wollen, sondern wollen sie auch die gesammelten Erfahrungen an weitere Geflüchtete und Bekannte weitertragen. Häufig seien die Frauen ob der Rechtsgrundlagen und Maßstäbe verunsichert, so Feldmann. Gefördert wurde das Seminar vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zum Seminarabschluss fassten die Frauen zusammen: "Wir waren drei Tage glücklich. Der Umgang mit Frauen anderer Religionen und das Kennenlernen anderer Kulturen waren neu und wichtig. Von diesen Tagen nehmen wir viel für unser weiteres Leben mit".

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