Schön schief: Prinz Oliver Überdick, Moderator Christoph Köneke und Prinz Sebastian Genau gaben die erratenen Titel zum Besten. - © Saskia Jochheim
Schön schief: Prinz Oliver Überdick, Moderator Christoph Köneke und Prinz Sebastian Genau gaben die erratenen Titel zum Besten. | © Saskia Jochheim

Niesen Niesen lässt die Narren los

Wenn die Partner-Agentur einem ratlosen Jüngling unter die Arme greift, ein Wunder-Küchengerät Schrauben sortiert oder wilde Piraten die Bühne der Bürgerhalle entern, dann feiert das närrische Niesen

Saskia Jochheim

Niesen. Dass ein Elferrat nichts gegen das Niesener Dreigestirn ist, zeigten der prunkvolle König Markus (Hagemann), der Gummibestiefelte Bauer Dirk (Tewes) und die charmante Jungfrau Petra (Peter Fricke). Unter einem dreifach donnernden "Niesen hellblau" eröffneten die drei Chef-Narren die Prunksitzung in der Bürgerhalle. Das Solomariechen der Willebadessener Karnevalsfreunde stürmte die Bühne zuerst, ihr folgten die Tollitäten Prinzessin Alina die II mit ihrem Prinzen Sebastian I und das Kinderprinzessin Mathilda die I und Kinderprinz Finn der I von einer Abordnung des Spielmanns- und Fanfarenzuges Erkeln. Die Niesener und den Rest der Welt nahm der Jüppe vom Land (Ludwig Spieker) in der Bütt aufs Korn. Fetzig-akrobatische Tanzkunst vom Feinsten wurde den Närrinnen und Narren von der jungen TanzGruppe "ExeQtive" serviert. Niedlich-Flauschige Entchen sangen anschließend alle ihre Lieder - und zwar auf Kopf-Druck. Ihre Majestäten Prinz Oliver von den Willebadessener Karnevalsfreunden und der Peckelsheimer Prinz Sebastian hatten ihre liebe Müh, den quietschigen Gesellen die korrekten Lieder-Titel zu entlocken. In die Zeit von Abba und Boney M versetzten die im Disco-Blau glitzernden duften Puppen, bevor die Nethe-Piraten unter großem Gebrüll die Bühne enterten. Die Stimmung in der Halle kochte, als sich das Narrenvolk beim Piraten-Tanz verausgabte. Mit dem Kochen weiter machte dann ein allseits bekanntes Wundergerät. Dass das nämlich "nicht nur was für Chicks" ist, sondern "auch für Männer Tricks" kann, bewiesen die Jungs der Okkupanten-Bewegung Erkeln/Niesen: "Du kannst Bier darin brauen und Fußball drin schauen", sang Max Kleibrink stimmgewaltig. Zu bedauern sei aber, das schwindende Interesse seiner Frau an ihm selbst: "Statt mich zu verführen, will sie emulgieren", beklagte er sich. Einen weiteren Höhepunkt kündigte Christoph Köneke, Moderator und Hauptmann des bunten Niesener Treibens, mit dem Gardetanz der Prinzengarde Ovenhausen an: "Seit Monaten haben die jungen Mädels für ihren Tanz geübt, um ihn uns heute in Perfektion zu zeigen", lobte er die Darbietung der Tänzerinnen. Weit über die Stadtgrenzen ihrer Heimatstadt Brakel bekannt sind die Jungs, die mit ihrem Auftritt die Lachmuskeln des gesamten Narrenvolkes beanspruchten: The Drohndancers verhalfen mit ihrem urkomischen Auftritt samt akrobatischer Höchstleistungen einem Jüngling zu einer drallen Braut. Und wie es zu einem echten Männerballett gehört, ließen sie zum Schluss die Hüllen fallen und heizten dem Narrenvolk mit Andreas Gabalier-Manier in Lederhosen ein. 520 Menschen leben in Niesen. Am Freitag zeigten sie alle gemeinsam, dass zur fünften Jahreszeit Konfetti durch ihre Adern fließt: Die frisch gegründete Dorfgemeinschaft hatte ein närrisches Programm auf die Bühne gestellt, dass es mit denen seiner rheinischen Vorbilder durchaus aufnehmen konnte. "Darauf sind wir wirklich unheimlich stolz", freute sich der Ortsvorsteher, amtierende Schützenkönig und Mitglied des Dreigestirns Markus Hagemann.

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