Eine Hand voll: Gerade mal 700 Gramm bringt ein Kätzchen auf die Waage. - © Saskia Jochheim
Eine Hand voll: Gerade mal 700 Gramm bringt ein Kätzchen auf die Waage. | © Saskia Jochheim

Peckelsheim/Niesen Fundkätzchen starten in ein neues Leben

Dauerhaftes Zuhause gesucht: Der Fall dreier Kätzchen zeigt auf, welche Anlaufstellen und Möglichkeiten es vor Ort gibt, solchen Tieren zu helfen

Saskia Jochheim

Peckelsheim/Niesen. Durchnässt und zitternd saßen die drei kleinen Katzenkinder auf einem Feld am Wegesrand, als sie von einer Spaziergängerin entdeckt wurden. Der tierlieben Frau fiel sofort auf, dass von der Katzenmutter weit und breit keine Spur war. Die Kätzchen waren nach dem tagelangen Dauerregen und den niedrigen Temperaturen völlig unterkühlt. "Die drei zitterten wie Espenlaub", sagt die Finderin, die die miauenden Kätzchen schließlich mit zu sich nach Hause nahm. Dort angekommen wurden die kleinen Bündel erstmal grundversorgt. "Zuallererst wollten sie nur eines, nämlich futtern", schmunzelt die frisch gebackene Katzen-Mama. "Sie waren total ausgehungert und haben das Baby-Katzenfutter nur so herunter geschlungen", fügt sie an. Das sei auch ein Zeichen dafür, dass sie sich schon seit längerer Zeit allein durchgeschlagen hatten. "In diesem Alter werden die Kätzchen noch regelmäßig von ihrer Mutter gesäugt", sagt sie über die drei Mini-Fellknäule, die von Tierarzt Dirk Koch auf ein Alter von 5 bis 6 Wochen geschätzt werden. Zu ihm in die Praxis ging es für die kleinen Stubentiger zwei Tage später. "Die drei waren voll mit Flöhen, Milben und Würmern, eines der Kätzchen nieste fürchterlich", sagt ihre Finderin. Dirk Koch behandelte die kleinen Patienten gegen allerlei Parasiten, gab Antibiotikum gegen den Schnupfen. Außerdem stellte er fest, dass es sich bei den drei Fellbündeln um zwei Kätzchen und einen Kater handelt. Für aufmerksame, tierliebe Spaziergänge hat der junge Tierarzt wertvolle Tipps: "Wenn so junge Kätzchen allein angetroffen werden, ist es ganz richtig, erst einmal zu schauen und abzuwarten, ob sich das Muttertier vielleicht doch in der Nähe aufhält", sagt er. Sei das aber nicht der Fall und die Kätzchen machten einen verwahrlosten Eindruck oder haben gar Schnupfen, dann sei es wichtig, sie an einem trockenen, warmen Ort unter zu bringen und ihnen Futter anzubieten. Kuhmilch ist für Katzenkinder ungeeignet Kuhmilch oder Katzenmilch sei allerdings für Katzen-Kinder ungeeignet. "Davon können sie starke Durchfälle bekommen", informiert Koch. Besser sei dagegen Futter für Baby-Katzen und Wasser, bestätigt er das Verhalten der Finderin. Die drei jungen Kätzchen seien allerdings, im Vergleich mit anderen Fundtieren, noch relativ fit. Nach der Erstversorgung von Fundkätzchen sei der nächste Schritt der Anruf beim zuständigen Ordnungsamt der jeweiligen Stadt, so Koch. "Für die Stadt Willebadessen ist das Stefan Gördemann", weiß der Tierarzt. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden sich dann mit der Apollo Hundeschule in Liebenau in Verbindung setzen und versuchen, die Katzen dort unter zu bringen. Seit der Schließung des Tierheimes in Bad Driburg kümmern sich die Betreiber Uwe Bräuer und Daniela Ernst um die Fundtiere des Kreises Höxter. Rund 70 Katzen leben derzeit neben 20 Hunden und einigen Kleintieren in der Hundeschule. "Bei uns kommen die Katzen dann erstmal in Quarantäne", informiert Daniela Ernst. Dann würden die Kätzchen, je nach Alter, geimpft. Damit es aber gar nicht erst zu solch traurigen Schicksalen kommt, fordert Daniela Ernst auf, jede Freigängerkatze kastrieren zu lassen: "Neben der Senkung der Überpopulation hat das Kastrieren außerdem die Vorteile, dass schwere Katzenkrankheiten vermieden werden können", weiß Ernst. Da bei kastrierten Tieren Revieranspruch und Geschlechtstrieb auf ein Minimum reduziert seien, sei auch die Übertragung der Krankheiten durch Blut und Geschlechtsverkehr wesentlich geringer. Dass kastrierte Katzen weniger Mäuse fangen, sei dagegen ein Märchen: "Das Gegenteil ist der Fall, da die Tiere nach einer Kastration weniger herumstreunen und sexuell eben kaum noch aktiv sind", sagt sie. Gegen 100 Euro Pfand ist es möglich, eine Katze aus der Hundeschule Bräuer ein neues Zuhause zu geben. "Das machen wir so, um sicher zu gehen, dass die Leute die Katze kastrieren und chippen lassen", erklärt Daniela Ernst. Gegen die Vorlage der Tierarztrechnung gebe es das Geld dann wieder zurück. "Es ist außerdem wichtig, die Chipnummer der Katze dann auch registrieren zu lassen, zum Beispiel bei Tasso", fügt Ernst hinzu. Den drei kleinen Fundkätzchen geht es mittlerweile immer besser. "Sie entwickeln sich prächtig, raufen miteinander und entdecken die Freude am Leben", sagt ihre Finderin. Es bleibt zu hoffen, dass auch diese drei bald ein dauerhaftes Zuhause finden.

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