Borgentreich Stadtwall wird Bauland

Dadurch wird ein viel genutzter Fußweg zugemacht

Burkhard Battran

Der Zeitplan ist recht straff. Im Sommer 2019 soll der neue U3-Kindergarten in Betrieb genommen werden. Für voraussichtlich rund zwei Millionen Euro will die Stadt Borgentreich als erste Kommune im Kreis Höxter einen eigenen Kindergarten für Kleinstkinder zwischen null und zwei Jahren errichten. Die Krippe soll 30 Plätze haben und auf der Südseite an den bestehenden Kindergarten Familienforum angebaut werden. Das Land unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 900.000 Euro. Bis kürzlich war die Stadt noch von einem Bedarf von 20 U3-Plätzen ausgegangen. Diese Einschätzung wurde im Oktober von den Fachämtern von Kreis und Landesjugendamt auf 30 Plätze erhöht. Zuvor war die Stadt von einer Kostenschätzung von knapp 1,5 Millionen Euro ausgegangen. Da hätte der Zuschuss aber auch nur 600.000 und nicht wie jetzt 900.000 Euro betragen. Die Planung sieht vor, beide Kindergartenteile mit einer großen gemeinsamen Spielfläche zu verbinden. Das klingt alles sehr gut und sinnvoll. Und doch gibt es nicht unerhebliche Proteste gegen die Planung. „Es wurde bei der Präsentation der Planung unterschlagen, dass sie dazu führt, dass ein viel genutzter Fußweg durch die historische Stadtwallanlage zugemacht wird, die wir aber gern erhalten würden", erklärte Ute Dohmann-Bannenberg, Sprecherin der Bürgerinitiative um Erhalt des Grüngürtels. In der Bebauungsplanänderung, die am Dienstagabend vom Rat der Stadt mehrheitlich verabschiedet wurde, ist noch ein anderer Punkt enthalten, den viele Anwohner und auch die Fraktionen von SPD, Grünen und FDP kritisieren.  Sie wird ja doch nicht von der Kita in Anspruch genommen Es geht um eine Erweiterungsfläche für den Kindergarten im Norden. „Es gibt überhaupt keinen Grund an dieser Erweiterungsfläche festzuhalten und sie als Bauland auszuweisen, weil sie vom Kindergarten ja doch nicht in Anspruch genommen wird", erklärte SPD-Fraktionssprecher Hubertus Eikenberg. Die Änderung des Bebauungsplans betrifft das Flurstück 1416 nördlich des Familienzentrums, zu dem im Westen auch der Borgentreicher Felsenkeller gehört. Unklar ist, ob es sich bei der Fläche wirklich um ein Boden- und Naturdenkmal handelt. In alten Plänen von 1982 war die Fläche als Natur- und Bodendenkmal gekennzeichnet. In neueren Plänen ist das nicht mehr der Fall. Durchgeführte Grabungen brachten keine Klarheit. Der Grüngürtel der ehemaligen Wallanlagen ist auf Luftbildaufnahmen als Zeugnis Borgentreicher Stadtgeschichte jedoch deutlich zu erkennen. „Die alten Borgentreicher Wallanlagen sind ortsbildprägend. Wir möchten, dass der Wall erhalten und als Ganzes sichtbar bleibt", sagt Ute Dohmann-Bannenberg. Am Abend wurden von den Borgentreicher Anwohnern eine Unterschriftenliste mit 379 Unterzeichnern übergeben, die damit gegen die Ausweisung dieses Abschnitts des historischen Stadtwalls als Bauland protestieren.  "Wir nehmen die Einwendungen der Bürger sehr ernst" „Wir nehmen die Einwendungen der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst, aber es geht hier um ein wichtiges familienpolitisches Vorhaben und es ist die Aufgabe des Stadtrats, hier die richtigen Weichen zu stellen", sagte Bürgermeister Rainer Rauch. Für die CDU-Fraktion hieß das am Dienstag, dem Verwaltungsvorschlag zu folgen. „Wir halten am Beschluss fest, so wie er von der Verwaltung vorgelegt wurde", erklärte CDU-Fraktionssprecher Alexander Otto. Heißt, dass das Areal zunächst als Erweiterungsfläche für den Anbau der Kita ausgewiesen wird. Als „Impraktikabel" abgelehnt wurde auch der Kompromissvorschlag, das Kindergarten-Areal außerhalb der Öffnungszeiten sowie an den Wochenenden und den Ferien zum Durchqueren offen zu halten.

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