Borlinghausen Firmenchefin in vierter Generation

Gockeln Metallbau blickt auf eine 130-jährige Unternehmensgeschichte zurück

VON PATRICK OTTE
Betriebsleiter Mirko Jochheim und Geschäftsführerin Hedwig Wecker sorgen dafür, dass bei Gockeln Metallbau alles rund läuft. Im Hintergrund schweißt Paul Maksuti. - © FOTO: PATRICK OTTE
Betriebsleiter Mirko Jochheim und Geschäftsführerin Hedwig Wecker sorgen dafür, dass bei Gockeln Metallbau alles rund läuft. Im Hintergrund schweißt Paul Maksuti. | © FOTO: PATRICK OTTE

Borlinghausen. Es wird gestanzt, gefräst und geschweißt. Eine rege Betriebsamkeit liegt bei Gockeln Metallbau in der Luft. Seit 130 Jahren bürgt die Firma für Qualität im Metallbauhandwerk. Geschäftsführerin Hedwig Wecker leitet den Familienbetrieb in der vierten Generation. Wo früher mit Hammer und Zange Schlösser für Teekisten gefertigt wurden, stanzen, schweißen und lackieren die Mitarbeiter heute mit der neusten Technik Stahl, Edelstahl und Aluminium.

Ob Leiterbeschläge, Treppengeländer oder Geräte für den Kinderspielplatz, die Firma Gockeln Metallbau fertigt fast alles, was des Kunden Herz begehrt. In ihrer 130-jährigen Geschichte hat der Betrieb so manche Krise gemeistert und expandierte vor allem in den vergangenen Jahren. Passend zum Geburtstag verstärkt in Kürze eine 160-Tonnen-Presse das Team um Geschäftsführerin Hedwig Wecker. "Diese Presse hat die doppelte Kraft wie unsere bisher größte und einen automatischen Vorschub", erklärt Rudolf Gockeln, Leiter der Stanzerei, den Entwicklungsschritt.

Information

Offene Türen zur Jubiläumsfeier

130 Jahre Gockeln Metallbau: Zu einem "Tag der offenen Tür" lädt das Unternehmen am Samstag, 29. Juni, ein.

Um 15 Uhr beginnt auf dem Betriebsgelände in Borlinghausen ein Gottesdienst mit Pfarrer Peter Heuel, der auch dem neuen Trockenlager den kirchlichen Segen geben wird.

Die musikalische Begleitung hat der ProGospel-Chor Warburg-Herlinghausen übernommen.

Neben den Betriebsführungen durch Mitarbeiter der Firma gibt es Kaffee, Kuchen und kalte Getränke. (pat)

Zu den Kunden der Bauschlosserei zählen Autozulieferer und Förderanlagenbauer sowie Leiterhersteller. Auch Banken, Krankenhäuser und Schulen vertrauen auf die Qualität von Gockeln Metallbau. "Wir sind ein geprüfter Schweißfachbetrieb nach DIN 1090-1. Dies entspricht der Herstellerqualifikation C", bürgt Hedwig Wecker für den hohen Standard im Hause Gockeln. Das bedeutet, dass alle drei Jahre ein Mitarbeiter des TÜV Rheinland den Betrieb auf Herz und Nieren prüft.

Angefangen hat alles mit Schlössern für Teekisten. 1883 gründete Heinrich Gockeln die Bauschlosserei in Borlinghausen. Die Schlösser verschiffte er über Rotterdam bis nach Hongkong und Singapur. "Zu der Zeit ein sehr mutiger Mann mit einer guten Geschäftsidee", findet seine Urenkelin Hedwig Wecker. Neben der Werkstatt errichtete der Firmengründer einen Anbau für eine Dampfmaschine. "Für seinen Betrieb arbeiteten auch einige Frauen aus Borlinghausen in Heimarbeit", hebt Hedwig Wecker die Bedeutung für des Unternehmens für die Ortschaft hervor. Auch hatte die Schlossfabrik einen wichtigen Anteil daran, dass Borlinghausen einen Bahnanschluss bekam.

Kurz vor der Jahrhundertwende erwarb Heinrich Gockeln eine Wassermühle mit einer 15-PS-Turbine in Altenbeken. 50 Mitarbeiter standen für ihn in Lohn und Brot. Doch als im Russisch-japanischen Krieg 1906 mehrere Schiffe mit der Exportware aus dem Hause Gockeln versenkt wurden, musste der Standort in Altenbeken aufgegeben werden. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam das Exportgeschäft dann komplett zum Erliegen.

Zwar konnte sich der Betrieb auch in den Wirren der beiden Weltkriege und deren Zwischenzeit halten, doch richtig aufwärts ging es erst wieder nach 1945. Zunächst kümmerte sich die Firma vor allem um Reparaturen und fertigt erste Beschläge für Leitern. Unter der Regie von Josef Gockeln mit seinen Söhnen Karl-Heinz und Ludwig wurden seit 1960 auch Geländer sowie Fenster und Türen aus Stahl und Aluminium gebaut. 1975 kam ein weiteres Produkt hinzu: Geräte für den Kinderspielplatz.

Seit 2003 leitet Hedwig Wecker das Familienunternehmen. Unter ihrer Regie wurde das Betriebsgelände kontinuierlich erweitert. Auf der 5.000 Quadratmetern großen Fläche stehen neben den alten Betriebshallen eine Fertigungshalle für Edelstahl und eine Lackiererei. "Dadurch, dass wir selbst lackieren können, sparen wir enorm viel Zeit. So garantieren wir ,just in time‘", zeigt sich Wecker stolz über die 2008 eingeweihte Lackierhalle. Die letzte große Baumaßnahme war ein neues Trockenlager. 2011 wurde dieses 168 Quadratmeter große Trockenlager errichtet.

Für die Stadt Willebadessen ist Gockeln Metallbau ein wichtiger Arbeitergeber. So gehören 28 Mitarbeiter zur Firma. "Allein acht stammen aus Borlinghausen", hebt Wecker die Verbundenheit zum Standort hervor. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Firma 53 junge Männer und eine Frau zum Schlosser ausgebildet. Gegenwärtig ist in jedem Lehrjahr der dreieinhalbjährigen Ausbildung ein Auszubildender. Für das kommende Lehrjahr sucht der Betrieb noch einen Auszubildenden für den Beruf des "Metallbauers Fachrichtung Konstruktionstechnik". "Interessenten sollten mindestens einen Hauptschulabschluss und gute Mathe-Kenntnisse haben", betont Wecker die Anforderungen an die jungen Leute.

Am Samstag, 29.Juni, öffnet Gockeln Metallbau ab 15 Uhr seine Tore. Neben der Einweihung des neuen Trockenlagers und der Edelstahlhalle führen der Betriebsleiter Mirko Jochheim, Techniker Olaf Zinkhöfer und Meister Robert Brüne durch den traditionsreichen Betrieb.

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